Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihre Zinserhöhungen nach einer mehr als dreijährigen Pause wieder aufgenommen. Der Offenmarktausschuss FOMC beschloss am 16. September einstimmig mit 12 zu 0 Stimmen, die Zielspanne für den US-Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4 Prozent anzuheben. Bitcoin und Ether gaben zunächst nach und erholten sich nach dem Beschluss wieder, bevor sie in ihren Handelsspannen schwankten. Im Mittelpunkt stand damit weniger der bereits erwartete Zinsschritt als die Frage, ob weitere Straffungen folgen.
Bitcoin schwankt um 75.000 Dollar
Nach dem Beschluss bewegte sich Bitcoin zwischen rund 75.000 und 76.500 Dollar. Zum Redaktionszeitpunkt notierte die Kryptowährung bei etwa 75.600 Dollar, verglichen mit einem Tagesreferenzkurs von 76.004,54 Dollar. Ether schwankte zunächst zwischen etwa 2.370 und 2.430 Dollar und näherte sich anschließend dem unteren Ende dieser Spanne. Der Kurs lag bei rund 2.376 Dollar gegenüber einem Tagesreferenzkurs von 2.406,67 Dollar.
Die Erhöhung war die erste Zinserhöhung der Fed seit Juli 2023. Damals hatte sie den Leitzins ebenfalls um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 5,25 bis 5,5 Prozent angehoben. Vor der jüngsten Sitzung hatten Händler den CME-FedWatch-Daten zufolge zeitweise mit einer Wahrscheinlichkeit von 92 Prozent auf einen Schritt um 25 Basispunkte gerechnet. Am Vortag hatte dieser Wert noch bei etwa 96 Prozent gelegen. Der Beschluss kam für den Markt daher nicht völlig überraschend.
Weil die Zinserhöhung bereits weitgehend eingepreist war, löste die Mitteilung keine anhaltende Bewegung in eine Richtung aus. Kryptowährungen blieben zugleich deutlich volatiler als traditionelle Aktien. Lewis Huang, Analyst bei Bitget, erklärte, die Handelsspanne von Bitcoin habe an den beiden vorangegangenen FOMC-Entscheidungstagen etwa das Vierfache der Spanne des S&P 500 betragen. Änderungen bei den Zinserwartungen könnten sich damit an den Kryptomärkten schneller und stärker niederschlagen.
Warsh sieht keine besonders straffen Finanzierungsbedingungen
In seinen einleitenden Äußerungen nach der Sitzung sagte Fed-Chef Warsh, die US-Wirtschaft scheine sich zu festigen. Die allgemeinen Finanzierungsbedingungen seien zudem nicht besonders straff. Es sei schwierig, die breiten Finanzierungsbedingungen insgesamt als restriktiv zu bezeichnen. Deshalb habe der Ausschuss einen Teil der zuvor gewährten geldpolitischen Unterstützung zurückgenommen.
Die Projektionen der Notenbank zeigten außerdem, dass weitere Zinserhöhungen weiter geprüft werden. 16 der 18 Entscheidungsträger rechneten in diesem Jahr mit mindestens einer weiteren Anhebung um 25 Basispunkte. Für die Kryptomärkte bleiben damit die realen Zinsen, die Dollarliquidität und die möglichen Auswirkungen auf die Bewertung von Risikoanlagen entscheidend. Der Blick richtet sich nicht nur auf den einzelnen Beschluss.
Huang zufolge könnten die Energiepreise den geldpolitischen Kurs der Fed erneut auf die Probe stellen. Die Benzinpreise seien innerhalb eines Monats um knapp 4 Prozent gestiegen, während Diesel um 60 Prozent auf ein Rekordhoch zugelegt habe. Sollte der inflationäre Effekt der Energiepreise relativ schnell nachlassen, könnte die Fed ihre Straffung dennoch fortsetzen, sobald der erste Preisschock abklingt. Damit rücken auch die verzögerten Wirkungen der Geldpolitik stärker in den Fokus.
XRP, Solana und Zcash entwickeln sich besser
Andere große Kryptowährungen reagierten unmittelbar auf die Sitzung nur begrenzt. Die meisten der 20 nach Marktkapitalisierung größten Token bewegten sich kaum oder legten um etwa 0,5 Prozent zu. XRP stieg um rund 1,5 Prozent auf etwa 1,30 Dollar, während Solana ungefähr 1 Prozent auf rund 98,075 Dollar gewann.
Deutlich stärker entwickelte sich die auf Privatsphäre ausgerichtete Kryptowährung Zcash. Sie legte um etwa 6,5 Prozent auf rund 1.288,91 Dollar zu. Die unterschiedlichen Kursbewegungen deuteten darauf hin, dass Kapital nach dem Zinsentscheid nicht einheitlich in den Kryptomarkt hinein- oder aus ihm herausfloss. Stattdessen setzte sich die Rotation zwischen einzelnen Vermögenswerten fort. Kurzfristig dürften die Kurse weiterhin auf anstehende Inflationsdaten, Veränderungen bei den Energiekosten und Hinweise der Fed auf den nächsten Zinsschritt reagieren.