
In letzter Zeit zeigt der Silberpreis eine „unvernünftige“ Entwicklung. In nur wenigen Wochen stiegen die Preise auf ein Niveau, das sonst oft eine längere Zeit benötigt, um erreicht zu werden, und die Marktvolatilität hat deutlich zugenommen. Die Bank of America (BofA) äußert in ihrer jüngsten Einschätzung: Der aktuelle Silberpreis liegt erheblich über den Fundamentaldaten, aber wenn weiter Gelder von Privatanlegern einfließen, könnte der Preis in einem extremen Szenario weiterhin steigen.
Warum „beschleunigt“ sich der Preis plötzlich: Wichtige Variable ist die erhöhte Beteiligung von Privatanlegern
BofA sieht diese Aufwärtsbewegung als anders an als traditionell durch institutionelle Futures-Positionen getriebene Märkte: Die nichtkommerzielle Netto-Futures-Positionierung ist zurückgegangen, wodurch eher der Einfluss von Privatanlegern spürbar wird. Aufgrund der veränderten Teilnehmerstruktur hat sich die Interaktion von Silber mit anderen Edelmetallen und dem breiteren Rohstoffmarkt abgeschwächt, was zu einer „schnellen Aufwärtsbewegung mit geringen Rücksetzern“ führt.
Gleichzeitig trägt die zunehmende globale Risikoflüchtlingstendenz zur Dynamik bei. Ein Bericht von Reuters zeigt, dass Gold auf ein neues Allzeithoch steigt und Silber nahe rekordhohen Niveaus handelt, was zeigt, dass das Interesse an Edelmetallanlagen weiterhin hoch ist.
BofAs Kernmeinung: Aktuelle Preise weichen von den Fundamentaldaten ab, aber Volatilität könnte zunehmen
Laut dem Bewertungsmodell von BofA liegt der „fundamentale faire Preis“ bei etwa 60 US-Dollar pro Unze, was deutlich unter dem derzeitigen Marktniveau liegt. Die Bank betont, dass zusammen mit dem Preisanstieg auch die realisierte Volatilität stark gestiegen ist; historische Daten deuten oft auf ein höheres Rücksetzungsrisiko, aber die bisherige Anpassung war gering, was eine weitere Erhöhung der Volatilität nahelegt.
BofA hebt auch die Bedeutung der Anlegersentiment-Erzählung hervor: Die Kaufmotive für Silber speisen sich zunehmend aus Sorgen um das Fiat-Währungssystem und der Erzählung von „realen Vermögenswerten/eigentlichem Geld“, anstatt nur aus industriellem Bedarf oder dem Dollar-Zyklus.
Wie „170 US-Dollar/Unze“ auftreten können: Erfordert eine anhaltende Flut von Mitteln
Die von BofA genannten 170 US-Dollar sind kein Basisszenario, sondern eine Eventualität: Wenn Privatanleger weiterhin so schnell wie in einem früheren Stadium (Bericht verweist auf das dritte Quartal 2025) ihre Positionen ausbauen, könnte allein der Kapitalzufluss das Potenzial eines weiteren Preissprungs erklären. Mit anderen Worten, dies ist ein „kapitalgetriebener > fundamentaldatengetriebener“ Weg, aber die Schwelle ist hoch und die Nachhaltigkeit ungewiss.
Ähnliche Signale einer „hohen Privatanlegerpartizipation“ sind auch in anderen Umfragen zu sehen. Eine Umfrage von Kitco unter Privatanlegern ergab, dass die Mehrheit erwartet, dass der Silberpreis über 100 US-Dollar steigen wird, was das Trendverhalten und die Beweglichkeit verstärken könnte.
Was der Markt als Nächstes beobachtet: Kapitalströme, Rücksetzungsintensität und „Alternativanlage-Erzählung“
Kurzfristig wird die Stärke von Silber nicht nur vom Dollar oder Konjunkturdaten abhängen, sondern maßgeblich von der Fortdauer der Kapitalströme durch Privatanleger, der Intensität möglicher Rücksetzer und der Frage, ob die Anziehungskraft von Edelmetallen in der „Anti-Währungsunsicherheits-Erzählung“ über Alternativen wie Kryptowährungen und Stablecoins hinausgeht. Die Schlussfolgerung von BofA lautet: Silber als „nicht-digitaler, greifbarer Wertspeicher“ bleibt für Privatanleger attraktiv, was die Anfälligkeit des Marktes für Stimmungsumschwünge erhöht.
