- Die Europäische Zentralbank (EZB) hat angekündigt, die drei Leitzinsen um 25 Basispunkte anzuheben, was die erste Zinserhöhung seit drei Jahren darstellt. Der Einlagensatz steigt auf 2,25 %. Der Beschluss wurde einstimmig gefasst, während die Inflationsprognose für 2026 auf 3,0 % angehoben wurde. Es wird jedoch angedeutet, dass die zukünftige Politik abwartend sein wird.
- Der Produzentenpreisindex (PPI) der USA stieg im Mai im Jahresvergleich auf 6,5 % und erreichte damit den höchsten Stand seit November 2022. Der Markt beobachtet gespannt die erste Sitzung des Federal Reserve Systems (Fed) unter Vorsitz von Walsh in der nächsten Woche sowie potenzielle Reformen.
- Die Bank von Japan (BOJ) wird voraussichtlich auf der Zinssitzung in der nächsten Woche dem globalen Straffungstrend folgen und den Leitzins um 25 Basispunkte auf 1,0 % anheben. Die Neupreisgestaltung der Liquidität in den wichtigsten Volkswirtschaften der Welt führt zu einer verstärkten kurzfristigen Volatilität der Finanzmärkte.
EZB startet erste Zinserhöhung seit drei Jahren
Die Europäische Zentralbank hat auf ihrer Juni-Sitzung den Spitzenrefinanzierungssatz, den Hauptrefinanzierungssatz und den Einlagensatz jeweils um 25 Basispunkte auf 2,65 %, 2,40 % und 2,25 % angehoben. Dies ist die erste Zinserhöhung der Bank seit drei Jahren. Alle Mitglieder des Rates stimmten diesem Beschluss zu. In der Erklärung der EZB wird darauf hingewiesen, dass geopolitische Risiken im Nahen Osten Unsicherheiten für die Inflationsaussichten schaffen. Angesichts potenzieller importierter Inflationsdrucke hat die EZB die Inflationsprognose für 2026 von 2,6 % auf 3,0 % angehoben und prognostiziert, dass das Inflationsniveau erst in der zweiten Hälfte des Jahres 2027 auf das offizielle langfristige Ziel von 2,0 % zurückkehren könnte.
Arbeitsmarkt unterstützt abwartende Haltung
Obwohl die kurzfristigen Inflationsprognosen angehoben wurden, betonen EZB-Beamte, dass das aktuelle makroökonomische Umfeld sich grundlegend von der Inflationsspitze 2022 unterscheidet. Die Arbeitskräftenachfrage innerhalb Europas kühlt weiter ab, und das Lohnwachstum wird voraussichtlich im nächsten Jahr nachlassen. Die politischen Entscheidungsträger beobachten derzeit keine Zweitrundeneffekte einer Lohn-Preis-Spirale. Da diese Zinserhöhung nicht der Beginn eines aggressiven politischen Zyklus ist und weder der neutrale Zinssatz noch der neutrale Bereich diskutiert wurden, wird allgemein erwartet, dass die EZB nach dieser Maßnahme in eine Beobachtungsphase eintritt, ohne dass ein vorgegebener Pfad für die zukünftige Zinspolitik besteht.
US-Produzentenpreisindex steigt stärker als erwartet
Zeitgleich mit der Ankündigung der Zinserhöhung durch die EZB veröffentlichte das US-Arbeitsministerium Daten, die zeigen, dass der Produzentenpreisindex im Mai im Jahresvergleich auf 6,5 % gestiegen ist, deutlich über dem vorherigen Wert von 5,7 % und dem höchsten Stand seit November 2022. Der Kern-PPI blieb stabil bei 4,9 %. Der Preisdruck auf der Angebotsseite überträgt sich weiterhin auf die Verbraucherseite, wodurch die Inflation wieder in den Mittelpunkt des Marktinteresses rückt. Diese Daten fügen der bevorstehenden geldpolitischen Sitzung des Federal Reserve Systems in der nächsten Woche, die von dem neuen Vorsitzenden Walsh geleitet wird, eine zusätzliche Ungewissheit hinzu.
Globale Zentralbankenwechsel führen zu Marktrevaluierung
Neben den beiden großen Zentralbanken in Europa und den USA wird auch erwartet, dass die Bank von Japan auf ihrer Sitzung in der nächsten Woche den Leitzins um 25 Basispunkte auf 1,0 % anhebt und möglicherweise eine weitere Reduzierung der Anleihekäufe ankündigt. Da die Haltung der drei großen Zentralbanken der Welt zunehmend in Richtung Straffung geht, erlebt das internationale Finanzmarktumfeld eine tiefgreifende Neupreisgestaltung. Sollten die Kerninflationsindikatoren der wichtigsten Volkswirtschaften aufgrund geopolitischer oder nachfrageseitiger Erholungen weiter steigen, könnten die Bewertungsmodelle der globalen Multi-Asset-Märkte einer umfassenden Neubewertung unterzogen werden, wobei die kurzfristige Marktvolatilität wahrscheinlich zunehmen wird.