- Nachdem der Oberste Gerichtshof der USA zuvor die auf Grundlage des „International Emergency Economic Powers Act“ erhobenen Zölle in Höhe von 166 Milliarden Dollar für ungültig erklärt hatte, äußerte sich der US-Präsident öffentlich, dass er sich die Unternehmen „merken“ werde, die freiwillig darauf verzichten, über das neu errichtete CAPE-Portal der US-Zoll- und Grenzschutzbehörde (CBP) eine Rückerstattung zu beantragen. Diese Äußerung löste eine Neubewertung des politischen Risikos am Markt aus.
- Obwohl die CBP bereits das elektronische Rückerstattungsverfahren gestartet hat, erließ das Internationale Handelsgericht der USA in New York am Dienstag eine vorläufige Anordnung zur Einstellung der Vollstreckung und fordert bis zum 28. April einen Fortschrittsbericht. Der Grund dafür ist, dass Bürgschaftsunternehmen für Zollgarantien verlangen, in das Rückerstattungssystem für Importe im Wert von über 2.500 Dollar einzugreifen, was zu einer Freigabe von Liquidität im Umfang von bis zu Hunderten Milliarden Dollar führt, die möglicherweise um bis zu 90 Tage verzögert wird.
- Kern-Retailer und Technologiegiganten schweigen in der Erstattungs-Klage. Apple (AAPL:US) korrigierte sich im Tagesverlauf um 2,52%, während Amazon (AMZN:US), Target (TGT:US) und Walmart (WMT:US) jeweils um 0,66%, 1,47% und 1,31% leicht zulegten. Dies spiegelt die geteilten Erwartungen des Marktes wider, ob Unternehmen die politischen Reibungskosten und den potenziellen Druck durch alternative Zölle vermeiden werden.
Schwellenwert für Zollrückerstattungen und politische Auseinandersetzungen
Rund um die Rückerstattung der illegalen Zölle in Höhe von 166 Milliarden Dollar eskaliert das Machtspiel zwischen Exekutive und Justizsystem erheblich. Zwar hat die CBP gemäß Gerichtsanordnung das automatisierte Rückerstattungssystem CAPE online gestellt, doch die öffentlichen Äußerungen des US-Präsidenten üben zusätzlichen rechtlichen und politischen Druck auf Unternehmen aus, die Erstattung beantragen. Der Präsident erklärte, dass Unternehmen, die keine Rückerstattung beantragen, dem Land zugutekommen, während die Rückerstattungsforderung als feindlich angesehen wird. Diese Äußerungen lassen multinationale Unternehmen zwischen dem Streben nach rechtmäßigem finanziellem Ausgleich und der Pflege der Regierungskontakte in ein Dilemma geraten. Sollten Unternehmen sich dazu entscheiden, den Rückerstattungsprozess strikt voranzutreiben, könnten sie in Zukunft einer strengeren administrativen Prüfung oder gezielten Handelshemmnissen ausgesetzt sein.
Einhaltungsschwierigkeiten und Preissetzungsstrategien der Einzelhandelsriesen
Inmitten der massiven Zollverpflichtungen zeigen sich unterschiedliche Strategien bei führenden Unternehmen. Unternehmen wie Costco (COST:US), FedEx (FDX:US) und Mondelez (MDLZ:US) wählen den Rechtsweg, um ihre Rückerstattungsansprüche zu schützen, während Apple (AAPL:US), Amazon (AMZN:US), Target (TGT:US) und Walmart (WMT:US) bislang keine aktiven rechtlichen Schritte unternommen haben. Dieses zurückhaltende Vorgehen ist nicht nur durch die Vermeidung politischer Rückschläge der aktuellen Regierung motiviert, sondern auch durch komplexe Überlegungen zur Preissetzung innerhalb der Lieferkette. Im Fall von Walmart forderte die Regierung beispielsweise, die Zollkosten intern zu absorbieren, anstatt die Endpreise zu erhöhen; Amazon wiederum begegnete in seinem Low-Cost-Bereich Haul administrativen Vorwürfen aufgrund separate aufgeführter Zollzuschläge in der Preisstruktur. Die Zurückhaltung der Einzelhandelsriesen ermöglicht es, diese versunkenen Kosten in politisches Absicherungskapital zur Aufrechterhaltung ihres Marktanteils umzuwandeln.
Einfrieren des Zolls und Erwartungen an Liquiditätsfreigabe
Die plötzliche Unterbrechung des Rückerstattungsprozesses sorgt für Unsicherheiten bei der kurzfristigen Liquidität der Unternehmen. Der vorläufige Aussetzungsbeschluss des Internationalen Handelsgerichts in New York basiert hauptsächlich auf technischen Mängeln im Zollgarantiesystem. Laut den US-Zollbestimmungen muss für Importe über 2.500 Dollar eine Zollbürgschaft hinterlegt werden, doch das bestehende CAPE-Rückerstattungssystem hatte ursprünglich keine Bürgen für säumige Anleihen oder insolvente Importeure in das Abwicklungssystem integriert. Dieser technische Mangel birgt Risiken für die Abwicklung der Finanzmittel. Ernst & Young weist darauf hin, dass das System zwar weiterhin Anträge annimmt, die tatsächliche Auszahlung der Mittel jedoch voraussichtlich innerhalb von 60 bis 90 Tagen schwer realisierbar ist. Zudem könnte potenzielles rechtliches Handeln der Regierung vor Ablauf der Beschwerdefrist am 7. Juni die Rückführung dieser 166 Milliarden Dollar auf die Unternehmensbilanzen weiter verzögern.
Alternativer Zollansatz und Neubewertung langfristiger Kosten
Die langfristigen Sorgen des Marktes verlagern sich von einfachen Rückerstattungsverzögerungen hin zu neuen Handelsbarrieren. Die US-Regierung hat klar gemacht, dass sie einen alternativen Zollplan auf Basis von Artikel 301 des Handelsgesetzes von 1974 plant. Im Gegensatz zu dem vom Obersten Gerichtshof aufgehobenen Notstandsgesetz umfasst Artikel 301 ein umfangreicheres Verfahren zur Konsultation der Öffentlichkeit und zur Untersuchung unlauterer Handelspraktiken. Offiziellen Schätzungen zufolge soll dieses neue Schema im Juli dieses Jahres offiziell umgesetzt werden und zielt darauf ab, höhere finanzielle Einnahmen zu erzielen als das ursprüngliche Zolllsystem. Für Hardware-Technologieunternehmen und multinationale Einzelhändler, die stark von globalen Lieferketten abhängig sind, bedeutet dies, dass der gerade erst aufgehobene Zolldruck von 166 Milliarden Dollar in der zweiten Jahreshälfte in einer verdeckteren und komplexeren Form neuer Compliance-Kosten wieder in die Finanzmodelle aufgenommen werden dürfte, was die Erwartungen an ihre langfristige Bruttomargenexpansion dämpft.