Rückgang des US-Dollar-Anteils durch Portfolioanpassungen und Reservengrößen
Am 2. September 2026 veröffentlichte die Federal Reserve Bank of New York eine Analyse zu Veränderungen der globalen offiziellen Devisenreserven. Der Bericht stellt heraus, dass der Anteil des US-Dollars an diesen Reserven von 64 % Ende 2015 auf 56 % Ende 2025 gesunken ist. Diese Verminderung ist nicht nur auf eine Verschiebung der Währungspräferenzen der Zentralbanken zurückzuführen, sondern auch auf Änderungen der Gesamtreserven. In einigen Fällen erhöhten Länder ihre Gesamtreserven, reduzierten aber den Dollaranteil, was den globalen USD-Anteil insgesamt drückte.
Das Forschungsteam – bestehend aus Linda S. Goldberg, Oliver Hannaoui und Sneha Parthasarathy – analysierte Daten des IWF COFER, um diese Dynamik zu verdeutlichen. So verzeichnete etwa die Schweiz zwischen 2015 und 2019 eine Zunahme der Devisenreserven, was zu einem geringeren Anteil des US-Dollars führte, obwohl die Schweiz ihre direkten Dollaranlagen erhöht hatte. Diese strukturellen Muster zeigen, dass ein sinkender Dollaranteil nicht zwangsläufig einen Rückzug der Zentralbanken aus US-Dollar-Positionen bedeutet.
Länderdaten offenbaren präzise Ursachen für Veränderungen
Die Untersuchung von Daten aus 79 Ländern zwischen 2015 und 2019 (vollständige Daten für 76 Länder) ermöglichte eine Aufteilung der Einflussfaktoren auf den sinkenden Dollaranteil: Währungspräferenzen trugen zu einem Rückgang um 1,2 Prozentpunkte bei, die Veränderung der Reservengröße zu 1,5 Prozentpunkten. In der Folgeperiode 2019–2023 (Daten von 62 Ländern) stiegen die Präferenzen leicht (+0,3 Punkte), während die Reservengröße den Anteil um 0,5 Punkte verringerte.
Der Bericht weist darauf hin, dass für wichtige Volkswirtschaften wie China, Russland, Mexiko und Marokko 2023 keine Daten zu Dollarallokationen vorliegen. Die Modellierung dieser Lücken ergab für den aggregierten Präferenzwechsel einen Wert von etwa -2,0 Prozentpunkten, was mit dem globalen Rückgang von 2,3 Prozentpunkten übereinstimmt. Diese Datenlücken zeigen bestehende Unsicherheiten angesichts fehlender Transparenz wichtiger Reservehalter.
Diversifikation der Reserven deutet nicht auf Bitcoin-Käufe hin
Ein Folgebericht der New Yorker Fed vom März 2024 (Nr. 1087) differenziert zwischen Reserven zur Liquiditätssicherung – zum Beispiel zur Abwicklung von Handelsgeschäften, Bedienung von Auslandsschulden und zur Währungsstabilisierung – und solchen zur Diversifikation der Anlagen. Durch die Anwendung von Liquiditätskennzahlen wie kurzfristigen Auslandsschulden und Importdeckung über drei Monate zeigt der Bericht, dass eine Diversifikation über diese Bedürfnisse hinaus nicht automatisch auf Investitionen der Zentralbanken in Kryptowährungen wie Bitcoin hinweist.
Die Analyse der Reserveportfolios von 1999 bis 2023 ergab keine belegten Fälle, bei denen Zentralbanken Bitcoin offiziell in ihren Reserven hielten. Eine Ausnahme bildet die Ankündigung der Tschechischen Nationalbank vom 13. November 2025, ein Testportfolio für digitale Vermögenswerte im Umfang von 1 Million US-Dollar einzurichten, das Bitcoin, USD-Stablecoins und tokenisierte Einlagen umfasst. Dieses Pilotprojekt wird jedoch nicht zu den offiziellen Reserven gerechnet und zeigt eine vorsichtige Herangehensweise bei digitalen Anlagen statt einer formalen Umsetzung.
Fazit: Kein klarer Beleg für Bitcoin-Käufe im Zusammenhang mit sinkendem US-Dollar-Anteil
Die Ergebnisse der New Yorker Fed verdeutlichen, dass der weltweit schrumpfende Anteil des US-Dollars an den Reserven durch komplexe strukturelle Einflüsse bedingt ist, nicht durch eine direkte Verlagerung der Zentralbanken hin zu Bitcoin. Eine verlässliche Bestätigung von Bitcoin-Nachfrage durch Zentralbanken erfordert transparente Offenlegungen bezüglich Allokationen, Finanzierungsquellen und Transaktionsnachweisen sowie klare Abgrenzungen zwischen offiziellen Reserven und sonstigen Investitionen.
Daher bleiben Marktinterpretationen, die den fallenden USD-Reservanteil mit Zentralbank-Käufen von Bitcoin in Verbindung bringen, ohne ergänzende Daten spekulativ. Eine verstärkte Transparenz und verbesserte Berichterstattung werden entscheidend sein, um Trends bei der Diversifikation offizieller Reserven mit Kryptowährungen belastbar zu erkennen.