Binance-Mitgründer und früherer CEO Changpeng Zhao, bekannt als CZ, warnt, dass künstliche Intelligenz Cyberangriffe beschleunigt. Kryptounternehmen müssten ihre Abwehr stärken und bei Sicherheitsvorfällen besser zusammenarbeiten. In seinem ersten öffentlichen Interview seit dem Angriff auf Binance am 29. Oktober sagte Zhao, die zunehmende Verflechtung von Kryptowährungen mit Stablecoins, tokenisierten Aktien, realen Vermögenswerten und dem traditionellen Finanzsystem könne dazu führen, dass ein größerer Vorfall weit über eine einzelne Plattform oder Branche hinauswirkt.
CZ: KI auch für die Abwehr einsetzen
Im Podcast Talking Tokens sagte Zhao, leistungsfähigere KI könne Angreifern dabei helfen, schneller vorzugehen. Unternehmen sollten KI deshalb ebenfalls stärker zur Absicherung ihrer Systeme nutzen. Er rief sie dazu auf, in Sicherheitsteams zu investieren und mit Anbietern von KI-Sicherheitslösungen zusammenzuarbeiten. KI könne Schwachstellen in Software aufspüren und Schutzmaßnahmen verbessern, ersetze aber weder kontinuierliche Investitionen noch die Abstimmung zwischen Unternehmen.
Der Vorfall bei Binance reiht sich in weitere Sicherheitsereignisse der Kryptobranche ein. Das Blockchain-Analyseunternehmen Chainalysis teilte mit, dass Kundennamen und E-Mail-Adressen abgegriffen worden seien. Bei der brasilianischen Kryptobörse Mercado Bitcoin kam es zu einem Sicherheitsvorfall, bei dem 46 Millionen US-Dollar betroffen waren. Die Fälle rücken erneut in den Fokus, wie Plattformen Angriffe verhindern, Nutzerdaten schützen und nach dem Diebstahl von Vermögenswerten reagieren können.
Zhao sagte, er habe kurz vor Mitternacht Ortszeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten von dem Angriff auf Binance erfahren. Während das Team den Vorfall eindämmte und Nutzer schützte, habe er sich auf die Kommunikation mit der Community konzentriert. Die vergleichsweise stabile Marktentwicklung danach und die Nettozuflüsse zur Plattform führte er auf die Reaktion von Binance, die finanziellen Mittel des Unternehmens und das Vertrauen der Nutzer zurück. Zhao nannte für die angegebenen Zuflüsse weder Zahlen noch einen Zeitraum.
Binance beschreibt Angriff über fingiertes Bewerbungsgespräch
In einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung erklärte Binance, der Angreifer habe sich über ein fingiertes Bewerbungsgespräch Zugang zum Computer eines Mitarbeiters verschafft und anschließend interne KI-Werkzeuge des Unternehmens für den Angriff genutzt. Die Börse teilte außerdem mit, 2026 insgesamt 57 mutmaßliche Cyberbedrohungen mit Verbindungen zu Nordkorea identifiziert und blockiert zu haben.
Zhao sagte, Sicherheitsvorfälle ließen sich verhindern, wenn Unternehmen dem Thema ausreichend Aufmerksamkeit widmeten. Nachlässigkeit könne sie dagegen verwundbar machen. Eine vollständige technische Darstellung des Angriffs auf Binance legte er im Interview nicht vor. Die Schilderung des Unternehmens rückt Mitarbeitergeräte, Einstellungsverfahren und interne Werkzeuge als Bestandteile der Sicherheitskette in den Mittelpunkt.
CZ fordert Austausch von Informationen und schnellere Sperren
Zhao sprach sich für ein Sicherheitsbündnis der Kryptounternehmen aus. Es solle den Austausch von Erkenntnissen aus Vorfällen und bewährten Verfahren ermöglichen, gegenseitige Sicherheitsprüfungen fördern und dabei helfen, gestohlene Gelder schneller einzufrieren. Sicherheit sei keine Aufgabe, die mit dem Erreichen einer bestimmten Unternehmensgröße erledigt sei, sondern müsse mit der Weiterentwicklung des Geschäfts fortgeführt werden.
Binance und die Kryptobranche insgesamt seien offen für Unterstützung durch Regierungen, sagte Zhao. Ein schwerwiegender Sicherheitsvorfall im Kryptosektor könne auch andere Teile der Wirtschaft betreffen. Ob er den konkreten Vorfall mit US-Behörden besprochen habe, ließ Zhao offen. Für Plattformen und Nutzer bleiben damit Fragen zum Angriffsweg, zu den betroffenen Bereichen, zum Umgang mit Vermögenswerten und zum zeitnahen Austausch von Informationen über Bedrohungen entscheidend.