Dow Jones sinkt wegen geopolitischer Spannungen und steigender Rohölpreise
Am Dienstag gerieten US-Aktienmärkte unter deutlichen Druck, der Dow Jones Industrial Average verlor 628 Punkte beziehungsweise 1,2 %. Treibende Faktoren waren verschärfte Handelskonflikte in Nordamerika und anhaltende Konflikte im Nahen Osten, die die Anlegerstimmung eintrübten. Alle drei großen Indizes schlossen schwächer, da die Marktteilnehmer angespannt auf die Verbraucherinflations- (CPI) und Produzentenpreisberichte (PPI) in dieser Woche blicken.
Die Sorge vor Versorgungsengpässen am Ölmarkt ließ die WTI-Rohöl-Futures um 2,4 % auf 93,65 US-Dollar pro Barrel steigen, während Brent-Öl sich der 100-Dollar-Marke auf rund 99,45 US-Dollar näherte. Diese Ölpreissteigerungen verstärken die Inflationserwartungen und wirken sich auf die Renditen von US-Staatsanleihen aus. Die zweijährige US-Treasury-Rendite kletterte um 1,7 Basispunkte auf 4,396 %, die zehn- und dreißigjährigen Laufzeiten stiegen auf 4,794 % beziehungsweise 5,251 %.
Zinserwartungen der Fed bleiben vor Inflationsdaten hoch
Nach den starken Beschäftigungszahlen vom Vormonat haben sich die Chancen für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte bei der nächsten Fed-Sitzung auf etwa 60 % erhöht – deutlich mehr als zuvor. Die Fed Funds Futures der CME signalisierten eine verstärkte Wette auf eine weitere Straffung. Investoren beobachten die baldigen Inflationszahlen genau, um Hinweise auf den geldpolitischen Kurs der US-Notenbank zu erhalten.
Chris Larkin, Managing Director bei Morgan Stanley E*TRADE, kommentierte, dass geopolitische Unsicherheiten und der Ölpreisanstieg den Fokus der Märkte auf die Inflation schärfen. Jegliche Anzeichen einer Abschwächung könnten sich positiv auf die Marktstimmung auswirken.
Halbleiterbranche trotzt dem Marktabschwung, Intel-Aktie steigt über 9 %
Während die allgemeine Anlegerstimmung gedämpft war, verbuchten Versorgungsunternehmen die größten Gewinne, auch die Sektoren Energie und Immobilien zeigten sich robust. Technologieaktien insgesamt zeigten schwächere Tendenzen, doch im Halbleiterbereich gab es Gegenbewegungen. Intel kündigte eine Preiserhöhung von 10 % für bestimmte Produkte an, um Margen zu sichern – die Aktie stieg daraufhin um 9,1 %.
Gus Richard von Northern Securities stufte Intel von „Halten“ auf „Kaufen“ hoch und verwies auf bedeutende Fortschritte in der Umstrukturierungsstrategie und eine starke Preissetzungsmacht angesichts anhaltender Chip-Knappheit. Konkurrenten wie Advanced Micro Devices (AMD) und Marvell Technology legten ebenfalls um 5,9 % beziehungsweise 0,8 % zu.
Zum Handelsschluss fiel der Nasdaq Composite um 0,3 % auf 26.421 Punkte, der S&P 500 gab 0,6 % auf 7.673 Punkte nach und der Dow verlor 1,2 % auf 52.786 Punkte.
Amgen erlebt größten Tagesverlust seit fast 26 Jahren nach Misserfolg von Novartis-Studie
Der Biopharmakonzern Amgen (AMGN) verzeichnete einen Kursrutsch von 10,1 %, was dem stärksten Tagesverlust seit dem Jahr 2000 entspricht. Anlass war die Mitteilung von Novartis (NVS), dass ihr Herz-Kreislauf-Medikament Pelacarsen in einer Phase-III-Studie die kritischen Endpunkte verfehlt hat. Dies trübte die Perspektiven für Amgens ähnliches Medikament Olpasiran.
Der Aktienanalyst Evan Siegerman von BMO Capital Markets wies darauf hin, dass Amgen trotz einer Outperformance gegenüber dem S&P 500 in diesem Jahr mit Vorsicht betrachtet wird, da wichtige Patente auslaufen. Er stufte die Aktie auf „Halten“ zurück und bestätigte ein Kursziel von 450 US-Dollar, was dennoch einen Aufwärtsspielraum von über 14 % gegenüber dem Schlusskurs vom Dienstag bedeutet.
Daten von Dow Jones Market zeigen, dass Amgens letzter vergleichbarer Ein-Tages-Prozentrückgang am 27. Oktober 2000 registriert wurde.
Die weitere Marktentwicklung wird stark von den US-Inflationsdaten und geldpolitischen Entscheidungen der Fed sowie den geopolitischen Unsicherheiten geprägt bleiben. Die Anleger werden die Risikobereitschaft und Kapitalströme angesichts dieser Faktoren genau beobachten.