
Am Dienstag kam es auf dem japanischen Staatsanleihenmarkt zu einem seltenen "ungelösten" Ausverkauf am langen Ende: Die ultralangen Renditen erreichten Rekordhöhen, der Handel wechselte schnell von ruhig zu illiquide. Der Markt führt diese Volatilität auf wachsende Bedenken hinsichtlich der Finanzdisziplin und schwächelnde Auktionsnachfrage zurück, was den Verkaufsdruck weiter verstärkte.
Beschleunigter Ausverkauf: Ultrahohe langfristige Zinsen
Intraday stiegen die Renditen der japanischen 30- und 40-jährigen Staatsanleihen um über 25 Basispunkte, ein seltenes Ereignis in den letzten Jahren; gleichzeitig stiegen die 10-jährigen Renditen in zwei Tagen um insgesamt 16 Basispunkte, während die 30-jährigen Renditen in zwei Tagen um etwa 38 Basispunkte sprangen, was deutlich auf eine passive „Risikoprämienkompensation“ am langen Ende hinweist.
Marktteilnehmer beschrieben, dass der Ausverkauf am Nachmittag deutlich beschleunigte, einige Anleger wurden gezwungen, Verluste zu begrenzen: Hedgefonds liquidierten Verlustpositionen und auch Versicherungsgesellschaften traten als Verkäufer auf, was die Aufnahmekapazität von langfristigen Anleihen weiter verringerte.
Steigende politische Unsicherheit: Steuersenkungen und Mehrausgaben schüren fiskalische Sorgen
Mehrere Institutionen und Händler konzentrieren sich auf den fiskalischen Kurs: Angesichts der bevorstehenden Wahlen und zunehmender Rufe nach Steuersenkungen begannen die Märkte, den Finanzierungsdruck und die fiskalische Nachhaltigkeit der japanischen Regierung neu zu bewerten. Reuters berichtete, dass Versprechen im Wahlkampf über Steuersenkungen und fiskalische Anreize die Investoren hinsichtlich der Finanzdisziplin beunruhigen, was ein entscheidender Faktor für den Anstieg der langfristigen Renditen ist.
Berichten zufolge könnten diese politischen Pläne ein beträchtliches fiskalisches Defizit verursachen, und in Kombination mit Japans ohnehin hoher Staatsverschuldung stellt sich die Frage „Wer wird die zusätzliche langfristige Anleihenaufnahme absorbieren?“ als das sensibelste Thema auf dem Markt.
Nachfrageeinbruch bei 20-Jahres-Auktion: Schwache Signale verstärken die Kettenreaktion
Zuvor am Tag sorgte eine zurückhaltende Reaktion auf die Auktion der 20-jährigen japanischen Staatsanleihen für einen der Auslöser der verschlechternden Stimmung. Marktstimmen argumentieren, dass eine schwache Einzelauktion allein die abrupte Talfahrt nicht erklären kann, jedoch in einem Umfeld aufgestauter fiskalischer Sorgen als „Funke“ wirkt, der den Verkaufszyklus entfacht.
Zukünftige Beobachtung: Aufnahmekapazität, Erwartungen an die Zentralbank und Volatilitätsmanagement
Kurzfristig könnte der Markt drei Schlüsselentwicklungen beobachten:
1) Ob sich für die ultralangen Laufzeiten neue „stabile Käufer“ finden (insbesondere ob traditionelle Investoren wie Lebensversicherer zurückkehren);
2) Ob der finanzpolitische Kurs klarere Vorgaben für Finanzierung und Ausgaben bietet;
3) Ob die Erwartungen an die japanische Zentralbank weiter nach vorne verschoben werden — Reuters stellt fest, dass der Markt auch eine straffere Geldpolitik einpreist, was die langfristigen Zinsbewegungen ebenfalls verstärken könnte.
