Brent-Öl steigt in Folge der Iran-Krise – Goldkurs zieht sich zurück
Die eskalierenden Spannungen zwischen Iran und den USA im Nahen Osten haben die Sorgen um mögliche Lieferunterbrechungen bei Rohöl verstärkt. Brent-Öl legte deutlich zu und nähert sich aktuell der Marke von 102 US-Dollar pro Barrel. Diese Entwicklung treibt die Inflationserwartungen an und bewirkt einen Anstieg der Anleiherenditen weltweit. Infolgedessen musste Gold Preisnachlässe hinnehmen und fiel unter die wichtige Marke von 4.300 US-Dollar. Damit überwiegen derzeit die Auswirkungen steigender Zinsen die sonst typische Rolle von Gold als geostrategischer Krisenschutz.
USA intensivieren militärische Einsätze gegen Iran – Regionale Risiken steigen
In dieser Woche weiterten die USA ihre Militärschläge im Persischen Golf aus, indem sie verschiedene iranische Anlagen wie Luftabwehrsysteme, Radarstationen, maritime Einrichtungen, Minenversorgungsanlagen und Kommunikationsinfrastruktur ins Visier nahmen. Der Iran reagierte mit Raketen- und Drohnenangriffen auf amerikanische Stützpunkte. Donald Trump hatte zuvor vor einer möglichen Eskalation gewarnt, sollte der Iran weiter zurückschlagen. Die Marktbeobachter richten ihr Augenmerk nun darauf, ob die USA ihre militärischen Reaktionen noch weiter verschärfen werden, was das Risiko einer langanhaltenden Konfliktspirale erhöht. Eine solche Entwicklung könnte die Versorgung durch die strategisch bedeutende Straße von Hormus und den Persischen Golf gefährden.
Technische Analyse: Wichtige Widerstandszonen bei Brent bei 102 und 104,23 US-Dollar
Aus technischer Sicht hat Brent-Öl nach einem Tief bei 84,56 US-Dollar eine starke Gegenbewegung vollzogen und die Widerstandsmarke bei 94,83 US-Dollar klar durchbrochen. Dies deutet darauf hin, dass die vorausgegangene Korrektur von 102 auf 84,56 US-Dollar beendet sein könnte und der Aufwärtstrend wiederaufgenommen wird. Solange Brent über dem 4-Stunden-Gleitenden-Durchschnitt der letzten 55 Perioden bei 90,10 US-Dollar bleibt, besteht Potenzial für einen Angriff auf das früher erreichte Hoch knapp bei 102 US-Dollar. Übergeordnet wartet bei 104,23 US-Dollar der nächste relevante Widerstand, der das 61,8%-Retracement des Anstiegs von 70,14 auf 102 US-Dollar markiert. Ein Überschreiten dieser Marke könnte eine Neubewertung größerer Angebotsrisiken für den Persischen Golf einleiten, mit einem möglichen Ziel im Bereich von 116,39 US-Dollar.
Gold unter Druck durch steigende Renditen – wichtige Unterstützung bei 4.324 US-Dollar durchbrochen
Nach einem Hoch von 4.697,07 US-Dollar musste Gold eine deutliche Korrektur verzeichnen und fiel entscheidend unter die strukturelle Unterstützung bei 4.324,23 US-Dollar, welche das 50%-Retracement zwischen 3.942,43 und 4.697,07 US-Dollar darstellt. Zudem rutschte der Kurs unter den 55-Tage-Durchschnitt um 4.337,66 US-Dollar. Kurzfristig ist bei einem weiteren Verbleib unter dem 4-Stunden-Gleitenden-Durchschnitt der letzten 55 Perioden bei rund 4.478,21 US-Dollar mit einem Rückgang bis 4.230,70 US-Dollar zu rechnen, was dem 61,8%-Retracement entspricht. Durchbricht Gold auch diese Marke, wird die untere Unterstützung bei 3.942,43 US-Dollar erneut getestet werden.
Einfluss von Inflationserwartungen und Geldpolitik auf Goldpreis
Der sinkende Goldpreis ist nicht zwingend ein Signal für abnehmende geopolitische Risiken. Vielmehr spiegelt er die durch steigende Ölpreise angetriebenen Inflationserwartungen wider, die ihrerseits verstärkt erwarten lassen, dass die US-Notenbank (Fed) und andere Zentralbanken ihre restriktive Geldpolitik fortsetzen oder verschärfen. Höhere Renditen erhöhen die Opportunitätskosten für das Halten von Gold, was dessen Preisdruck erhöht. Im gegenwärtigen makroökonomischen Umfeld dominieren Zinsentwicklungen die Preisgestaltung vieler Anlageklassen, darunter auch Gold.
Drei Entwicklungen im Fokus der Anleger
Erstens gilt es zu beobachten, ob die USA in der Folge weiterer iranischer Vergeltungsmaßnahmen die militärische Eskalation ausweiten, was die Spannungen verlängern könnte. Zweitens bleibt die Sicherheit der Seeschifffahrt durch die Straße von Hormus ein zentraler Faktor für die Bewertung von Ölrisiken; Störungen könnten die Preise weiter nach oben treiben, während eine Entspannung zu einer Abmilderung führen würde. Drittens beeinflussen die Kursverläufe bei den Anleiherenditen in Kombination mit Ölpreisentwicklungen die weitere Preisentwicklung bei Gold. Sollte sich das Renditeumfeld stabilisieren oder sinken, könnte sich Gold von der Ölpreisentwicklung lösen und durch geopolitisch bedingte Nachfrage wieder gestützt werden.
Aktuell unterstreicht die Bewegung von Brent die erhöhten Angeboteinschränkungen, während Gold durch Zinserwartungen belastet bleibt. Die Verknüpfung zwischen geopolitischen Risiken und geldpolitischen Entscheidungen wird die Entwicklung dieser Rohstoffe in den kommenden Wochen maßgeblich bestimmen.