Nvidias Verwaltungsrat hat eine unabhängige Untersuchung zu Berichten eingeleitet, wonach Gründer und CEO Jensen Huang Ziel einer ausländischen Geheimdienstoperation gewesen sein soll. Das Unternehmen sieht bislang keine Hinweise darauf, dass vertrauliche Nvidia-Informationen oder die nationale Sicherheit der USA beeinträchtigt wurden. Huang unterstützt die Untersuchung und hat seine Kooperation zugesagt. Die Vorwürfe sind nicht bestätigt; die Prüfung könnte auch die Aufmerksamkeit auf Nvidias Unternehmensführung und die Stabilität an der Spitze lenken.
Verwaltungsrat setzt unabhängige Untersuchung an
Nvidia teilte am Sonntag mit, der Verwaltungsrat werde die jüngsten Berichte über Huang unabhängig untersuchen lassen. Ein Unternehmenssprecher erklärte, Huang bleibe CEO und werde das Unternehmen weiterhin ohne Unterbrechung führen.
Nach Angaben von Nvidia gibt es keinen Grund zu der Annahme, dass die nationale Sicherheit der USA oder vertrauliche Unternehmensinformationen Schaden genommen haben. Huang unterstütze die Untersuchung und werde mit ihr zusammenarbeiten. Einen Zeitplan, den konkreten Umfang der Prüfung oder die beauftragte externe Stelle hat Nvidia bislang nicht genannt.
Huang entschuldigt sich bei seiner Familie
In einer Mitteilung an die Beschäftigten räumte Huang ein, seiner Frau untreu gewesen zu sein, und entschuldigte sich bei ihr und den gemeinsamen Kindern. Sein Verhalten habe seiner Familie geschadet; dafür gebe es „keine Entschuldigung“, schrieb er. Sie hätten Ehrlichkeit und Loyalität verdient. Er habe sie enttäuscht und tue ihm „zutiefst leid“.
Die Angaben zu Huangs Privatleben sind von den Vorwürfen einer ausländischen Geheimdienstoperation zu trennen. Sie belegen diese nicht. Öffentlich bekannt sind bislang die Untersuchung und Huangs Zusage, daran mitzuwirken. Hinweise auf ein Leck vertraulicher Informationen oder eine Beeinträchtigung der nationalen Sicherheit liegen nicht vor.
US-Abgeordnete verlangen Auskunft
Frühere Vorwürfe, Huang habe eine enge Beziehung zu der chinesischen Geschäftsfrau Alice Huang unterhalten, die Informationen an Peking weitergegeben haben soll, haben in Washington Aufmerksamkeit ausgelöst. Mehrere führende republikanische Mitglieder des US-Repräsentantenhauses haben Huang aufgefordert, den Kongress noch in diesem Monat zu unterrichten. Die Behauptungen werden untersucht; bislang gibt es keine öffentlich bekannten Ergebnisse einer Anhörung oder Untersuchung des Kongresses.
Huang führt Nvidia seit der Mitgründung des Unternehmens im Jahr 1993. Aus dem Hersteller von Grafikchips ist ein bedeutender Anbieter von Prozessoren für die Entwicklung und den Betrieb von KI-Systemen geworden. Da Huang sowohl Gründer als auch CEO ist, könnte die Untersuchung auch Fragen zur Unternehmensführung und zur Kontinuität des Managements aufwerfen.
Nvidia-Aktie: Kursdaten vom 6. November
Die Nvidia-Aktie notierte bei 186,64 US-Dollar und damit 5,04 US-Dollar beziehungsweise 2,78 Prozent im Plus. Im nachbörslichen Handel lag die Notierung bei 183,04 US-Dollar, ein Rückgang um 3,60 US-Dollar oder 1,93 Prozent. Als Handelstag nennt die Kursseite den 6. November. Aus den verfügbaren Daten lässt sich kein Zusammenhang zwischen den Kursbewegungen und den Nachrichten zur Untersuchung ableiten.
Nvidia zufolge bleibt Huang im Amt; zugleich sieht das Unternehmen keinen Grund zu der Annahme, dass die nationale Sicherheit oder vertrauliche Unternehmensinformationen beeinträchtigt wurden. Die Untersuchung läuft. Die Vorwürfe und ihre möglichen Folgen sind weiterhin nicht bestätigt.