KI-Aktienrallye steht wahrscheinlich vor Wendepunkt
Capital Economics warnt in seiner jüngsten Analyse davor, dass die von künstlicher Intelligenz (KI) getriebene Aktienrallye sich ihrem Ende nähert. Der S&P 500 könnte zwar dank starker KI-bezogener Unternehmensgewinne bis Ende 2024 auf einen Stand von etwa 8250 Punkten klettern, doch bergen fundamentale Bewertungsdiskrepanzen die Gefahr einer Korrektur bis Ende 2027, die den Index auf rund 6500 Punkte fallen lassen könnte.
Laut Bericht ist die KI-getriebene Erholung nahe ihrem Höhepunkt, aber noch nicht abgeschlossen. Die Märkte, die stark von Technologiestandorten in den USA, Südkorea und Taiwan geprägt sind, könnten 2024 weiterhin besser performen. Für 2025 wird jedoch mit unterschiedlichen Abschwächungen gerechnet, weshalb das langfristige Ziel bei 6500 Punkten liegt.
Bewertungen erreichen Dotcom-Blasen-Niveau
Seit Beginn der KI-Welle Anfang dieses Jahres ist das zyklisch angepasste Kurs-Gewinn-Verhältnis (CAPE) des S&P 500 um mehr als 12 Punkte auf über 40 gestiegen – ein Wert, der dem Höchststand vor dem Platzen der Internetblase im Jahr 2000 nahekommt. Capital Economics betont, dass der jüngste Kursanstieg des Index vorwiegend auf steigenden Bewertungen basiert und nicht auf substanziellen fundamentalen Verbesserungen.
Während die erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnisse kurzfristig stabiler wirken, zeigen Langzeitindikatoren wie das CAPE deutlich wachsende Bewertungsrisiken.
Konzentrationsrisiko in Technologiewerten steigt
Die Rallye wird vor allem von wenigen großen Technologie- und Halbleiterunternehmen getragen, was das Risiko einer Konzentration im US-Aktienmarkt erhöht. Zudem wird bezweifelt, dass das schnelle Gewinnwachstum der KI-Titel langfristig gehalten werden kann.
Zusätzliche Warnzeichen sind steigende Investitionsausgaben im Tech-Sektor relativ zur Wirtschaftsleistung und Unternehmensbewertungen im Nichtfinanzsektor, die im Vergleich zu den Nettovermögenswerten historische Spitzen erreichen – typisch für eine späte Marktphase mit zunehmender Diskrepanz zwischen Kursen und Geschäftsleistung.
Anlegerstimmung reagiert empfindlich auf Gewinnentwicklung und KI-Ausgaben
Ein sofortiger Marktkollaps wird nicht erwartet, doch könnte das Vertrauen der Anleger rasch schwinden, falls Unternehmensumsätze hinter den Erwartungen bleiben oder die Investitionen in KI neu bewertet werden. Frühere Studien zeigen, dass bei einem S&P-500-Stand von 8000 Punkten Ende 2026 die Wahrscheinlichkeit für Korrekturen von über 30 % steigt, jedoch noch unter dem etwa 50%-Einbruch der Dotcom-Krise bleibt.
Zudem führen starke ausländische Kapitalzuflüsse, zusammen mit geplanten Börsengängen und Kapitalerhöhungen großer Tech-Konzerne, zu erhöhtem Angebotsdruck und möglichen Marktanpassungen.
Marktstruktur durch wenige KI-Schwergewichte geprägt
Der Anteil führender KI-Unternehmen an der Marktkapitalisierung hat inzwischen die Konzentrationslevels der Tech-Blase Ende der 1990er Jahre übertroffen. Diese starke Fokussierung macht den Gesamtmarkt besonders anfällig für Stimmungsumschwünge bei Investoren.
Abschließend warnt Capital Economics vor zunehmender Volatilität durch überhöhte Bewertungen und Konzentrationsrisiken bei KI-Aktien und rät Marktteilnehmern, die Möglichkeit signifikanter Kurskorrekturen in den kommenden Jahren nicht außer Acht zu lassen.