Am 18. September waren 63,3 % des Bitcoin-Bestands seit mindestens einem Jahr nicht mehr on-chain bewegt worden. Am 18. August hatte der Anteil noch bei 62,32 % gelegen. Der Anstieg deutet auf eine insgesamt ältere Angebotsstruktur hin, bestätigt für sich genommen aber weder eine neue Kaufwelle noch einen gezielten Abzug von Bitcoin aus dem Umlauf.
Anteil des mindestens ein Jahr gehaltenen Bestands steigt
Die HODL Waves von Maketo ordnen den Bitcoin-Bestand danach, wann sich jedes noch nicht ausgegebene Transaktions-Output (UTXO) zuletzt on-chain bewegt hat. Bleiben Coins unberührt, wandern sie mit der Zeit in ältere Altersklassen. Eine Transaktion setzt ihr Alter in der Regel wieder auf eine jüngere Kategorie zurück.
Der höhere Anteil der mindestens ein Jahr gehaltenen Bitcoin am 18. September spiegelt daher zunächst eine Verschiebung in der Altersverteilung der On-Chain-Coins wider. Daraus folgt nicht, dass neue Käufer innerhalb des vergangenen Monats 63,3 % des Bestands erworben haben. Ebenso lässt sich daraus nicht ableiten, dass jeder Halter seine Verkaufsbereitschaft bewusst reduziert.
Die deutlichsten Veränderungen zeigten sich in benachbarten Altersklassen. Zwischen dem 18. August und dem 18. September stieg der Anteil der ein bis zwei Jahre gehaltenen Coins von 13,52 % auf 14,57 %. Mit einem Plus von 1,05 Prozentpunkten war dies der stärkste Anstieg unter den Altersklassen mit einer Haltedauer von mehr als einem Jahr. Gleichzeitig sank der Anteil der sechs bis zwölf Monate gehaltenen Coins von 19,10 % auf 17,53 %. Eine Momentaufnahme von Glassnode vom 18. September wies für beide Bereiche dieselben aktuellen Werte aus.
Diese gegenläufige Entwicklung ist damit vereinbar, dass einige Coins die Schwelle von einem Jahr überschritten haben. Coins aus der Altersklasse von sechs bis zwölf Monaten können allein dadurch in die Kategorie von einem bis zwei Jahren wechseln, dass sie weiterhin nicht bewegt werden. Die Altersklassen zeigen Nettoveränderungen. Sie umfassen sowohl Zu- und Abgänge aus den jeweiligen Bereichen als auch Rücksetzungen durch On-Chain-Transfers. Die Daten können weder die Bewegung einzelner Coins direkt nachvollziehen noch Veränderungen beim wirtschaftlichen Eigentum feststellen.
Auch kurzfristig bewegter Bestand geht zurück
Der Anteil des Bitcoin-Bestands, der innerhalb der vorangegangenen 30 Tage bewegt worden war, sank ebenfalls. Er ging von 7,30 % am 18. August auf 7,03 % am 18. September zurück. Das spricht für eine nachlassende kurzfristige On-Chain-Aktivität. Weniger Transfers bedeuten jedoch nicht zwangsläufig, dass sich das zum Verkauf verfügbare Angebot verknappt hat.
Nach der HODL-Waves-Methodik von Glassnode wandern nicht bewegte UTXOs mit dem Überschreiten verschiedener Zeitgrenzen in ältere Altersklassen. Jede Transaktion kann das betreffende Output wieder in eine jüngere Kategorie zurückführen. Die Methode erfasst die Altersstruktur des Bestands, kann aber allein weder die Identität der Halter noch deren Transaktionsmotive bestimmen. Auch lässt sich daraus nicht sicher ableiten, ob tatsächlich ein Wechsel des wirtschaftlichen Eigentums stattgefunden hat.
Transfers zwischen Wallets, die demselben Investor gehören, oder interne Umbuchungen eines Verwahrers können beispielsweise dazu führen, dass On-Chain-Outputs jünger erscheinen, ohne dass sich das wirtschaftliche Eigentum verändert. Verlorene oder anderweitig nicht zugängliche Bitcoin können über lange Zeit in den ältesten Altersklassen verbleiben. Das ist jedoch kein Beleg dafür, dass der Halter aktiv eine langfristige Haltestrategie verfolgt.
Coinbase-Beispiel zeigt Grenzen der Zuordnung
Im November 2025 erklärte Coinbase, dass interne Migrationen von Wallets ein erhebliches On-Chain-Transaktionsvolumen erzeugen können, ohne unmittelbar Käufe oder Verkäufe am Markt widerzuspiegeln. Dieses Beispiel wird nicht als Ursache der aktuellen Veränderung in der Altersverteilung dargestellt. Es verdeutlicht jedoch, warum Transferdaten allein nicht zuverlässig zeigen, ob Gelder in den Markt fließen, eine Börse verlassen oder lediglich aus betrieblichen Gründen intern verschoben werden.
Für die Daten vom 18. September lassen sich daher engere Schlussfolgerungen ziehen: Die Altersverteilung des On-Chain-Bitcoin-Bestands wurde älter, während der Anteil des im vergangenen Monat bewegten Bestands zurückging. Die Daten messen weder direkt die Menge der zum Verkauf verfügbaren Bitcoin noch belegen sie, dass sich das liquide Angebot substanziell verringert hat.
Börsenflüsse und Entity-Daten bleiben entscheidend
Um zu beurteilen, ob die Veränderung den Beginn einer neuen Akkumulationsphase darstellt, wären zusätzliche Kennzahlen erforderlich. Dazu zählen unter anderem um Entities bereinigte Wallet-Bestände, Nettozuflüsse und -abflüsse von Börsen, die Ausgaben langfristiger Halter sowie Transfers zwischen unterschiedlichen Entity-Typen. Altersdaten liefern erst dann belastbarere Hinweise auf das Halteverhalten und das Verhältnis von Angebot und Nachfrage, wenn diese Indikatoren in dieselbe Richtung weisen.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der relevanten Daten notierte Bitcoin bei 80.447,74 US-Dollar und damit 0,58 % niedriger als 24 Stunden zuvor. Die Marktkapitalisierung lag bei rund 1,62 Billionen US-Dollar, das Handelsvolumen innerhalb von 24 Stunden bei etwa 22,56 Milliarden US-Dollar. Gegenüber dem vorherigen Zeitraum entsprach dies einem Rückgang von 41,17 %. Der umlaufende Bestand belief sich auf rund 20,09 Millionen Coins, die vollständig verwässerte Bewertung auf etwa 1,69 Billionen US-Dollar. Der Anstieg bei den einjährigen HODL Waves ist daher eher als Hinweis auf eine alternde Angebotsstruktur zu verstehen und nicht als Bestätigung einer neuen Nachfrage.