Investmentnachfrage treibt Goldpreise weiter an
Die aktuellen Rekordstände bei Goldkursen sind vor allem auf die anhaltend hohe Nachfrage von Investoren zurückzuführen, die das Edelmetall als sicheren Hafen angesichts steigender globaler Staatsschulden und geopolitischer Unsicherheiten bevorzugen. Eine Analyse der britischen Metals Focus zeigt, dass diese Entwicklung das Marktbild deutlich prägt, während die Nachfrage nach Goldschmuck spürbar zurückgeht.
Deutlicher Rückgang beim Konsum von Goldschmuck weltweit
Laut Metals Focus könnte der weltweite Goldschmuckverbrauch bis 2026 um mehr als ein Drittel gegenüber 2023 sinken. Dies bedeutet, dass Goldschmuck nicht länger den größten Anteil der Goldnachfrage ausmachen wird. Investoren bevorzugen vermehrt Goldbarren und -münzen, was auf eine Neubewertung des Goldmarktes und eine Verschiebung im Konsumverhalten hinweist. Trotz der steigenden Umsätze in Wertigkeit geht der tatsächliche physische Bedarf an Gold im Schmuckbereich zurück.
Wertsteigerung kontra physische Nachfrage im Schmucksegment
Das höhere Preisniveau führt dazu, dass Verbraucher zwar weiterhin vergleichsweise hohe Geldbeträge für Schmuck ausgeben, die tatsächlich eingekaufte Goldmenge jedoch abnimmt. Hersteller und Schmuckveredler verzeichnen daher langsamere Produktions- und Raffinieraktivitäten, was sich an rückläufigen physischen Absatzzahlen abzeichnet.
Rückläufige Schmucknachfrage in Indien und China besonders ausgeprägt
Die beiden größten Schmuckmärkte weltweit zeigen eine signifikante Schwäche. In Indien wird ein Rückgang der Goldschmucknachfrage um 17 % im ersten Halbjahr 2026 erwartet, während der chinesische Markt sich voraussichtlich um rund 30 % verringert. Weitere Märkte zusammengenommen dürften einen Rückgang von etwa 18 % im Jahresvergleich verzeichnen.
Anpassungen im Verbraucherverhalten und Produktwahl
Der Preisanstieg führt zu veränderten Präferenzen insbesondere in Süd- und Ostasien sowie im Nahen Osten. Während hochwertiger, hochkarätiger Goldschmuck traditionell auch als Wertanlage genutzt wurde, setzen immer mehr Käufer auf physische Anlageformen wie Barren und Münzen, die oft günstigere Aufschläge aufweisen und den Goldpreis direkter abbilden. Gleichzeitig gewinnen Goldplattierteile mit geringerer Reinheit an Popularität; Hersteller integrieren verstärkt Edelsteine und alternative Materialien, um den Goldanteil pro Stück zu reduzieren. Die Kaufhäufigkeit sinkt, kleinere Stücke werden bevorzugt, obwohl sich die Gesamtausgaben weniger stark verändern.
Fundamentale Stärke des Goldmarktes bleibt erhalten
Trotz der klaren Abschwächung beim Schmuckkonsum rechnet Metals Focus nicht mit einer generellen Begrenzung des Goldpreisanstiegs. Im laufenden Jahr dürften Faktoren wie Zentralbankkäufe, Inflations- und Währungsrisiken, Zweifel an der Tragfähigkeit von Staatsverschuldung, Ungewissheiten über die Geldpolitik der US-Notenbank sowie eine verstärkte Nachfrage nach Portfoliodiversifikation den Goldpreis stützen und erneut Aufwärtsdruck erzeugen. Dabei könnte der Schmuckbereich weiterhin unter der Preisdynamik leiden.
Umfang und Struktur des Goldschmuckmarkts
Metals Focus beziffert den Herstellungswert von Goldschmuck global für 2025 auf etwa 182 Milliarden US-Dollar, deutlich vor Silber mit 8 Milliarden und Platin mit 3 Milliarden. Die Verbrauchsmenge wird auf rund 53 Millionen Unzen geschätzt. Ein Rückgang des physischen Verbrauchs signalisiert dabei keine nachlassende Marktattraktivität, da kulturelle Traditionen wie Hochzeiten und Schenkungen sowie Anlageoptionen die Bedeutung des Segments bewahren. Die Branche und Käufer reagieren auf die höheren Preise mit Anpassungen bei Design, Materialmix und Kaufverhalten.
Die sich verändernde Nachfrage unterstreicht einen strukturellen Wandel im Goldmarkt: Die Investmentnachfrage gewinnt zunehmend die Oberhand gegenüber traditioneller Schmucknachfrage und wird Haupttreiber für das zukünftige Wachstum des Edelmetalls.