Bitcoin-Jahresgewinne beruhen meist auf wenigen Handelstagen
Bitcoin (BTC) ist als 24/7 gehandeltes Asset bekannt, was Anlegern vermeintlich große Flexibilität beim Ein- und Ausstieg bietet. Dennoch zeigt die historische Entwicklung, dass die Mehrzahl der Jahresgewinne auf nur eine Handvoll besonders starker Handelstage entfällt. So verlor Bitcoin im Jahr 2026 insgesamt rund 9 % an Wert, doch ohne die fünf besten Tage hätte sich das Minus auf etwa 36 % vergrößert.
Andre Dragosch, Leiter der Bitwise-Europe-Forschung, unterstreicht diese Konzentration: „Der Großteil der Gewinne entfällt auf eine extrem kleine Anzahl von Tagen, während der Kurs an den übrigen Tagen überwiegend seitwärts tendiert.“ Dieses Muster zieht sich bis zur Geburtsstunde von Bitcoin im Jahr 2010 durch. Ein Blick auf die letzten 18 Jahre zeigt, dass in 11 Jahren das Weglassen der Top-10-Handelstage aus einem positiven ein negatives Jahr machte. 2019 lag der Kursgewinn bei 94 %, fiel aber um 40 %, wenn man die besten zehn Tage nicht berücksichtigt. Noch deutlicher wird es bei der Rendite von 2011: Statt +1474 % bleiben ohne die Top-Tage nur noch 2,2 %.
Ausnahmen bieten die Jahre 2013 und 2017, in denen trotz Wegfall der 20 besten Tage noch jeweils ein positives Jahresergebnis erzielt wurde, was auf breitere und nachhaltigere Kurserholungen in diesen Phasen hindeutet.
Langfristiges Halten bietet höhere Ertragschancen als Markttiming
Die starke Gewinnkonzentration macht das präzise Timing nahezu unmöglich. Anleger, die von den starken Kurssprüngen profitieren möchten, müssen exakt zum Start dieser wenigen, bedeutenden Kursanstiege einsteigen – ein verspäteter Einstieg führt schnell zum Verpassen eines Großteils des Aufwärtspotenzials. Dragosch fasst zusammen: „Das langfristige Halten einer Position schlägt regelmäßig alle Timing-Strategien.“
Wer Bitcoin über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren hält, erzielt historisch gesehen in weniger als 1 % der Fälle negative Renditen. Diese Daten verdeutlichen, dass man durch Geduld und Ausdauer Marktrisiken minimiert und die Gefahr verlustreicher Phasen reduziert.
Adam Haeems, Leiter Asset Management bei Tesseract Group, verweist auf den Februar 2026 als Beispiel für die Schwankungsintensität: Am 5. Februar verlor Bitcoin rund 14 %, nur um am Folgetag um 12 % zu steigen – ein Zeichen hoher kurzfristiger Volatilität. „Ein Aus- und Wiedereinstieg während solcher Schwankungen ist operativ kaum zu bewältigen,“ betont Haeems. Er verweist außerdem darauf, dass sich die tägliche Volatilität in den letzten Jahren deutlich verringert hat: von massiven Tagesgewinnen von bis zu 294 % in 2010 auf regelmäßige Schwankungen im Bereich von 9 bis 12 % in den vergangenen vier Jahren. Diese Entwicklung ist Ausdruck eines reiferen Marktes mit stärkerer institutioneller Beteiligung und wachsendem Derivathandel.
Liquiditätsengpässe erschweren institutionelle Großgeschäfte an Spitzentagen
Paul Howard, Senior Director im OTC-Handel bei Wincent, warnt, dass an den entscheidenden Rallyetagen häufig eine Verknappung der Liquidität auftritt, was besonders für große Investoren und sogenannte "Wale" problematisch ist. Ein Beispiel hierfür ist die Bitcoin-Rallye von etwa 63.000 auf knapp 80.000 US-Dollar im August 2023, bei der die Marktfragmentierung die Ausführung großer Aufträge erschwerte, ohne den Kurs spürbar zu beeinflussen.
Howard empfiehlt institutionellen Anlegern, große Transaktionen bevorzugt über OTC-Desks abzuwickeln, um unerwünschte Kurssprünge zu vermeiden, die durch Blockorders ausgelöst werden könnten. Zudem gewinnt die nachträgliche Analyse der Transaktionskosten an Bedeutung, um die Ausführungsqualität zu bewerten und Marktverzerrungen zu erkennen. Die Wahl des richtigen Zeitpunkts und der geeigneten Ausführungsmethode bleibt für institutionelle Anleger eine zentrale Herausforderung zur Optimierung ihrer Handelsstrategien im dynamischen Krypto-Umfeld.