- Die Rendite der 10-jährigen japanischen Staatsanleihen erreichte 2,73 % und damit den höchsten Stand seit Mai 1997, mit einem täglichen Anstieg von zeitweise 10 Basispunkten.
- Daten aus dem Tokioter Geldmarktswap zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Bank of Japan (BoJ) auf der Sitzung am 16. Juni die Zinsen um 25 Basispunkte anhebt, auf 78 % gestiegen ist.
- Aufgrund des Nahostkonflikts bleibt der Ölpreis über 100 Dollar pro Barrel, was die globalen Inflationssorgen verstärkt und die Renditen von US-Staatsanleihen mit nach oben treibt.
Die Renditekurve verschiebt sich nach oben
Am Freitag erlebte der japanische Anleihemarkt eine Verkaufswelle, wobei die Renditen von Staatsanleihen aller Laufzeiten allgemein stiegen, was zeigt, dass der Markt die Straffungspolitik der Bank of Japan (BoJ) schneller einpreist. Neben den 10-jährigen Benchmark-Anleihen erreichten die 5-jährigen Staatsanleihen (JP5YTN=JBTC) einen Meilenstein von 2,00 %, während die 20-jährigen Staatsanleihen (JP20YTN=JBTC) ein Allzeithoch von 3,615 % verzeichneten. Dieser gleichzeitige Anstieg spiegelt wider, dass sich der Konsens der Investoren über das Ende der langanhaltenden Niedrigzinsphase verstärkt. Da Renditen und Anleihepreise sich entgegengesetzt bewegen, befindet sich der Bewertungsdruck auf dem Anleihemarkt auf einem mehrjährigen Hoch.
Unerwartet hohe Großhandelsinflation löst hawkische Preisbildung aus
Offizielle Daten zeigen, dass die Großhandelsinflationsrate in Japan im April das schnellste Wachstum seit drei Jahren verzeichnete, was direkt die Sorge über eine unkontrollierte Preisentwicklung auslöste. Mizuho Securities weist darauf hin, dass die beschleunigte Weitergabe der Großhandelspreise darauf hindeutet, dass der Verbraucherpreisindex (CPI) in den kommenden Monaten über dem Zielniveau bleiben könnte. Diese marginale Veränderung der Inflationsstruktur bietet der Bank of Japan (BoJ) eine solide Grundlage, um bei der Juni-Sitzung frühzeitig Straffungsmaßnahmen zu ergreifen, und veranlasst Händler, die zuvor abwartend waren, zu einer pessimistischen Haltung gegenüber dem Anleihemarkt.
Die Ansteckung durch US-Staatsanleihenrenditen
Die Turbulenzen auf dem japanischen Anleihemarkt sind kein isoliertes Ereignis. Die Renditen von US-Staatsanleihen erreichten kürzlich ein 11-Monats-Hoch, was dem japanischen Markt zusätzlichen Auftrieb verlieh. Die Federal Reserve (Fed) steht vor einer ähnlich ernsten Inflationslage, insbesondere aufgrund der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, die zu einem Energiepreisaufschlag führen. Wenn die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihen auf hohem Niveau schwanken, wird der Druck zur Neugewichtung der globalen Kapitalallokation auf Japan übertragen. Händler beobachten derzeit genau die Veränderungen im Zinsunterschied zwischen den USA und Japan; sollte die Fed ihre hawkische Haltung beibehalten, könnten die Renditen japanischer Staatsanleihen einer weiteren Neubewertung unterzogen werden.
Neuausrichtung der Erwartungen im Währungs-Swap-Markt
Im Tokioter Geldmarktswap-Markt ist die Veränderung der Zinserwartungen besonders drastisch. Die derzeitige Preisbildung zeigt eine Wahrscheinlichkeit von 78 % für eine Zinserhöhung im Juni, weit über dem Niveau zu Beginn der letzten Woche. Dies bedeutet, dass die Marktteilnehmer die Möglichkeit, dass die Bank of Japan (BoJ) den Leitzins auf einen Bereich von 0,25 % bis 0,50 % anhebt, weitgehend eingepreist haben. Noriatsu Tanji, Chefstratege für Anleihen bei Mizuho Securities, betont, dass die Rückkehr der Bank of Japan (BoJ) zur Normalisierung der Politik unumkehrbar ist, es sei denn, geopolitische Konflikte führen zu einem massiven, substanziellen Stillstand der globalen Wirtschaftstätigkeit.