SK Hynix rechnet damit, dass die Nachfrage nach Speicherchips bis 2030 das Angebot übersteigt. Als Gründe nennt der südkoreanische Konzern die wachsende Schwierigkeit der fortgeschrittenen Fertigung und die langen Vorlaufzeiten für neue Fabriken. Die Einschätzung folgte auf Rekordergebnisse im dritten Quartal Ende Oktober. Micron gibt keine Prognose für das Marktgleichgewicht bis 2030 ab, hat aber mehrjährige Kundenverträge mit Laufzeiten bis 2031. Hohe Bestellungen und Gewinne sprechen für eine starke Nachfrage. Die ausgeprägten Zyklen der Speicherbranche und ein nachlassendes Gewinnwachstum lassen die längerfristige Entwicklung jedoch offen.
SK Hynix hat mehr als die Hälfte der Kapazität für 2027 und 2028 verplant
Der Umsatz von SK Hynix überschritt im dritten Quartal erstmals 100 Billionen Won und erreichte rund 104,6 Billionen Won. Das entspricht einem Anstieg von 328 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der operative Gewinn legte um 632 Prozent auf rund 83,3 Billionen Won zu; die operative Marge betrug 80 Prozent. Der Konzern teilte mit, langfristige Vereinbarungen mit 14 großen Kunden abgeschlossen zu haben, darunter führende Cloud-Anbieter. Die Bestellungen decken mehr als die Hälfte der gesamten Produktionskapazität für 2027 und 2028 ab. Ende Juli hatten etwa zehn Kunden solche Vereinbarungen unterzeichnet.
Der Umsatz stieg von rund 52,6 Billionen Won im ersten Quartal auf 79,3 Billionen im zweiten und 104,6 Billionen im dritten Quartal. Das Wachstum gegenüber dem jeweiligen Vorquartal schwächte sich allerdings ab: beim Umsatz von 51 auf 32 Prozent, beim operativen Gewinn von 61 auf 38 Prozent. Für 2026 plant SK Hynix, über Dividenden und Aktienrückkäufe rund 100 Billionen Won an die Aktionäre zurückzugeben. Zum Ende des dritten Quartals verfügte das Unternehmen über eine Nettoliquidität von 98,7 Billionen Won.
Für die Aktie nennt der Artikel zwei unterschiedliche Kursstände: Am 30. Oktober wurden die an der Nasdaq notierten SK-Hynix-Aktien mit 149,21 US-Dollar angegeben; eine separate Schätzung zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag bei etwa 162 US-Dollar. Letzterer Kurs entspricht ungefähr dem Vier- bis Fünffachen des von Analysten erwarteten Gewinns für das Geschäftsjahr 2027. Das niedrige Verhältnis könnte darauf hindeuten, dass Anleger die aktuellen Gewinne nicht für dauerhaft halten. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, wie lange das Angebot knapp bleiben wird.
Microns Verträge decken mehr als 35 Prozent des Umsatzes ab
Das Management von Micron erwartet, dass das Speicherangebot in den Kalenderjahren 2027 und 2028 hinter der Nachfrage zurückbleibt und die Lage angespannter sein wird als 2026. Wann Angebot und Nachfrage danach wieder ins Gleichgewicht kommen, könne das Unternehmen derzeit nicht einschätzen. Micron hat 26 strategische Kundenvereinbarungen abgeschlossen, darunter mehrjährige Take-or-pay-Verträge. Dabei müssen Kunden die vereinbarten Mengen bezahlen, auch wenn sie die Ware nicht abnehmen.
Nach Schätzung von Micron decken die Vereinbarungen bis 2030 mehr als 35 Prozent des Umsatzes ab; einige Verträge laufen bis 2031. Die Kunden haben für ihre Verpflichtungen finanzielle Sicherheiten von rund 32 Milliarden US-Dollar gestellt, überwiegend in Form von Bareinlagen. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das am 3. September endete, stieg der Umsatz auf 54,2 Milliarden US-Dollar nach 11,3 Milliarden ein Jahr zuvor. Die operative Marge erhöhte sich von 32 auf rund 81 Prozent. Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 stellte Micron einen Umsatz von etwa 61,5 Milliarden US-Dollar in Aussicht – ein Rekordwert. Das entspräche einem sequenziellen Wachstum von rund 13 Prozent und damit weniger als dem Plus von 31 Prozent im Vorquartal.
Auch für Micron werden zwei Kursangaben genannt: 884,74 US-Dollar am 30. Oktober und eine separate Schätzung von etwa 972 US-Dollar zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Der zweite Wert entspricht ungefähr dem 5,5-Fachen des von Analysten prognostizierten Gewinns für das Geschäftsjahr 2027. Microns Geschäftsjahr 2027 begann im September.
Frühere Branchenzyklen zeigen das Rückschlagrisiko
Langfristige Abnahmeverträge schließen starke Schwankungen bei Speicherpreisen und Gewinnen nicht aus. Mit Blick auf 2018 erklärte SK Hynix, die Nachfrage habe sich in der zweiten Jahreshälfte abgeschwächt und der Markt sei rasch gekippt. Damit endete die damalige Angebotsknappheit. Der operative Gewinn des Konzerns sank im Folgejahr um rund 87 Prozent von 20,8 Billionen Won auf 2,7 Billionen Won. Die operative Marge hatte 2018 bei 52 Prozent gelegen und damit deutlich unter den 80 Prozent des jüngsten Quartals. Das verdeutlicht, wie stark sich die Gewinne verändern können, wenn die Margen von ihrem aktuellen Niveau zurückgehen.
Microns Nettogewinn erreichte im Geschäftsjahr 2018 mit 14,1 Milliarden US-Dollar einen Rekord. Dennoch fiel die Aktie vom Schlusskurshoch Ende Mai bis zum Tief im Dezember um rund 54 Prozent. Zugleich soll in den kommenden Jahren neue Produktionskapazität hinzukommen. Micron erwartet, dass die Waferproduktion in seinem zweiten Werk im US-Bundesstaat Idaho Ende 2028 beginnt. Die erste Fabrik im Bundesstaat New York soll 2030 anlaufen. Beide Termine liegen in der späteren Phase des von SK Hynix erwarteten Knappheitszeitraums. Kundenverträge schaffen mehr Sichtbarkeit bei der Nachfrage; das nachlassende Gewinnwachstum, frühere Branchenzyklen und die zusätzlichen Kapazitäten bleiben jedoch entscheidende Faktoren.