- Die Rendite der zweijährigen deutschen Staatsanleihen (DE2YT:RR) stieg um 3 Basispunkte auf 2,746%, stark beeinflusst durch die geopolitische Lage, die den internationalen Ölpreis auf 120 USD pro Barrel ansteigen ließ. Dieses Renditebarometer steuert auf den neunten Handelstag in Folge mit Anstieg zu und spiegelt die schnelle Preisfindung des Geldmarkts auf das Inflationsrisiko wider.
- Daten des Zinsderivatemarkts zeigen, dass Händler allgemein erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf der heutigen Sitzung unverändert lässt. Die Vorwärtskurve beinhaltet jedoch vollständig die Aussicht auf mindestens drei Zinserhöhungen in diesem Jahr, wobei die implizite Wahrscheinlichkeit einer vierten Erhöhung 50% erreicht hat.
- Der Vorsitzende der US-Notenbank (Fed), Jerome Powell, signalisierte auf seiner letzten Pressekonferenz vor dem Ende seiner Amtszeit eine Warnung vor einem Inflationsanstieg. Zusammen mit der Erweiterung des Spreads zwischen den italienischen 10-jährigen Staatsanleihen (IT10Y) und deutschen Bundesanleihen auf 85 Basispunkte, erhöhte dies den Druck auf eine Neubewertung der globalen Staatsanleihenmärkte.
Neubewertung der kurzfristigen Renditekurve
Auf dem globalen Rentenmarkt erleben kurzfristige Anleihen, die am empfindlichsten auf Inflation und marginale Änderungen der Geldpolitik reagieren, eine heftige Neubewertung. Die Rendite der zweijährigen deutschen Staatsanleihen erreichte ein neues Hoch seit dem 30. März und stieg seit Ende Februar um insgesamt 74 Basispunkte. Diese Entwicklung ist kein isoliertes Phänomen, da auch die kurzfristigen Zinssätze in den Kernregionen und Peripheriestaaten Europas synchron gestiegen sind. Die zweijährige Rendite Italiens (IT2YT:RR) stieg im selben Zeitraum um 87 Basispunkte, während die britische zweijährige Staatsanleihe (GB2YT:RR) sogar um 100 Basispunkte anstieg. Diese sektorübergreifende Resonanz der kurzfristigen Renditen deutet darauf hin, dass Investoren ihre vorherige optimistische Erwartung eines lockeren Zentralbankzyklus erheblich reduzieren und ein höheres Inflationsniveau sowie längere Straffungszyklen in die Vermögensmodelle wieder einbeziehen.
Geopolitische Risikoprämien und importierte Inflation
Der jüngste Anstieg der gesamten Souveränanleihenrenditekurve wird hauptsächlich durch Unsicherheiten auf der Energieversorgungsseite angetrieben. Marktberichten zufolge evaluiert die USA potenzielle geopolitische Maßnahmen in Schlüsselsektoren des Nahen Ostens, was direkt zu einem starken Anstieg des internationalen Rohölpreises führte, und in der Nähe der psychologisch wichtigen Marke von 120 USD pro Barrel schwankt. Für die Eurozone, die stark von Energieimporten abhängig ist, würde ein hoher Rohölpreis direkt über den Importpreisindex (IPI) auf den Erzeugerpreisindex (PPI) übertragen und so den Rückgang des Kernverbraucherpreisindex (CPI) verlangsamen. Diese von externen geopolitischen Risiken ausgelöste importierte Inflation schränkt stark den geldpolitischen Spielraum der Europäischen Zentralbank (EZB) ein.
Abwägung der EZB-Politik
Vor dem Hintergrund hoher Energiepreise steht die EZB vor der doppelten Herausforderung, die Verankerung von Inflationserwartungen zu verhindern und das fragile Wirtschaftswachstum zu erhalten. Der Marktkonsens erwartet, dass die zentrale Bank auf der Sitzung in dieser Woche abwartet, doch der Ton der zukunftsorientierten Leitlinien wird zum Fokus der Marktteilnahme werden. Eric Lim, Stratege bei der Commerzbank, meint, dass die aktuelle Basisannahme des Instituts ist, dass die EZB frühestens im Juni einen Zinserhöhungszyklus starten könnte. Sollten jedoch die Übertragungseffekte der Energiepreise im kontrollierbaren Rahmen bleiben und keinen breiten Lohn-Preis-Spiral-Effekt auslösen, könnte die Zentralbank nach einer einzigen Zinserhöhung eine abwartende Haltung einnehmen. Ein solch datenabhängiger Politikpfad bedeutet, dass die Inflations- und Konjunkturdaten in den kommenden Monaten zu einer höheren Volatilität auf den Anleihemärkten führen werden.
Transatlantische Auswirkungen der Geldpolitik
Neben den fundamentalen Faktoren innerhalb der Eurozone übt auch die geldpolitische Stabilität der Fed einen signifikanten Spillover-Effekt auf die europäischen Anleihemärkte aus. Die Fed behielt in ihrer letzten Zinssitzung den Status quo bei, jedoch verstärkten sich die Falken innerhalb der Organisation, wobei vier Mitglieder gegen die in der Erklärung angedeutete lockere Ausrichtung gestimmt haben. Dies zeigt die Besorgnis der Entscheidungsträger über die Unsicherheit auf dem Inflationspfad. Powells letzte Aussagen als Vorsitzender vor seiner Entlassung zerstreuten die Erwartungen an eine schnelle Kehrtwende der Fed. Die dynamischen Anpassungen der Zinsdifferenzen zwischen den USA und China sowie zwischen der Eurozone und den USA beschleunigten die globale Kapitalumstrukturierung und erhöhten die Laufzeitprämien am europäischen Anleihemarkt, was zu systematisch steigenden Finanzierungskosten in der Eurozone führte.