Mehrere US-Banken haben in dieser Woche personelle und strategische Änderungen angekündigt. State Street beruft Ann Fogarty zur Chief Operating Officer und überträgt Mostapha Tahiri die Leitung von State Street Alpha. Die in Florida ansässige Portrait Bank will am Samstag den Geschäftsbetrieb aufnehmen. Texas Capital Bancshares sucht nach dem Ausscheiden von Chief Risk Officer David Oman einen Nachfolger und plant zugleich, die Erstnotiz seiner Aktien von der Nasdaq an die Texas Stock Exchange zu verlagern. Darüber hinaus vereinbarte Gateway First Bank die Übernahme von Colonial Savings, während U.S. Century Bank Lesner Castillo mit einem erweiterten Verantwortungsbereich für Finanzen und Treasury betraute.
State Street trennt operative Führung von Plattformgeschäft
Die in Boston ansässige Verwahrstellenbank State Street hat Ann Fogarty zur Chief Operating Officer ernannt. Sie folgt auf Mostapha Tahiri, der das Amt knapp drei Jahre innehatte. Fogarty war zuvor COO des Geschäftsbereichs Investment Services von State Street. In ihrer neuen Funktion verantwortet sie die unternehmensweite Technologie und den operativen Bereich. Zudem soll sie die Modernisierung der Technologie und die Arbeiten rund um künstliche Intelligenz vorantreiben.
Fogarty wird das konzernweite Transformationsprogramm weiterhin gemeinsam mit Finanzvorstand John Woods führen. Sie bleibt Mitglied des Operating Committee und berichtet an Chief Executive Officer Ron O’Hanley. Im Jahr 2025 belegte Fogarty auf einer Rangliste der einflussreichsten Frauen im US-Finanzsektor den 19. Platz.
Tahiri übernimmt künftig als President von State Street Alpha die Verantwortung für die Alpha-Plattform, Charles River Development und weitere Plattformlösungen. State Street hatte die Gründung von Alpha und den damit verbundenen Softwaregeschäften Anfang dieses Jahres angekündigt. Die Personalentscheidungen trennen die Zuständigkeit für den operativen Betrieb stärker vom Plattformgeschäft. Damit gewinnt die Steuerung von Technologie, Daten und Systemen für das Wertpapier- und Investment-Service-Geschäft weiter an Gewicht.
Portrait Bank steht vor dem Start in Florida
Die Portrait Bank mit Sitz und Schwerpunkt in Zentralflorida soll am Samstag ihren Geschäftsbetrieb aufnehmen. Damit wäre sie die achte neu zugelassene Bank, die 2026 in den USA den Betrieb startet. Erik Weiner wird als President und Chief Executive Officer an der Spitze des Instituts stehen.
Weiner erklärte, der Markt im Großraum Orlando wachse, biete Unternehmen und Privatkunden aus der Region jedoch vergleichsweise wenige Bankoptionen. Daraus ergebe sich Raum für eine neue Regionalbank. Der Start von Portrait fällt in eine Phase, in der die Zahl neu gegründeter Banken in den USA wieder zunimmt.
Bis zum 5. August hatte das Office of the Comptroller of the Currency im Jahr 2026 die Anträge für 14 neue Banklizenzen genehmigt. Das ist der höchste Wert seit 2008, als im Gesamtjahr 28 neue Banken eine Genehmigung erhielten. Die Entwicklung zeigt die Nachfrage nach Bankdienstleistungen in einzelnen lokalen Märkten. Nach der Zulassung müssen neue Institute jedoch weiterhin ihre Abläufe, Kapitalausstattung und Kundengewinnung aufbauen.
Texas Capital sucht neuen Risiko-Chef
Die in Dallas ansässige Texas Capital Bancshares hat nach dem Ausscheiden von David Oman in dieser Woche die Suche nach einem neuen Chief Risk Officer aufgenommen. Oman hatte die Funktion rund zwei Jahre ausgeübt. In einer regulatorischen Mitteilung erklärte das Unternehmen, sein Ausscheiden stehe weder mit einem Streit noch mit einer Meinungsverschiedenheit in Zusammenhang. Es betreffe auch nicht die Finanzlage, die internen Kontrollen, die Kontrollen der Finanzberichterstattung und sonstigen Offenlegung oder das unternehmensweite Risikomanagement.
