Revolut genehmigt als Nationalbank, einzelne Services brauchen noch Genehmigung
Die britische Finanztechnologie-Plattform Revolut hat von der US-amerikanischen Aufsichtsbehörde Office of the Comptroller of the Currency (OCC) die Erlaubnis erhalten, die Nationalbank "Revolut Bank US, N.A." mit Sitz in Stamford, Connecticut, zu gründen. Dies stellt einen bedeutenden Schritt für Revolut dar, um im US-Markt Bankdienstleistungen unter eigener Lizenz anzubieten. Allerdings hat die OCC für vier bestimmte Geschäftsbereiche weitere behördliche Zustimmungen als Voraussetzung für den Start gefordert.
Die Genehmigung der OCC enthält Vorgaben, wonach Revolut für gehebelten Forex-Handel (einschließlich Intraday-Forex), Devisentermingeschäfte, das Zahlungshandelsgeschäft (Merchant Acquiring) sowie Korrespondenzbankdienstleistungen für fremde ausländische Banken mit US-Dollar-Konten separat zustimmende Schreiben einholen muss. Eine Begründung für die Verzögerung bei der Freigabe dieser Segmente wurde von der Aufsicht nicht veröffentlicht.
Revolut bestätigte, dass diese Geschäftszweige noch in der Entwicklung sind und man weiterhin eng mit der OCC und weiteren US-Regulatoren zusammenarbeiten werde, um die Einhaltung der US-Vorschriften sicherzustellen.
Kapitalerfordernisse und weitere regulatorische Schritte
Die Genehmigung durch die OCC ist vorläufig und an Bedingungen geknüpft. Revolut wartet noch auf die Deckung durch die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) für Einlagensicherung. Außerdem stehen Freigaben für den Status als Bankholdinggesellschaft von der US-Notenbank Federal Reserve für die US-Holdinggesellschaft sowie den britischen Mutterkonzern aus.
Revolut plant einen Betriebsstart bis 2027. Die OCC verlangt eine Mindestkapitalzuführung in Höhe von 95 Millionen US-Dollar sowie einen Tier-1-Leverage-Ratio von mindestens 10 Prozent für die ersten drei Jahre. Im Vergleich dazu muss OpenReserve, eine am selben Tag genehmigte Digital-Asset-Bank, einen höheren Leverage-Ratio von 12 Prozent erreichen und verfügt über 210 Millionen US-Dollar Kapital.
Der Genehmigungsprozess für Revolut erstreckte sich über 176 Tage, was länger ist als bei anderen Fintechs in den USA in diesem Jahr, die meist innerhalb von 120 Tagen durchkamen. Zum Beispiel erhielt Nubank die Freigabe nach nur 121 Tagen.
Übergang und Marktposition in den USA
Aktuell bedient Revolut in den USA rund eine Million Kunden über Kooperationen mit Drittbanken wie Lead Bank in Missouri. Das Unternehmen beabsichtigt, diese Nutzer schrittweise auf die eigene Nationalbank zu übertragen. Revolut bestätigte, dass Lead Bank den Übergangsprozess weiterhin unterstützt, auch wenn die genauen Modalitäten noch finalisiert werden. Lead Bank äußerte sich nicht zu den Plänen.
Marktbeobachter sehen in Revoluts eigener Lizenz eine Verringerung der Abhängigkeit von Partnerbanken und erwarten mehr Wettbewerb für etablierte US-Banken. Gleichzeitig verdeutlicht dies die regulatorischen Herausforderungen bei grenzüberschreitenden Bankdienstleistungen.
Ausländische Fintechs und US-Regulierung
Revolut ist nach Nubank die zweite ausländische Fintech, die eine US-Nationalbanklizenz erhält, was auf eine mögliche Öffnung der OCC gegenüber internationalen Bewerbern hinweist. Andere bekannte ausländische Fintechs wie Wise und Bunq hatten dagegen US-Banklizenzanträge abgelehnt bekommen.
OCC Comptroller Jonathan Gould betonte die Bedeutung, innovative Finanzunternehmen, auch aus dem Umfeld digitaler Vermögenswerte, für regulierungskonforme Bankbeziehungen in den USA zu berücksichtigen.
Compliance-Probleme und regulatorische Prüfungen
Revolut hatte in Europa bereits regulatorische Schwierigkeiten, darunter eine Geldbuße von 3,5 Millionen Euro wegen Geldwäsche in Litauen. Branchenexperten hatten vermutet, dass solche Probleme US-Genehmigungen erschweren könnten. Diese Bedenken schienen die OCC-Entscheidung jedoch nicht maßgeblich beeinflusst zu haben. Todd Baker, Senior Legal Researcher an der Columbia Law School, wies darauf hin, dass die ausländische Natur der Verstöße und das Fehlen größerer US-Rechtsstreitigkeiten vermutlich zu einer unkomplizierteren Prüfung führten.
Die anstehende Entscheidung der Federal Reserve über den Status von Revolut als Bankholding wird unter anderem hinsichtlich erweiteter Geldwäsche-Auflagen aufmerksam verfolgt.
Öffentliches Feedback und regulatorischer Rahmen
Während des Genehmigungsverfahrens gingen bei der OCC lediglich drei öffentliche Stellungnahmen ein. Kritiker bemängelten das Fehlen konkreter Kreditvergabeziele im Community Reinvestment Act-Plan von Revolut, doch diese Einwände hatten keinen Einfluss auf die Lizenzvergabe. Einige Stellvertreter äußerten Zweifel an der Transparenz des OCC-Prüfprozesses.
Die Genehmigung steht exemplarisch für die sich entwickelnden Standards im US-Banklizenzrecht, die Innovation und Risikominimierung in einem komplexen regulatorischen Umfeld in Einklang bringen wollen.