Solides japanisches BIP und Lohnanstieg heben Zinserhöhungserwartungen der BoJ
Die vom japanischen Statistikamt revidierten Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal zeigen ein Wachstum von 0,4 % zum Vorquartal – eine Anhebung gegenüber der ersten Schätzung von 0,3 %. Die annualisierte Wachstumsrate stieg auf 1,4 % statt zuvor 1,1 %. Die Investitionen gingen mit 0,9 % nur leicht zurück. Während der private Konsum stagniert, untermauert die verbesserte gesamtwirtschaftliche Entwicklung Argumente gegen eine Verschiebung der geldpolitischen Straffung. Die nominalen Barlohnerhöhungen im Juli wurden mit 4,7 % auf Jahressicht deutlich nach oben korrigiert – der höchste Anstieg seit 1997 und damit weit über den Erwartungen. Diese umfassende Lohnstatistik reduziert Bedenken bezüglich saisonbedingter Bonusverzerrungen und unterstützt den Ausblick auf Zinserhöhungen durch die Bank of Japan (BoJ). Die Märkte haben kurzfristig reagiert: Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September auf 1,25 % wird mit 98 % eingepreist, die Folgeerhöhung im Januar 2025 auf 1,50 % gilt weitgehend als sicher. Bis Juli 2027 sind etwa 3,7 Anhebungen vorgesehen. Nun fokussiert sich der Markt auf das Tempo der weiteren Straffungen.
Regierungsberater prognostiziert BoJ-Zinserhöhungen bis Anfang 2027
Koji Aida, ein führender Wirtschaftsberater des japanischen Premierministers und Mitglied des Wirtschaftsbeirats, erwartet, dass die BoJ ab September mit Zinserhöhungen beginnt und diese etwa quartalsweise fortsetzt, bevor die Straffung Anfang 2027 ausläuft. Dies markiert eine deutliche Beschleunigung gegenüber seiner früheren Prognose, die den Beginn erst für Januar 2027 vorsah. Damit scheint die Politik normalization weniger Hindernisse zu begegnen. Gleichzeitig bleibt die Nachfrageentwicklung, insbesondere der private Konsum, ein entscheidender Faktor zur Beurteilung der Folgen der Zinserhöhungen.
Schwäche auf dem australischen Arbeitsmarkt belastet AUD/JPY
Der australische Geschäftsklimaindex der NAB fiel im August von +4 auf -1 und erreichte damit erstmals seit sechs Jahren einen negativen Wert. Der Gewinnindex brach auf -9 ein, belastet durch steigende Inputkosten um 2,3 % monatlich, die die Preisensteigerungen von 0,8 % übertrafen. Trotz stabiler Beschäftigung verschlechterten sich die Handelsbedingungen merklich. Die Stimmung unter den Verbrauchern trübte sich, im September sank der Westpac-Melbourne Institute Konsumentenvertrauensindex um 5,2 %. Auffällig ist, dass 64 % der Verbraucher steigende Hypothekenzinsen für das kommende Jahr erwarten, was Sorgen über höhere Finanzierungskosten widerspiegelt. Westpac sieht Risiken, rechnet aber damit, dass die Reserve Bank of Australia (RBA) im September keine Zinserhöhung vornehmen wird, da die Inflationsdaten eine sofortige Straffung nicht rechtfertigen. Die makroökonomischen Herausforderungen durch eine Abschwächung der Inlandsnachfrage und Margendruck erschweren das von der Zentralbank verfolgte Straffungsszenario.
AUD/JPY testet wichtige technische Unterstützung
Nach einem Hoch von 114,95 fiel AUD/JPY deutlich und nähert sich der wichtigen Unterstützung bei 109,25. Technische Analyse zeigt eine bärische Divergenz, die weitere Verluste in Richtung der 38,2 %-Fibonacci-Retracement-Marke um 103,90 nahelegt, falls die Marke von 109,25 entscheidend unterschritten wird. Der RSI-Indikator signalisiert allerdings eine überverkaufte Situation, was kurzfristig eine technische Gegenbewegung ermöglichen könnte. Die Abwärtsbewegung bleibt intakt, solange die Widerstandszone um 112,78 nicht nachhaltig zurückerobert wird.
NZD/JPY unter Druck trotz verschärfter Geldpolitik in Neuseeland
Im Unterschied zum AUD/JPY zeigt NZD/JPY einen ähnlichen Abwärtstrend, der allerdings von Skepsis über die Fortsetzung der Zinserhöhungen durch die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) geprägt ist. Trotz aufeinanderfolgender Anhebungen bleibt die Markterwartung weiterer Straffungen gedämpft. Die Währung durchbrach das wichtige Unterstützungsniveau bei 91,02 und zielt nun auf 89,44 und 85,76. Auch hier zeigt sich eine bärische Divergenz – mit kurzfristigen Chancen auf eine technische Erholungsbewegung, während der übergeordnete Trend abwärtsgerichtet bleibt.
Yen gewinnt aufgrund steigender Renditen an Attraktivität
Gemeinsamer Hauptfaktor für die Schwäche von AUD/JPY und NZD/JPY ist der Yen, der durch die anziehenden Zinsaussichten der BoJ gestützt wird. Während Japans erwartete Zinserhöhungen im Kontrast zur schwächer werdenden australischen Wirtschaft den AUD/JPY belasten, verdeutlicht der stärkere Rückgang des NZD/JPY die wachsenden Zweifel an der Nachhaltigkeit der RBNZ-Geldpolitik. Dieses Momentum stellt die vorherrschenden Annahmen infrage, dass andere große Zentralbanken glaubwürdigere Straffungskurse verfolgen als Japan.
Das anstehende BoJ-Politiktreffen am 17. und 18. September wird als entscheidender Gradmesser angesehen, ob sich diese fundamentalen Trends verfestigen. Der Devisenmarkt legt großen Wert auf die Stabilität der japanischen Lohn- und Wirtschaftsdaten als Fundament der Zinserhöhungen sowie auf die divergierenden Geldpolitikpfade in Australien und Neuseeland, die weiterhin spürbaren Einfluss auf die Entwicklung der betroffenen Währungspaare haben.