- Die Renditen von US-Staatsanleihen sind aufgrund des Anstiegs der Rohölpreise im Aufwind, wobei die Rendite der zweijährigen US-Staatsanleihen, die sensibler auf den Leitzins der Federal Reserve reagiert, um 3,9 Basispunkte auf 3,844 % gestiegen ist. Dies spiegelt die zunehmenden Befürchtungen des Marktes wider, dass geopolitische Prämien die Kerninflation anheizen könnten.
- Da der Wechsel der Führungsspitze der Federal Reserve bevorsteht, wird in dieser Woche wahrscheinlich der Leitzins auf dem aktuellen Niveau belassen. Der amtierende Vorsitzende Powell wird seine letzte Sitzung leiten, während der Senat am Mittwoch über die Nominierung von Kevin Walsh als Nachfolger abstimmt. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Verlauf des Jahres, basierend auf den Preisen der Federal Funds Futures, ist auf 22 % gesunken.
- Die Ergebnisse von Tests zur Ausgabe von Staatsanleihen auf dem Primärmarkt sind gemischt. Die siebenjährige US-Staatsanleihe über 44 Milliarden US-Dollar hat ein Zeichnungsverhältnis von 2,51 erreicht, den höchsten Stand seit Dezember letzten Jahres. Allerdings zeigte die Nachfrage nach den zuvor emittierten zweijährigen Anleihen über 69 Milliarden US-Dollar und den fünfjährigen Anleihen über 70 Milliarden US-Dollar Schwächen, was zu einer Verengung der zweijährigen und zehnjährigen Renditespanne auf 51 Basispunkte führte.
Geopolitisches Ringen und die Preisgestaltung im Energiesektor
Die geopolitische Pattsituation im Nahen Osten formt die globalen Angebot- und Nachfrageerwartungen auf den Energiemärkten neu. Da die USA und Iran in Bezug auf einen Waffenstillstandsvertrag kaum Fortschritte erzielen, führt der faktische Verschluss der Straße von Hormus zu erheblichen Einschränkungen der Rohölexportkapazitäten aus dieser Region. Obwohl US-Präsident Trump seine Unzufriedenheit über die internen Umstrukturierungssignale seitens des Iran zum Ausdruck brachte, senkt die militärische Bereitschaftserklärung des Iran die Wahrscheinlichkeit, dass die Angebotsunterbrechungsrisiken kurzfristig diplomatisch gelöst werden können. Als Gegenmaßnahme hat die UAE angekündigt, sich aus der OPEC und OPEC+ zu verabschieden, was die unidirektionalen Aufwärtsrisiken für Ölpreise etwas abmilderte. Der Markt geht davon aus, dass dieser Schritt zusätzlich ungenutzte Kapazitäten freisetzen könnte, um die Lieferengpässe aufgrund der Iran-Situation zu kompensieren.
Datenabhängigkeit in der geldpolitischen Übergangsphase
Während der Inflationsdruck durch den Anstieg der Energiepreise wächst, zeigt der US-Arbeitsmarkt erste Anzeichen von Schwäche und zwingt die Federal Reserve, ein Gleichgewicht zwischen ihren dualen Mandaten zu finden. Der Federal Open Market Committee-Beschluss in dieser Woche dient nicht nur als Beobachtungsfenster für die Geldpolitik, sondern markiert auch den tatsächlichen Führungswechsel bei der Zentralbank. Am Ende von Powells Amtszeit hat der Markt das Augenmerk bereits auf Walsh gelenkt, der zur Abstimmung im Senat ansteht. Sollte die Kerninflation durch geopolitische Faktoren erneut ansteigen, steht die neue Führung der Federal Reserve bei der Gestaltung des Lockerungspfads vor strengeren Rahmenbedingungen - das ist auch der Grund, warum der kurzfristige Zinssenkungsausblick im Derivatemarkt deutlich zurückgeschraubt wurde.
Finanzielle Versorgung und die Verformung der Zinsstrukturkurve
Das umfangreiche Verkaufsprogramm der US-Schatzkammer über 183 Milliarden US-Dollar an kurz- und mittelfristigen Anleihen in dieser Woche bietet einen Einblick in die Laufzeitpräferenzen der institutionellen Investoren. Insgesamt zeigen sich strukturelle Unterschiede in der Nachfrage zwischen den langfristigen und kurzfristigen Anleihen. Die am Dienstag emittierte siebenjährige Anleihe über 44 Milliarden US-Dollar wurde zu einem Zinssatz von 4,175 % platziert, wobei die Spanne zum vorangehtenden Marktpreis nur um 0,5 Basispunkte anstieg, was zeigt, dass mittel- bis langfristige Vermögenswerte bei aktuellen Renditen immer noch einen Anlagewert besitzen. Im Gegensatz dazu steht die gesunkene Nachfrage nach kurzfristigen Anleihen aufgrund der abgekühlten Zinssenkungserwartungen unter Druck, was die Verflachung der Zinsstrukturkurve weiter vorantreibt. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe stieg leicht um 2,2 Basispunkte auf 4,358 %, während sich die Spanne zwischen kurz- und langfristigen Renditen weiter verringerte.