Kanada erhebt Gegen-Zölle auf US-Waren im Umfang von 28 Milliarden US-Dollar
Ab dem 8. September 2026 setzt Kanada Gegen-Zölle auf Hunderte US-amerikanische Produkte durch, darunter Stahl, Möbel und Baumwoll-T-Shirts. Betroffen sind Importe im Wert von etwa 28 Milliarden kanadischen Dollar (rund 20 Milliarden US-Dollar). Einige Zölle steigen dabei auf bis zu 50 %. Von der Liste ausgenommen wurden Meeresfrüchte wie frischer Fisch und Hummer, nachdem die kanadische Fischereiindustrie dagegen Einwände erhoben hatte. Dies verdeutlicht die Herausforderungen für Kanada, Reaktionen gegen seinen wichtigsten Handelspartner umzusetzen.
Fortschritte bei US-kanadischen Handelsgesprächen bleiben aus
Trotz öffentlicher Bekenntnisse beider Seiten zu nachhaltigen Handelsvereinbarungen stagnieren seit Ende August die Verhandlungen. Premierminister Mark Carney bekräftigte, dass Kanada weiterhin bereit sei, Gespräche wiederaufzunehmen, um eine ausgewogene Lösung zu finden. Der US-Handelsbeauftragte James Grills erklärte, „der Ball liege nun bei Kanada“ und deutete auf mögliche weitere US-Reaktionen auf kanadische Importe hin. Der direkte Dialog zwischen beiden Seiten sei seit dem Abbruch der Gespräche stark eingeschränkt.
Zusätzlicher Druck durch US-Zölle und Trumps Äußerungen
Im Zuge des Zollkonflikts drohte Präsident Trump damit, alle Geschäftsbeziehungen mit dem kanadischen Flugzeughersteller Bombardier abzubrechen, sollte die Produktion nicht in die USA verlagert werden. Bombardier zählt zu den bedeutenden Arbeitgebern und trug 2024 mit über 7 Milliarden CAD zum kanadischen BIP bei. Trump kritisierte zudem die kanadische Währungspolitik als „inakzeptabel“ und veröffentlichte eine Grafik, die US-Dominanz über Nordamerika, einschließlich Kanada, darstellt.
Umfang der bilateralen Handelsbeziehungen und Zölle
Das Handelsvolumen zwischen den USA und Kanada erreichte 2025 knapp 900 Milliarden US-Dollar. Die USA erhoben bislang Zölle von bis zu 25 % auf kanadische Autos, LKWs sowie Stahl- und Aluminiumprodukte. Im August erhöhte die Trump-Administration die Zölle auf kanadische Milchprodukte, alkoholische Getränke, Hockeyschläger und Parfüms auf 50 %. Die kanadischen Gegenmaßnahmen sollen eine „Dollar-für-Dollar“-Reaktion darstellen, die über die bestehenden Zölle auf US-amerikanische Fertigwaren hinausgeht.
Wirtschaftliche Auswirkungen und Reaktionen der Unternehmen
Die kanadische Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal 2026 um 3,3 %, wobei die Beschäftigung zwischen April und Juli um 181.000 Stellen zunahm. Im August gingen jedoch rund 41.000 Arbeitsplätze verloren, was teilweise auf die zunehmenden Handelskonflikte und den Stillstand bei den Verhandlungen zurückgeführt wird. Die Fertigungsindustrie zeigte sich vergleichsweise widerstandsfähig und profitierte laut Regierungsanalysen von einer stärkeren Nachfrage nach inländischen Produkten durch Verbraucher und Unternehmen.
Die Kanadische Handelskammer forderte eine gezieltere Anwendung der Gegenmaßnahmen, um eine weitere Eskalation zu vermeiden. Präsidentin und CEO Candice Laine zeigte Verständnis für die Notwendigkeit von Vergeltungsmaßnahmen, äußerte jedoch Besorgnis über die Auswirkungen eines langanhaltenden Handelsstreits auf das Geschäftsklima und kündigte Vorbereitungen für langfristige Anpassungen an.
Branchenausblick und Bemühungen zur Handelsdiversifizierung
Die kanadische Fischerei begrüßte die Streichung der Meeresfrüchteprodukte von der Zollliste, insbesondere den Hummer, und wies auf die komplexen Lieferketten hin, bei denen Fisch in den USA gefangen, aber in Kanada verarbeitet oder exportiert wird. Premierminister Carney bekräftigte seine Absicht, die Handelspartnerschaften zu diversifizieren. Aktuelle Zahlen zeigen, dass Kanadas Exporte in die USA von 75 % vor Ausbruch der Handelsstreitigkeiten auf nunmehr 66 % gesunken sind, was auf eine schrittweise Abkehr von der starken Abhängigkeit vom US-Markt hindeutet.