- Die italienische Bank Intesa Sanpaolo hat ein freiwilliges Übernahmeangebot in Höhe von insgesamt 306 Milliarden Euro (ca. 350 Milliarden US-Dollar) in bar und Aktien für den kleineren Konkurrenten Monte dei Paschi di Siena abgegeben, um die zweitgrößte Bankengruppe der Eurozone nach Marktkapitalisierung zu schaffen.
- Gemäß dem Angebot kann jede Aktie von Monte dei Paschi di Siena gegen 1,6 Aktien von Intesa Sanpaolo plus 1 Euro in bar getauscht werden. Dieses Angebot liegt 12,5 % über dem Schlusskurs von Monte dei Paschi di Siena am vergangenen Freitag, woraufhin die Aktien von Monte dei Paschi di Siena am Montag im Handel stark anstiegen.
- Informierte Kreise berichten, dass die italienische Regierung dem Übernahmevorschlag neutral gegenübersteht, während Monte dei Paschi di Siena derzeit professionelle Berater engagiert hat, um das Angebot von Intesa Sanpaolo sowie die zuvor geäußerte Fusionsabsicht von Banco BPM zu bewerten.
Neugestaltung der Bankenlandschaft in der Eurozone
Sollte diese freiwillige Übernahme erfolgreich abgeschlossen werden, würde der Abstand in der Marktkapitalisierung zwischen Intesa Sanpaolo und der spanischen Santander Bank erheblich verringert. Der Deal würde Intesa Sanpaolo auch helfen, die BNP Paribas sowie den inländischen Hauptkonkurrenten UniCredit in der Marktkapitalisierung zu übertreffen. Allerdings bleibt die aktuelle Wettbewerbslandschaft ungewiss, da UniCredit bei einer erfolgreichen feindlichen Übernahme der Commerzbank seine führende Position weiter ausbauen könnte.
Bar- und Aktienangebot und die sofortige Marktreaktion
Das Angebot von Intesa Sanpaolo umfasst einen Aktientausch und eine Barprämie, wobei das gesamte Prämienniveau auf 12,5 % festgelegt ist. Angesichts dieser bedeutenden Restrukturierungsnachricht stiegen die Aktien von Monte dei Paschi di Siena am Montag um fast 13 % an, was die optimistische Markterwartung gegenüber dem Prämienangebot widerspiegelt. Im Gegensatz dazu fiel der Aktienkurs von Intesa Sanpaolo am Montag um 1,4 %, was die kurzfristige Vorsicht einiger Investoren gegenüber den hohen Kapitalausgaben, der Verwässerung der Aktien und den nachfolgenden Integrationskosten der beiden Banken widerspiegelt.
Regulatorische Haltung und das Kräfteverhältnis der Beteiligten
Die politische Haltung ist für die Fusion solcher zentralen Finanzinstitute von entscheidender Bedeutung. Der CEO von Intesa Sanpaolo, Carlo Messina, erklärte, dass bereits vorsichtige Gespräche mit der Regierung geführt wurden, um sicherzustellen, dass die Transaktion nicht auf offensichtliche politische Hindernisse stößt. Dennoch bleibt die endgültige Entscheidung des Vorstands von Monte dei Paschi di Siena ungewiss. Die Bank hat derzeit Bank of America und UBS als Finanzberater engagiert, um nicht nur das nicht vorab vereinbarte Angebot von Intesa Sanpaolo zu bewerten, sondern auch die am Sonntag geäußerte Fusionsabsicht von Banco BPM abzuwägen, was den endgültigen Fusionsweg komplexer machen könnte.
Finanzielle Ziele und langfristige Erwartungen des fusionierten Unternehmens
Laut den von Intesa Sanpaolo bereitgestellten Daten wird der Gesamtmarktwert des fusionierten Finanzunternehmens bei erfolgreichem Abschluss der Transaktion voraussichtlich 126 Milliarden Euro erreichen. Die Gruppe hat sich vorläufig das Ziel gesetzt, bis 2029 einen Nettogewinn von 16 Milliarden Euro zu erzielen, was deutlich über dem im letzten Jahr von beiden Banken zusammen erzielten Nettogewinn von 13,6 Milliarden Euro liegt. Analysten weisen darauf hin, dass bei starken Schwankungen im Zinsumfeld der Europäischen Zentralbank oder einem Abschwung des makroökonomischen Wachstums die beiden Banken einem erhöhten marginalen Risiko bei der Integration ihrer Bilanzen und der Freisetzung von Synergien ausgesetzt sein könnten, was zu einer Neubewertung der Marktpreise führen könnte.