Bis zur dauerhaften Besetzung übernimmt Chief Credit Officer David Youngberg interimistisch die Aufgaben des Risiko-Chefs. Texas Capital prüft interne und externe Kandidaten; auch Youngberg gehört zu den möglichen Bewerbern.
Oman war im Juni 2024 zu Texas Capital gekommen. Er berichtete direkt an CEO Rob Holmes und war Mitglied des Führungsteams der Bank. Zuvor hatte er als Managing Director im Bereich Financial Risk von PwC gearbeitet. Der Wechsel an der Spitze des Risikomanagements erfolgt parallel zu den geplanten Änderungen beim Börsenplatz und rückt die Verteilung der Überwachungs- und Managementaufgaben erneut in den Fokus.
Texas Capital plant Wechsel an die Texas Stock Exchange
Texas Capital Bancshares will die Erstnotiz seiner Stamm- und Vorzugsaktien von der Nasdaq an die neu gegründete Texas Stock Exchange verlegen. Der Handel als an der TXSE gelistetes Unternehmen soll voraussichtlich am 8. Oktober beginnen, zunächst unter den bestehenden Tickersymbolen. Am 9. November sollen die Ticker geändert werden.
Texas Capital wäre damit die zweite Bank, die den Wechsel ihres primären Börsenplatzes ankündigt. Origin Bancorp aus Ruston im US-Bundesstaat Louisiana erklärte in dieser Woche, seine Aktien von der New York Stock Exchange an die TXSE zu übertragen. Der erste Handelstag dort soll voraussichtlich der 13. Oktober sein.
Texas Capital hatte kürzlich bereits einen auf den texanischen Markt ausgerichteten börsengehandelten Fonds von der New York Stock Exchange an die TXSE verlagert. Außerdem will das Unternehmen erneut die Zustimmung der Aktionäre einholen, um den Sitz der Gesellschaft von Delaware nach Texas zu verlegen. Sollten diese Pläne umgesetzt werden, würde sich die Verbindung zum texanischen Markt über den Aktienhandel, die Fondsprodukte und den Unternehmenssitz weiter verstärken.
Gateway First übernimmt Colonial Savings
Die Gateway First Bank aus Jenks im Bundesstaat Oklahoma mit einer Bilanzsumme von rund 2 Milliarden US-Dollar hat die Übernahme der texanischen Colonial Savings vereinbart. Durch die Transaktion würden sechs Filialen von Colonial im Großraum Fort Worth hinzukommen. Zugleich würde Gateway First seine Präsenz in Texas ausbauen.
Beide Institute sind stark im Hypothekengeschäft aktiv. Gateway First betreibt derzeit elf Filialen sowie mehr als 60 Standorte für die Vergabe von Hypothekendarlehen in den USA. Gateway-First-CEO Kyle Hubbard und Jim DuBose, President und CEO von Colonial Savings, erklärten, die Zusammenführung solle auf Kundenbeziehungen, Vertrauen und Entscheidungen vor Ort ausgerichtet sein.
Der Abschluss der Transaktion wird für das erste Quartal 2027 erwartet. Voraussetzung sind die Genehmigung durch die zuständigen Aufsichtsbehörden und die üblichen Vollzugsbedingungen. Für Gateway First bedeutet die Übernahme nicht nur mehr als sechs zusätzliche stationäre Standorte. Sie erweitert auch den Kundenstamm und die Plattform für Hypothekendarlehen im Markt von Fort Worth.
U.S. Century Bank erweitert Zuständigkeit von Lesner Castillo
U.S. Century Bank hat Lesner Castillo zum Senior Vice President mit Verantwortung für Finanzen und Treasury befördert. In seiner erweiterten Funktion wird Castillo die Bereiche Finanzen und Rechnungswesen führen und zugleich den Treasury-Bereich weiter verantworten.
Zuvor war Castillo als Senior Vice President und Treasurer tätig. In dieser Funktion beriet er das Management und den Verwaltungsrat zu Bilanzsteuerung, Kapitalplanung, Liquidität und Zinsrisiken. Außerdem war er am Börsengang der Bank im Jahr 2021 und an der anschließenden Rekapitalisierung beteiligt, aus der USCB Financial Holdings hervorging.
Finanzvorstand Rob Anderson erklärte, die Beförderung spiegele Castillos Führungsqualitäten, seine Finanzexpertise und seinen Beitrag zur Entwicklung der Bank wider. U.S. Century Bank wurde 2002 gegründet und zählt zu den größeren Regionalbanken mit Sitz in Miami und Geschäftstätigkeit in Florida.