Ed Sheeran hat sich bei seinem Auftritt am Samstag im Lincoln Financial Field in Philadelphia erstmals persönlich zum Streit um den Rapper Macklemore geäußert. Die Kontroverse steht im Zusammenhang mit Macklemores Aussagen zum Israel-Gaza-Konflikt und seinem Ausscheiden aus dem Tourneeprogramm. Sie wirkt sich auf den Ticketverkauf, die Preise und Rückerstattungsanfragen für Sheerans verbleibende US-Termine aus. Einzelne Tickets wurden für 32 US-Dollar angeboten.
Sheeran eröffnete das Konzert allein und sagte dem Publikum, er habe im Umgang mit der Kontroverse „Fehler“ gemacht. Er habe nicht als Musiker bekannt werden wollen, der politische Positionen vertritt. Der Streit habe ihn jedoch in eine öffentliche Debatte über Meinungsfreiheit sowie über die Lage in Israel und Palästina hineingezogen.
Sheeran: Das Konzert soll kein einseitiges politisches Signal sein
Sheeran sagte, seine Konzerte sollten sichere Orte sein, an denen Menschen unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen Ansichten gemeinsam teilnehmen können. Auch deshalb habe er sich entschieden, den Auftritt fortzusetzen. Er habe sich grundsätzlich zurückgehalten, als politischer Kommentator aufzutreten, und wolle mit seiner Musik und seinen Live-Shows eher Einheit und Menschlichkeit als Spaltung und Parteipolitik betonen. Zugleich erklärte er, dass es bei der aktuellen Situation um humanitäre Fragen gehe, die er nicht länger ignorieren könne.
Mit Blick auf Israel und Palästina bezeichnete Sheeran die Angriffe vom 7. Oktober 2023 in Israel als „erschreckend“. Sie hätten das Leid, das jüdische Menschen seit Langem erfahren, weiter vertieft. Die Lage im Gazastreifen nannte er „katastrophal, unvernünftig und unverhältnismäßig“. Der Tod zahlreicher Zivilisten und Kinder sei herzzerreißend. Auch die systemische Ungerechtigkeit im Westjordanland dürfe nicht ausgeblendet werden.
Sheeran sagte, er versuche, durch Zuhören und Lernen Wege zu finden, Menschen zu helfen, die von dem Konflikt betroffen sind. Gleichzeitig räumte er ein, noch nicht genug über das Thema zu wissen. Das Konzert solle ein Ort bleiben, an dem Menschen mit unterschiedlichen Standpunkten zusammenkommen können.
Streit um Tournee belastet Preise und Verkäufe
Der Auftritt in Philadelphia begann fast drei Stunden später als ursprünglich geplant. Mehrere Musiker hatten sich aus den damit verbundenen Vereinbarungen zurückgezogen. Dadurch gab es keine Vorgruppen, und die Veranstaltung war insgesamt deutlich reduzierter als üblich. Sheeran hatte zuvor erklärt, die Entscheidung, Macklemore aus den Tourneeplänen zu nehmen, sei vom Veranstalter und nicht von ihm getroffen worden.
Seit dem Aufkommen des Streits stehen die Verkäufe für Sheerans verbleibende US-Shows unter Druck. Einige Tickets wurden für 32 US-Dollar angeboten, umgerechnet etwa 24 Pfund. Bei früheren Tourneen hatte Sheeran noch zu den weltweit umsatzstärksten Künstlern gehört. Sein anstehender Spielplan umfasst Städte in Nord- und Südamerika. Die Entwicklung der Ticketpreise zeigt damit unmittelbar, welche kommerziellen Auswirkungen die Kontroverse auf die Tournee hat.
Einige Besucher erklärten zudem, sie hätten eine Rückerstattung beantragen können. Ticketmaster und der Konzertveranstalter Messina Touring Group bestätigten nicht, ob diese Kunden ihr Geld tatsächlich zurückerhalten haben. Umfang der Rückzahlungen und die dafür geltenden Abläufe blieben damit unklar.
Publikum unterstützt die Musik und diskutiert Meinungsfreiheit
In der Stunde vor Konzertbeginn betraten mehrere hundert Menschen das Stadion. Vor dem Veranstaltungsort hielten sich nur wenige Medienvertreter und Demonstranten auf. In der Nähe der nächsten U-Bahn-Station wurden Fahnen geschwenkt. Sichtbare Störungen des Auftritts gab es nicht.
Die Einschätzungen im Publikum gingen auseinander. Ein Paar sagte, es habe 450 US-Dollar pro Ticket bezahlt und respektiere zugleich Macklemores Recht, seine Ansichten öffentlich zu äußern. Eine andere Gruppe erklärte, sie habe die Tickets nach dem Preisrückgang zu einem „Schnäppchenpreis“ gekauft, unterstütze Palästina und höre zugleich gern Sheerans Musik.
Ein Demonstrant namens Cooper sagte, er sei zur Unterstützung der Palästinenser gekommen. Künstler mit einer öffentlichen Plattform, darunter Macklemore, sollten seiner Ansicht nach über das Thema sprechen dürfen. Er habe gehofft, dass Sheeran sich während des Konzerts entschuldigt, dies aber nicht erwartet.
Eine weitere Familie besuchte die Veranstaltung mit Victoria, 15, und Sadie, 13. Auf die Kontroverse um Macklemores Ausscheiden aus der Tournee angesprochen, antworteten die beiden Mädchen: „Wer ist Macklemore?“ Ihre Reaktion zeigte auch, dass sich ein Teil des Publikums stärker auf die Musik als auf die öffentliche Debatte rund um die Veranstaltung konzentrierte.
Israel weist Vorwürfe zurück, im Gazastreifen einen Völkermord zu begehen. Das Land erklärt, sein Vorgehen in Gaza und im besetzten Westjordanland sei Selbstverteidigung und stehe im Einklang mit dem Völkerrecht. Während Sheerans verbleibende Tourneetermine anstehen, bleiben Ticketpreise, Rückerstattungen und der Umgang des Veranstalters mit der Besetzung die zentralen Fragen für das Publikum und den Live-Event-Markt.