Bitcoin fällt unter 77.000 US-Dollar bei verstärktem Marktdruck
Am 10. September sank der Bitcoin-Preis unter die Marke von 77.000 US-Dollar und erreichte ein Tief bei rund 76.676 US-Dollar. Dieser Rückgang fällt mit einem deutlichen Anstieg der Rohölpreise zusammen, die erstmals seit längerem wieder über 100 Dollar pro Barrel notierten. Zugleich gaben die Tech-lastigen Nasdaq-100-Futures um 0,7 % nach. Die Renditen von US-Staatsanleihen stiegen weiter an: Die zehnjährige Note näherte sich mit 4,93 % einem 19-Jahres-Hoch, die 30-jährige Anleihe erreichte mit 5,35 % den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten. Diese Marktentwicklungen spiegeln wachsende Ängste vor einer möglichen erneuten Zinserhöhung durch die Federal Reserve auf der nächsten Sitzung wider.
Ölpreise steigen wegen geopolitischer Spannungen im Nahen Osten
Die Energiepreise stiegen deutlich an: Der Preis für West Texas Intermediate (WTI) stieg um mehr als 4 % und überschritt erstmals seit längerer Zeit wieder die 100-Dollar-Grenze, während Brent-Öl mit über 105 Dollar ein Niveau erreichte, das seit Anfang August um fast 30 % zugelegt hat. Hauptursache für die Rally sind erhöhte geopolitische Spannungen, die die wichtigen Handelsrouten im Nahen Osten beeinträchtigen und Befürchtungen über mögliche Lieferengpässe aufkommen lassen.
Trotz dieser Dynamik stiegen die US-Erzeugerpreise im August laut Produzentenpreisindex (PPI) lediglich um 0,4 % im Monatsvergleich und 5,4 % im Jahresvergleich, etwas stärker als im Juli mit 4,8 %. Der Kern-PPI legte mit 0,2 % zu, blieb jedoch unter den Erwartungen von 0,3 %. Allerdings erfassen diese Werte die jüngste Ölpreisspitze nicht vollständig, da die Erhebung am 11. August endete, vor Beginn des starken Anstiegs. Joseph Brusuelas, Chefökonom bei RSM US LLP, wies darauf hin, dass sich die Energiepreisrisiken im September voraussichtlich deutlicher in den Großhandels- und Kerninflationszahlen niederschlagen werden.
EZB erhöht erneut Leitzinsen und belastet Anleihemärkte weltweit
Am 10. September zog die Europäische Zentralbank (EZB) mit einer weiteren Leitzinsanhebung um 25 Basispunkte auf 2,5 % nach – dies war die zweite Erhöhung in diesem Jahr. Die Maßnahme reagiert auf die anhaltend hohe Inflation in der Eurozone, die über 3 % liegt und vor allem durch Energiepreiserhöhungen getrieben wird. Gleichzeitig korrigierte die EZB ihre Inflationsprognose für das Jahr 2027 auf 2,5 % nach oben, was den Druck auf Staatsanleiherenditen weltweit verstärkt: Investoren fordern höhere Renditen angesichts der Erwartung einer weiterhin restriktiven Geldpolitik.
US-Staatsanleiherenditen erreichen kritische Schwellen
Der US-Anleihemarkt sieht sich mit wachsenden Herausforderungen konfrontiert: Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe nähert sich der psychologisch wichtigen Marke von 5 %. Die 30-jährige Anleihe liegt mit 5,35 % nahe an Schwellen, die für jüngste Rückkaufprogramme lange Laufzeiten bedeuteten. Um Liquiditätsengpässe zu mindern, hat das US-Finanzministerium diese Rückkauf-Transaktionen auf 6 Milliarden US-Dollar ausgeweitet. Sollte der Verbraucherpreisindex (CPI) für August, der am 11. September veröffentlicht wird, die Erwartungen übertreffen, könnte die Rendite der 10-jährigen Note die 5 %-Marke überspringen.
Gleichzeitig stieg die Rendite der zweijährigen Staatsanleihe auf etwa 4,50 %, was deutlich oberhalb der aktuellen Zielspanne der Federal Reserve von 3,50 % bis 3,75 % liegt. Dieses Niveau spiegelt die Markterwartung einer fortgesetzten Straffung der Geldpolitik wider.
Erhöhte Volatilität und Liquidationen belasten Kryptomarkt
Die jüngsten makroökonomischen Daten und die Turbulenzen am Energiemarkt führten zu umfangreichen Liquidationen auf den Kryptomärkten. Innerhalb der letzten 24 Stunden verzeichnete CoinGlass erzwungene Schließungen von Positionen für mehr als 161.900 Trader mit einer Gesamtvolumina von rund 568 Millionen US-Dollar. Verluste bei Bitcoin-Long-Positionen beliefen sich auf circa 138 Millionen US-Dollar, während Ethereum-Longs etwa 113 Millionen US-Dollar einbüßten. Daten von CryptoQuant zeigen, dass allein Binance-Nutzer Bitcoins im Wert von über 1,4 Milliarden US-Dollar verkauften, was auf eine Portfolioanpassung der Investoren in Reaktion auf den Kurseinbruch hindeutet.
Glasnoden-Onchain-Daten offenbaren starke Angebotswiderstände beim Bitcoin zwischen 76.000 und 82.000 US-Dollar. Zudem haben langfristige Investoren rund 1,07 Millionen BTC im Bereich von 83.000 bis 86.000 US-Dollar akkumuliert. Die aktuelle Unterstützung bei 76.000 Dollar stellt damit eine bedeutende Hürde dar. Ein nachhaltiges Unterschreiten könnte die Ansammlungszone auf 62.000 bis 65.000 Dollar verschieben.
Verbraucherpreisindex am 11. September als Wegweiser für die Märkte
Der Konsens erwartet für den August eine Monatssteigerung des Verbraucherpreisindex von 0,4 % und für den Kern-CPI ein Plus von 0,2 %. Sollten diese Werte die Prognosen übertreffen, dürfte dies die Wahrscheinlichkeit für weitere Zinsschritte der Federal Reserve erhöhen und die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen über 5 % treiben. Dies würde zusätzlichen Abwärtsdruck auf Bitcoin und andere risikobehaftete Vermögenswerte ausüben. Aufgrund der zeitlichen Verzögerung in den Daten könnten die Inflationsergebnisse jedoch die jüngsten Ölpreissteigerungen noch nicht vollständig abbilden. Da zukünftige Berichte diese Einflüsse umfassender erfassen dürften, bleibt die Entwicklung der Inflationszahlen ein zentraler Indikator für das Marktsentiment.