Die Ölpreise sind am Montag im Asienhandel gesunken. Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung im Iran-Konflikt milderten die Sorge vor weiteren Lieferausfällen. Nach kräftigen Anstiegen in den vergangenen Handelstagen nutzten einige Anleger das Wochenende ohne größere Eskalation, um Gewinne mitzunehmen. Für die Energiemärkte bleiben die Verhandlungen und die Frage entscheidend, wann der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus wieder normal läuft.
Öl gibt nach kräftigem Monatsplus nach
Am Sonntag um 20.16 Uhr US-Ostküstenzeit (Montag 01.16 Uhr GMT) notierten Kontrakte zur Lieferung im Januar 1,8 Prozent niedriger bei 111,43 US-Dollar je Barrel. Ein weiterer Rohölkontrakt verlor 2 Prozent auf 102,04 US-Dollar je Barrel. Beide Kontrakte hatten im Oktober nahezu 15 Prozent zugelegt. Der Rückgang am Montag folgt damit auf einen deutlichen Monatsanstieg.
Die Preise waren über mehrere Handelstage gestiegen, weil der Konflikt die Rohölexporte und den Transport beeinträchtigen könnte. Da es am Wochenende keine größere Eskalation gab und die Gespräche weiterliefen, ließ ein Teil der kurzfristigen Risikoprämie nach. Das Risiko von Lieferunterbrechungen ist damit jedoch nicht verschwunden.
Iran-Gespräche und US-Wahl im Blick
US-Präsident Donald Trump sagte dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu am Samstag in einem Telefonat, er wolle den diplomatischen Bemühungen mehr Zeit geben, bevor er über eine Wiederaufnahme militärischer Maßnahmen entscheide. Netanjahu sprach sich dagegen dafür aus, US-Angriffe kurz nach den US-Zwischenwahlen wieder aufzunehmen. Die unterschiedlichen Vorstellungen zum Zeitpunkt halten die Gespräche und die politische Entwicklung nach der Wahl im Fokus der Märkte.
Iranische und katarische Vertreter führten den dritten Tag in Folge Gespräche, um zu einem Ende des Konflikts beizutragen. Teheran erklärte, weiterhin für eine diplomatische Lösung offen zu sein und sich zugleich auf die Verteidigung vorzubereiten. Katar vermittelt bei den Bemühungen, die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Fortschritte könnten den unmittelbaren Versorgungsdruck mindern; ein Scheitern der Gespräche könnte dagegen eine erneute Eskalation nach sich ziehen.
Schiffsverkehr durch Hormus verteuert den Transport
Die Straße von Hormus ist eine zentrale Route für den globalen Energiehandel. Angriffe auf Tanker und Beschränkungen iranischer Ölexporte haben die Kosten für Transport und Versicherung steigen lassen. Selbst bei einer Einigung hängt es davon ab, wie schnell Schiffe die Meerenge wieder passieren und die Rohölexporte zum Normalbetrieb zurückkehren. Erst dann dürfte sich zeigen, wie rasch die Versorgungssorgen nachlassen.
Unterdessen beschloss die OPEC+, ihr Förderziel für Dezember unverändert zu lassen. Solange der Konflikt die Exporte beeinträchtigt, wird eine weitere Anpassung der Förderpolitik erst im kommenden Jahr erwartet. Analysten warnten, der Brent-Preis könne sich 120 US-Dollar je Barrel nähern, falls die Verhandlungen scheitern und sich die Lage nach den US-Zwischenwahlen zuspitzt. Das ist ein mögliches Szenario, das von der diplomatischen Entwicklung und der Versorgungslage abhängt – nicht der aktuelle Marktpreis.