- Der KI-Sektor erholt sich seit zwei Tagen, nachdem OpenAI geheime Unterlagen für einen Börsengang bei der US-Börsenaufsicht eingereicht hat und die SpaceX-Aktienüberzeichnung die Käufe von Technologiewerten neu entfacht hat. Die S&P 500-Futures und Nasdaq 100-Futures stiegen im vorbörslichen Handel um 0,4 % bzw. 0,7 %.
- Die geopolitischen Risiken haben sich marginal entspannt, da Israel und Iran eine vorübergehende Vereinbarung zur Einstellung gegenseitiger Angriffe getroffen haben. Zudem bekräftigte der ehemalige US-Präsident Trump, dass ein Friedensabkommen mit Teheran kurz bevorsteht, was den Brent-Öl-Futures-Preis um 1,8 % auf etwa 92 USD pro Barrel sinken ließ.
- Die Erwartung einer Straffung der Geldpolitik belastet weiterhin festverzinsliche Anlagen. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen bleibt über 4,5 %, und der Markt preist vollständig ein, dass die Europäische Zentralbank am Donnerstag die Zinsen um 25 Basispunkte anheben wird. Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh wird am 17. Juni seine erste politische Entscheidung treffen.
AI-Primärmarkt-Hype beeinflusst Sekundärmarkt-Bewertungen
Nach einer kurzen Neubewertung ziehen Technologiewerte wieder Kapital an. Der europäische STOXX 600-Index stieg um 0,5 %, wobei die Halbleitergiganten ASML und Infineon führend waren. Im vorbörslichen US-Handel verzeichneten Nvidia, Eli Lilly und Goldman Sachs jeweils einen Anstieg von etwa 0,6 %. Durchbrüche im Primärmarkt wirken als Katalysator für den Technologiesektor, wobei OpenAIs geheimer Börsengang und SpaceXs Überzeichnung bei einem zukünftigen KGV von 56 die starke Nachfrage nach KI-Kernwerten unterstreichen. Obwohl Oracles bevorstehender Quartalsbericht und Apples Siri-Updates auf der Entwicklerkonferenz die Aktienkurse nicht sofort anheben konnten, nutzen Käufer die Gelegenheit, um günstig einzusteigen.
Hohe Short-Positionen erhöhen technisches Rückschlagrisiko
Während die Indizes wieder auf hohe Niveaus steigen, intensiviert sich das Tauziehen zwischen Bullen und Bären. David Chu von der Citigroup weist darauf hin, dass Händler aktiv Short-Positionen im US-Technologiesektor aufbauen, nachdem der Nasdaq 100 um fast 5 % gefallen ist und nur teilweise das Marktrisiko abgebaut hat. Guillermo Hernandez Sampere von MPPM erklärt, dass KI zwar eine starke langfristige Wachstumsstory bietet, aber angesichts der hohen Bewertungen und der dynamischen Branchenentwicklung kurzfristig ein technisches Rückschlagrisiko besteht. Die globale Breitenregel der Bank of America zeigt, dass fast die Hälfte der weltweiten Aktienmärkte technisch überkauft ist, wobei technologieorientierte Märkte wie Korea und Taiwan führend sind, was auf eine kritische Überfüllung der Long-Positionen hindeutet.
Globale Zentralbankstraffung belastet langfristige Vermögenswerte
Der Anleihemarkt bewertet die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung in diesem Jahr neu. Laut Daten der London Stock Exchange Group liegt die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihen über 5 %, dem höchsten Stand seit 2007. Analysten der Bank of America weisen darauf hin, dass in 46 von 68 großen Zentralbanken weltweit die Inflation über dem offiziellen Ziel liegt, was die Währungsbehörden zwingt, ihre straffe Haltung beizubehalten oder wieder aufzunehmen. Die indonesische Zentralbank hat vor ihrer regulären Sitzung eine Notzinserhöhung angekündigt, um den Druck auf den Rupiah zu mindern. Der Markt erwartet nun eine 60%ige Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im Oktober, während die Erwartung einer Erhöhung um 25 Basispunkte im Dezember fast vollständig eingepreist ist. Sollte der am Mittwoch veröffentlichte US-Verbraucherpreisindex für Mai die Erwartungen übertreffen, könnte die Neubewertung des Anleihemarktes die Risikoanlagen weiter stören.
Yen-Interventionswarnung und Druck auf Cross-Asset-Korrelationen
Vor dem Hintergrund eines leichten Rückgangs des US-Dollar-Index über zwei Tage bleiben Nicht-US-Währungen und Rohstoffe unter Druck. Der USD/JPY-Wechselkurs schwankt nahe 160,2 und hat die wichtige psychologische Marke von 160 überschritten, die zuvor eine Intervention der japanischen Behörden ausgelöst hatte. Der japanische Finanzminister Katayama Satsuki äußerte eine verbale Intervention und erklärte, dass die Behörden bereit sind, entschlossene Maßnahmen zu ergreifen. Gleichzeitig zeigt sich der Goldmarkt aufgrund der hohen realen Zinssätze schwach, wobei der New Yorker Gold-Futures-Preis um 0,3 % auf 4351,80 USD pro Unze fiel, etwa 18 % unter dem Höchststand der geopolitischen Spannungen. Auch der Kryptowährungsmarkt zeigt keine Anschlusskäufe, da Bitcoin nach einem 20-Monats-Tief von 59125 USD nun bei etwa 63366 USD schwankt, während Händler auf wichtige Inflationsindikatoren warten.
Warshs Debüt und die drohende makroökonomische Inflationssturm
Die globalen Finanzmärkte stehen vor einer Reihe von makroökonomischen Herausforderungen. Neben den Verbraucherpreisdaten am Mittwoch richtet sich der gesamte Fokus auf die erste Zinsentscheidung des neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh am 17. Juni. Wolf von Rotberg, Aktienstratege bei Safra Sarasin, warnt, dass die Fed bei anhaltend hohen Energiepreisen und robusten Inflationsdaten möglicherweise aggressivere Zinshinweise geben könnte, was die aktuellen Aktienbewertungen direkt herausfordern würde. Bloomberg-Makrostratege Skylar Montgomery Koning weist ebenfalls darauf hin, dass trotz der kurzfristig positiven Stimmung die Volatilität über verschiedene Anlageklassen hinweg wahrscheinlich zunehmen wird, da in den nächsten zwei Wochen ein hohes Risiko besteht.