US-Aktien haben eine volatile Woche am Freitag uneinheitlich beendet. Steigende Ölpreise und höhere Renditen von US-Staatsanleihen belasteten weiterhin die Risikobereitschaft. Alle drei großen Indizes und sämtliche Sektoren lagen im Handelsverlauf zeitweise im Minus. Technologie-, Industrie-, zyklische Konsum- und Finanzwerte drehten jedoch vor Handelsschluss ins Plus.
Der Nasdaq Composite gewann 0,4 % auf 26.522 Punkte. Der S&P 500 legte 0,2 % auf 7.650 Punkte zu. Der Dow Jones Industrial Average gab dagegen 0,2 % auf 51.682 Punkte nach und verzeichnete damit die dritte Verlustwoche in Folge.
Die Märkte verarbeiten weiterhin die Zinserhöhung der US-Notenbank um 25 Basispunkte nach ihrer September-Sitzung. Es war die erste Zinserhöhung der Federal Reserve seit 2023. Entsprechend richten Anleger den Blick auf die Inflation, die Finanzierungskosten und den weiteren geldpolitischen Kurs.
Ölpreise und Treasury-Renditen bleiben zentrale Markttreiber
Matt Maley, Chefstratege bei Miller Tabak, erklärte, die fundamentalen Rahmenbedingungen hätten sich noch nicht ausreichend verändert, um Anleger von einem deutlichen Rückgang der Ölpreise oder einem substanziellen Rückgang der mittelfristigen Renditen zu überzeugen. Energiepreise und Anleiherenditen bleiben damit wichtige Variablen für die Bewertung von Aktien.
Der Terminkontrakt auf West Texas Intermediate zur Lieferung im Folgemonat eröffnete bei 101,96 US-Dollar je Barrel, erreichte im Tagesverlauf ein Hoch von 98,01 US-Dollar und fiel schließlich um 1,6 % auf 95,68 US-Dollar. Rohöl notiert damit weiterhin auf erhöhtem Niveau. Das schürt die Sorge, dass hohe Energiekosten den Inflationsdruck verlängern und den Spielraum für eine Änderung des geldpolitischen Kurses begrenzen könnten.
Die Renditen von US-Staatsanleihen stiegen über die gesamte Laufzeitenkurve. Die Rendite zehnjähriger Treasuries erhöhte sich um 5,9 Basispunkte auf 5,006 % und lag damit wieder über der Marke von 5 %. Die zweijährige Rendite stieg um 7,0 Basispunkte auf 4,760 %, die Rendite 30-jähriger Anleihen um 3,7 Basispunkte auf 5,333 %.
Höhere Renditen verteuern die Finanzierung für Unternehmen und Verbraucher. Zugleich können sie die Aktienbewertungen unter Druck setzen, insbesondere bei wachstumsorientierten Titeln, die stärker auf Zinsveränderungen reagieren.
Die FedWatch-Daten der CME zeigten, dass die Märkte eine Wahrscheinlichkeit von 55,4 % für eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte nach der Sitzung des Offenmarktausschusses am 28. und 29. Oktober einpreisten. Bis dahin werden Anleger insbesondere die Inflationsdaten, die Lage am Arbeitsmarkt und den Einfluss der Ölpreise auf die Einschätzung der Federal Reserve beobachten.
Wells-Fargo-Abstufung belastet Netflix
Netflix (NFLX) gehörte am Freitag zu den schwächsten S&P-500-Werten. Die Aktie verlor 4,7 %. Wells-Fargo-Analyst Steven Cahall stufte den Streamingkonzern von „Equal Weight“ auf „Underweight“ herab und senkte sein Kursziel für die kommenden zwölf Monate von 80 auf 57 US-Dollar.
Netflix hatte im vergangenen November einen Aktiensplit im Verhältnis 10 zu 1 durchgeführt. Cahalls neues Kursziel ließ ausgehend vom Schlusskurs am Mittwoch noch einen möglichen Rückgang von etwa 25 % erwarten. Der Analyst verwies auf bedenkliche Entwicklungen beim Nutzerengagement und argumentierte, Netflix fehle derzeit eine Eigenproduktion mit breiter kultureller Wirkung. Diese Probleme würden sich seiner Einschätzung nach zunehmend in der Geschäftsentwicklung und in den Markterwartungen zeigen.
Netflix müsse einen herausragenden Erfolg mit klarer Reichweite erzielen, um die Entwicklung der Aktie zu verbessern, erklärte Cahall. Zugleich verglich er Netflix mit Walt Disney. Bei Disney seien die Ergebnisse im Bereich der Content-Produktion zuletzt sichtbarer gewesen; zudem verfüge der Konzern über ein stärker inhaltsgetriebenes Geschäftsprofil.
Nach Einschätzung des Analysten stehen dem Netflix-Management mehrere Optionen offen. Dazu gehören höhere Investitionen, ein größerer Mitteleinsatz für Eigenproduktionen oder zusätzliche Übernahmen aus der Bilanz heraus. Netflix hatte zuvor den Zuschlag für Warner Bros. Discovery an Paramount Skydance verloren. Dadurch richtet sich die Aufmerksamkeit verstärkt darauf, wie der Streamingkonzern seine Inhalte künftig ausbauen will.
Die Aktien von Walt Disney gaben am Freitag um 2,6 % nach. Warner Bros. Discovery verloren 1,6 %, Paramount Skydance fielen um 3,9 %.
Berkshire konkretisiert Nachfolge von Buffett
Die Aktien von Berkshire Hathaway (BRK.B) erholten sich nach anfänglichen Verlusten und schlossen am Freitag 0,1 % höher. Das Unternehmen legte weitere Einzelheiten zu seiner künftigen Governance-Struktur nach dem geplanten Ausscheiden Warren Buffetts als Verwaltungsratschef vor.
Nach Abschluss des Übergangs soll Buffett den Titel des Chairman Emeritus tragen und Mitglied des Verwaltungsrats bleiben. In einem Brief an die Aktionäre schrieb er, nun sei der richtige Zeitpunkt gekommen, den Führungswechsel abzuschließen.
Der Prozess hatte im Januar begonnen, als Greg Abel den Posten des Chief Executive Officer übernahm. Abel war 2021 als Nachfolger Buffetts bestimmt worden und trat 2022 erstmals gemeinsam mit Buffett und Charlie Munger bei der jährlichen Hauptversammlung von Berkshire auf.
Buffett bleibt mit einem Anteil im Wert von rund 145 Mrd. US-Dollar größter Aktionär von Berkshire. Er erklärte, Abel treffe seit geraumer Zeit die wichtigsten Entscheidungen des Unternehmens. Er selbst müsse diese Entscheidungen daher nicht mehr wiederholt überprüfen.
Buffetts Sohn Howard Buffett soll Verwaltungsratschef werden. Er gehört dem Berkshire-Verwaltungsrat seit 33 Jahren an. Warren Buffett unterschied in seinem Brief klar zwischen den Aufgaben: Greg Abel soll das Unternehmen führen, während Howard Buffett für den Erhalt der Unternehmenskultur und der Werte zuständig sein wird.
Für Anleger bleiben damit die Kapitalallokation von Berkshire, die Investmentdisziplin und der Governance-Stil zentrale Beobachtungspunkte, sobald die neue Führungsstruktur wirksam wird.