Institutionelle Anleger prägen Bitcoin-Zyklen neu
Der bisherige 4-Jahres-Halving-Zyklus von Bitcoin steht vor einer grundlegenden Veränderung. Verantwortlich dafür sind größere Volumen institutionellen Kapitals und veränderte makroökonomische Liquiditätsbedingungen. Der renommierte Analyst Willy Woo stellte kürzlich fest, dass sich Bitcoins Preisentwicklung zunehmend in einen Zyklus von etwa 6 bis 8 Jahren einordnen könnte. Dieser Rhythmus nähert sich eher den bekannten Kurzfristzyklen traditioneller Finanzmärkte als dem klassischen Halving-Schema.
Woo unterstreicht, dass Halving-Events weiterhin von Bedeutung sind, ihre unmittelbare Wirkung auf den Bitcoin-Preis jedoch im Verhältnis zum Einfluss institutioneller Investoren abnimmt. Beim nächsten Halving im Jahr 2024 sinkt die Block-Belohnung auf 3,125 BTC, wodurch jährlich etwa 164.250 neue Coins entstehen. Dies entspricht nur noch 0,82 % des aktuellen Umlaufbestands. Bis zum Halving 2028 reduziert sich dieser Wert auf rund 82.125 Coins pro Jahr, also 0,41 % der zirkulierenden Menge.
Diese Verringerung der Angebotsverknappung steht im Gegensatz zum wachsenden Kapitalfluss von Wall-Street-Investoren und anderen institutionellen Akteuren.
Institutionelle Bestände übersteigen Miner-Ausstoß deutlich
Daten von Bitcoin Treasuries zeigen, dass mehr als 100 börsennotierte Unternehmen gemeinsam über 1,2 Millionen Bitcoins halten. Exchange Traded Products (ETPs) ergänzen dieses Volumen um weitere knapp 1,5 Millionen Coins. Insgesamt umfassen institutionelle Bestände und damit verbundene Produkte somit über 2,7 Millionen BTC — das ist mehr als das 16-Fache der jährlichen Minerproduktion.
Nach dem Halving 2028 wird sich diese Diskrepanz voraussichtlich noch vergrößern. Zwar bedeutet dies nicht, dass Institutionen direkt als Preissetzer auftreten, doch es verdeutlicht, dass das Angebot von Minern als Preistreiber eine deutlich geringere Rolle spielt. Woo argumentiert, dass künftig Faktoren wie Kreditverhältnisse, globale Liquidität und Allokationen im Portfolio die zentralen Preistreiber für Bitcoin sein werden.
Der 4-Jahres-Halving-Zyklus verliert alleinige Bedeutung
Traditionell wurde der Bitcoin-Halving-Zyklus als eine quasi mechanische Marktbewegung angesehen. Dabei war er stets von vielfältigen Einflüssen wie regulatorischen Änderungen und Anlegerstimmungen geprägt. Aktuelle Studien bestätigen die fortbestehende Präsenz des Zyklus, sehen jedoch eine abnehmende Volatilitätsstärke.
Forschungen von Galaxy Research und 21Shares deuten darauf hin, dass sich Bitcoins Zyklen weiterentwickeln, aber nicht verschwinden. Fidelity Digital Assets weist zudem auf Veränderungen infolge gestiegener Marktkapitalisierung und institutioneller Beteiligungen hin.
Somit bleibt Woos Hypothese eines 6- bis 8-Jahres-Zyklus ein Thema der Beobachtung, ohne dass sich bislang eine breite Marktmeinung herausgebildet hat.
Auswirkungen auf den Markt und Anleger
Bitcoin verzeichnete zuletzt einen moderaten Anstieg von rund 5 % binnen 24 Stunden, mit einer Marktkapitalisierung von etwa 1,62 Billionen US-Dollar und einem täglichen Handelsvolumen von 33,49 Milliarden US-Dollar. Da das Miner-Angebot weiter schrumpft, wird das zunehmende institutionelle Kapital wahrscheinlich die künftigen Bitcoin-Zyklen stärker an makroökonomische Kredit- und Liquiditätsentwicklungen koppeln, anstatt strikt an Halving-Termine gebunden zu sein.
Für Investoren und Trader gewinnt damit die Beobachtung gesamtwirtschaftlicher Rahmenbedingungen und Kapitalflüsse an Bedeutung, da diese Faktoren künftig eine entscheidende Rolle bei der Steuerung von Bitcoin-Bullen- und -Bärenphasen spielen könnten.