Herstellungsstimmung erreicht höchsten Wert seit 2021
Die neueste Umfrage unter großen japanischen Herstellern zeigt im September einen Anstieg des Geschäftsvertrauensindex auf +21, den höchsten Stand seit Dezember 2021. Im August lag der Wert noch bei +18. Diese Entwicklung spiegelt eine weiter gefestigte Stimmung im Produktionssektor wider. Insbesondere die Elektronikbranche verzeichnete starke Impulse. Im nicht-industriellen Bereich stieg das Vertrauen moderat auf +29 und befindet sich weiterhin in einem stabilen Bereich für 2025.
Die Erhebung wurde zwischen dem 26. August und 4. September bei 224 von 510 befragten Großunternehmen durchgeführt. Der Index ergibt sich aus der Differenz zwischen positiven und negativen Erwartungen, wobei positive Werte auf einen überwiegend optimistischen Ausblick hinweisen.
Elektronikbranche treibt Produktionsaufschwung an
Den stärksten Anstieg verzeichnete der Bereich Elektronik, dessen Index von +24 auf +39 sprang. Führungskräfte in diesem Bereich führen die gute Lage auf anhaltende Nachfrage nach Produkten für Rechenzentren zurück. Diese Entwicklung stützt sich insbesondere auf Investitionen, die durch den Einsatz künstlicher Intelligenz getrieben werden. Entsprechend robust bleiben Aufträge für Halbleiter, Prüftechnik und verwandte Komponenten. Andere Teilbereiche der Produktion zeigten gemischte Werte: Die Präzisionsmaschinenbranche blieb mit +29 stabil, Metallprodukte legten leicht auf +26 zu, und Textil- sowie Zellstoffsektoren verzeichneten nach einem bisher neutralen Verlauf erstmals einen positiven Wert von +13. Stahl- und Nichteisenmetallbereiche verharren weiterhin im negativen Bereich bei -13.
Stabile Stimmung im Dienstleistungssektor – Immobilien und Verkehr im Aufwind
Im nicht-industriellen Bereich stiegen die Vertrauensindikatoren für Immobilien und Bau von +32 auf +37, der Transport- und Versorgungssektor legte von +25 auf +33 zu. Dagegen ging die Zuversicht in der Information und Kommunikation von +33 auf +21 zurück, während der Einzelhandel mit einem Anstieg von +9 auf +18 eine Erholung zeigte. Branchenvertreter aus dem Immobiliensektor betonten, dass trotz gestiegener Finanzierungskosten Vermieter weiterhin Mietpreise anheben, was auf anhaltende Marktmacht hindeutet.
Ausblick und Herausforderungen für das nächste Quartal
Für die kommenden drei Monate wird ein weiterer Anstieg der Herstellungsstimmung auf +27 prognostiziert, während das nicht-industrielle Vertrauen voraussichtlich bei +27 stabil bleibt. Die Befragten identifizierten geopolitische Spannungen im Nahen Osten, steigende Rohstoffpreise sowie eine verhaltene Inlandskonsumlage als wesentliche Unsicherheiten, die zukünftige Geschäftsentwicklungen beeinträchtigen könnten.
Unterschiede zwischen Reuters Tankan und offizieller BOJ-Umfrage
Sowohl die Reuters Tankan als auch die offizielle Tankan-Umfrage der Bank of Japan (BOJ) verwenden Diffusionsindizes zur Erfassung der Unternehmensstimmung, unterscheiden sich jedoch in Umfang und Turnus. Die BOJ-Umfrage wird quartalsweise durchgeführt und befragt rund 9.000 bis 10.000 Unternehmen, was ihr ein höheres statistisches Gewicht verleiht. Sie erscheint im April, Juli, Oktober und Januar. Die Reuters Tankan entsteht monatlich als Privatsektor-Umfrage mit etwa 500 großen Unternehmen und liefert damit ein schnelleres, wenngleich weniger umfassendes Stimmungsbild.
Aufgrund ihrer Aktualität wird die Reuters Tankan oft als Frühindikator für die offiziellen BOJ-Ergebnisse herangezogen, auch wenn Unterschiede in Stichprobengröße und Methodik speziell bei Wendepunkten Abweichungen verursachen können.
Bedeutung der verbesserten Herstellungsstimmung für die Märkte
Die zunehmende Zuversicht im verarbeitenden Gewerbe, vor allem gestützt durch KI-getriebene Investitionen, liefert Argumente, die die Normalisierung der Geldpolitik durch die Bank of Japan stützen könnten. Diese Entwicklungen könnten den japanischen Yen stabilisieren. Gleichzeitig bleiben geopolitische Risiken im Nahen Osten, schwankende Inputkosten und eine uneinheitliche Inlandsnachfrage Wachsamkeit im Umgang mit der Währung und dem Aktienmarkt geboten.
Der Nikkei 225 könnte von der stabilen Unternehmensstimmung profitieren, dennoch dürften Erwartungen an mögliche geldpolitische Straffungen den Aufwärtsspielraum einschränken. Marktteilnehmer werten diese Erhebung als wichtigen Indikator vor der nächsten offiziellen Tankan-Veröffentlichung der BOJ.