Der internationale Ölmarkt tritt in eine Phase ein, in der „politische Puffer den geopolitischen Schocks nicht standhalten können“. Die USA versuchten am Donnerstag, die Marktstimmung durch die Lockerung einiger russischer Ölhandelsbeschränkungen zu stabilisieren. Doch am Freitag verharrten die Rohölpreise auf hohem Niveau und verzeichneten voraussichtlich kräftige wöchentliche Zuwächse, was zeigt, dass die Investoren nicht glauben, dass zusätzliche Randmengen ausreichend sind, um die Auswirkungen der Behinderung der Transportwege im Nahen Osten auszugleichen.
Warum die Lockerung für russisches Öl die Preise nicht drückt
Die Erlaubnis gilt für russisches Rohöl und Ölprodukte, die bis zum 12. März verladen, aber aufgrund von Sanktionen auf See gestrandet sind, und ist bis zum 11. April gültig. Sie kann einigen Käufern helfen, die Lieferung abzuschließen und den "Stau" auf See zu verringern, kann jedoch nicht die Produktion im Upstream direkt erhöhen oder die Routen im Nahen Osten wiederherstellen.
Das Kernproblem bleibt die Straße von Hormus
Der eigentliche Treiber für den jüngsten Anstieg der Ölpreise ist das Risiko in der Straße von Hormus. Reuters wies zuvor darauf hin, dass durch diese Straße etwa 20 % des weltweiten Öltransports verlaufen; seit dem 28. Februar haben sich die Konflikte im Nahen Osten mehrfach störend auf die dortigen Verkehrsströme ausgewirkt. Am Donnerstag stiegen die Ölpreise erneut um etwa 9 %, da der Markt die „anhaltende Schließung oder den Betrieb mit geringem Durchfluss“ als reales Risiko wahrnimmt.
Rekordverdächtige Freigabe von Reserven, doch der Markt bleibt skeptisch
Die IEA hat sich zur Freigabe von rekordverdächtigen 400 Millionen Barrel strategischer Reserven geeinigt, wobei die USA 172 Millionen Barrel beisteuern sollen, wodurch sich die Gesamtsumme auf 572 Millionen Barrel erhöht. Trotzdem blieben die Ölpreise am Mittwoch und Donnerstag stark, was zeigt, dass der Markt sich mehr über die „physikalischen Liefermöglichkeiten in den kommenden Wochen und Monaten“ sorgt, anstatt sich nur auf die Lagerbestände auf dem Papier zu stützen. Diese Einschätzung basiert auf dem Abstand zwischen der Freigabemenge und dem Preisverhalten.
Marktausblick
Kurzfristig wird die stärkere Position von Brent im Vergleich zu WTI wahrscheinlich weiter bestehen, da Europa stärker von der Seeschifffahrt und der Energiesicherheit abhängig ist. Goldman Sachs hat die Prognose für den durchschnittlichen Brent-Preis im März auf über 100 Dollar angehoben, erwartet jedoch, dass die Preise im weiteren Verlauf des Jahres zurückgehen könnten, falls die Konflikte allmählich abklingen. Dies bedeutet, dass der Markt derzeit für „anhaltende hohe Volatilität“ preist und nicht für einen Zusammenbruch des dauerhaften Angebots.