Verlängerung der Lieferkette und Schätzung des Versorgungslückes
Der Einfluss des Nahostkriegs auf den Aluminiummarkt hat sich von stimmungsmäßigen Reaktionen hin zu echter Kapazitätszerstörung entwickelt. Eine Analyse der Natixis zeigt, dass das Ausmaß der Schäden an den Anlagen von EGA und Aluminium Bahrain die Erwartungen übertrifft, was möglicherweise dazu führt, dass das globale Aluminiummarkt-Gleichgewicht bis 2027 nicht wiederhergestellt werden kann. Da das Schmelzen von Aluminium ein kontinuierlicher Produktionsprozess ist, führen Stromausfälle oder physische Schäden, die zur Schließung der Schmelzlinien führen, oft zu hohen Neustartkosten und monatelangen Wiederanlaufzyklen. Derzeit hat Aluminium Bahrain fast ein Fünftel seiner Kapazitäten heruntergefahren. Sollten die Schadensbewertungen weiter verschärft werden, könnte der globale Aluminiummarkt vor der größten Defizitbelastung seit Anfang dieses Jahrhunderts stehen.
Anstieg der Energiekosten und regionaler Aufschläge
Da die Aluminiumproduktion eine energieintensive Industrie ist, zerstört der Krieg im Nahen Osten nicht nur direkt Kapazitäten, sondern erhöht zudem die Kosten für regionales Erdgas und Strom, was den Preisrichtwert für Primäraluminium von der Kostenseite her in die Höhe treibt. Mit der Behinderung der Exportrouten in der Persischen Golfregion werden bestehende Handelsströme gezwungen, sich neu zu strukturieren. Käufer aus Japan und Südostasien suchen verstärkt nach alternativen Quellen, was dazu führt, dass die Exportaufträge aus China, dem weltweit größten Produzenten, signifikant zunehmen. Diese grenzüberschreitenden Prämienfluktuationen übertragen sich schrittweise auf die Endkundenindustrien Automobil, Verpackung und Luft- und Raumfahrt.
Globale Bestände und Ersatzstrategien
Nach einem zweijährigen Bestandsabbau befindet sich der globale LME-Aluminiumbestand derzeit auf einem relativ niedrigen historischen Niveau. Vor diesem Hintergrund und mit fehlenden Lagerbeständen als Puffer wird der Überlaufeffekt des Nahostkonflikts potenziert. Britannia Global Markets warnt, dass wenn die Konflikte eskalieren und Anlagen in Saudi-Arabien oder Katar betroffen sind, die Aluminiumpreise in einen Bereich extremer Volatilität eintreten könnten. Kurzfristig könnten nachgelagerte Verarbeiter gezwungen sein, auf Recyclingaluminium oder alternative Lieferquellen zurückzugreifen. Angesichts des millionentonnenweiten Primäraluminium-Kapazitätsdefizits sind die Absicherungseffekte dieser Maßnahmen jedoch begrenzt.