Salesforce übernimmt den Anbieter von Customer-Engagement-Software Braze für rund 5,66 Milliarden Dollar in bar. Das Angebot von 47,50 Dollar je Aktie erweitert die Echtzeit- und Mobile-Marketing-Funktionen des Konzerns, der zugleich sein KI-Geschäft ausbaut und mit Adobe um Unternehmenskunden konkurriert. Nach Bekanntgabe der Vereinbarung legte die Braze-Aktie kräftig zu, während Salesforce leicht nachgab.
Braze stärkt Echtzeit- und Mobile-Marketing
Braze bietet Software, mit der Marken ihre Kommunikation über digitale Kanäle verwalten, automatisieren und personalisieren können. Ein Schwerpunkt liegt auf der direkten Kundenansprache in Echtzeit, etwa über mobile Anwendungen und weitere digitale Kontaktpunkte.
Keith Bachman, Analyst bei BMO Capital Markets, sieht Überschneidungen zwischen den Angeboten beider Unternehmen. Braze bringe Salesforce jedoch zusätzliche Kompetenzen bei Echtzeit-Interaktionen und der Einbindung mobiler Nutzer. Die Übernahme könnte das Angebot der Salesforce Marketing Cloud ausbauen und den Wettbewerb mit Adobe im Geschäft mit Großunternehmen verschärfen.
Braze zählt rund 2.700 Kunden, Salesforce mehr als 150.000. Bachman verwies darauf, dass der Umsatz von Salesforce mit Marketing- und Commerce-Cloud-Produkten drei Quartale in Folge gesunken sei. Bei der jüngsten Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen berichteten Führungskräfte des Konzerns von ersten Anzeichen einer Verbesserung im Marketinggeschäft. Ob die Übernahme den Umsatztrend umkehren kann, hängt unter anderem davon ab, wie gut sich die Unternehmen integrieren und Braze-Kunden für Salesforce-Angebote gewinnen lassen.
Aktien reagieren unterschiedlich auf den Deal
Im US-Handel am Dienstagvormittag verlor die Salesforce-Aktie mehr als 1 Prozent und notierte bei rund 239 Dollar. Im Jahr 2026 lag sie damit etwa 8 Prozent im Minus. Braze gewann rund 51 Prozent auf etwa 45,35 Dollar und näherte sich damit dem Barangebot von 47,50 Dollar je Aktie. Die Adobe-Aktie stieg um mehr als 3 Prozent auf rund 255 Dollar.
Dass Braze weiterhin unter dem Angebotspreis gehandelt wurde, kann auf Unsicherheit über den Zeitplan, erforderliche Genehmigungen und weitere Abschlussbedingungen hindeuten. Weitere Einzelheiten zu diesen Bedingungen waren in den vorliegenden Informationen nicht genannt. Anleger warten auf nachfolgende Mitteilungen der Unternehmen und der zuständigen Behörden.
Salesforce setzt auf weitere Übernahmen
Salesforce hat sein Geschäft in den vergangenen Jahren wiederholt durch Zukäufe neu ausgerichtet; künstliche Intelligenz steht inzwischen im Zentrum der Strategie. Seit Mai 2025 hat der Konzern 15 Übernahmen abgeschlossen oder angekündigt. Zu den größeren Transaktionen zählen Informatica, Fin und Regrello. Mit Braze würde Salesforce seine Aktivitäten in den Bereichen Marketing, Kundendaten und KI-Anwendungen weiter ausbauen.
Die Führung des Unternehmens erwartet, dass sich das organische Umsatzwachstum in der zweiten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres wieder beschleunigt. Zugleich stehen Kerngeschäfte wie Tableau und MuleSoft unter dem Einfluss veränderter Ausgabenprioritäten bei Unternehmenskunden. Einige Analysten sehen darin einen anhaltenden Wandel bei den Kaufentscheidungen für Unternehmenssoftware.
KI-Preise und Nutzungsmodelle bleiben offen
Salesforce bewegt sich vom klassischen Software-as-a-Service-Modell hin zu nutzungsabhängigen Preisen für KI-Agenten. Der Konzern und andere Softwareanbieter unterstützen Unternehmen dabei, eigene Daten für KI-Anwendungen aufzubereiten, und entwickeln autonome Agenten, die Aufgaben online ausführen können.
Dieser Wandel verändert nicht nur den Einsatz von Software, sondern auch Umsatzmodelle, Kaufentscheidungen und Preise. Für Salesforce bleibt entscheidend, wie es seine neuen KI-Produkte bepreist und ob Kunden dauerhaft nutzungsabhängige Gebühren akzeptieren. Der wirtschaftliche Erfolg des Braze-Zukaufs wird sich letztlich daran messen lassen, ob Kunden bleiben, die Marketing-Cloud-Umsätze steigen und sich zusätzliche Produkte erfolgreich verkaufen lassen.