Berichtspunkte: Ölpreise schwächeln, Investitionsplan bleibt "aufwärtsgerichtet"
In ihrem neuesten Bericht gibt S&P Global die Einschätzung ab, dass die Gesamtkapitalausgaben der nationalen Ölgesellschaften (NOCs) der Golfkooperationsstaaten (GCC) weiterhin steigen werden. Schätzungen zeigen, dass die gesamten Investitionen von rund 110-115 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf jährlich 115-125 Milliarden US-Dollar in den Jahren 2025-2027 ansteigen könnten.
Der Bericht betont auch, dass selbst bei einem leichten Rückgang der Ölpreise, der den Cashflow belastet, die Kreditratings der meisten Unternehmen widerstandsfähig bleiben. Dies wird durch stabile Nachfrageprognosen und die Fortschrittsgeschwindigkeit von Projekten unterstützt.
Wachstumstreiber: Kapazitätserweiterung, Wartung und die "zweite Gaskurve"
In seinen Analysen führt der Bericht den Anstieg der Kapitalausgaben hauptsächlich auf drei Linien zurück:
- Die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar treiben die Kapazitätserweiterung voran;
- Saudi-Arabien sieht die Instandhaltung der Kapazitäten als wichtigen Ausgabenschwerpunkt;
- Innerhalb der Öl- und Gasstruktur wird der Anteil der Investitionen in Gas und LNG erhöht, zudem wird die Expansion im Ausland intensiviert.
Konkret plant ADNOC, die tägliche Produktionskapazität bis 2027 auf 5 Millionen Barrel zu erhöhen; quatarischen Energie plant, die LNG-Kapazität schrittweise durch die Erweiterung des Nordfeldes zu steigern.
Im Vergleich zu internationalen Ölunternehmen: Eine Seite "schrumpft", die andere "verstärkt sich"
Der Bericht stellt fest, dass in den letzten 12 bis 18 Monaten einige internationale Ölunternehmen ihre Kapitalausgabenvorgaben allgemein gesenkt haben, um zwischen Cashflow und Rendite an Aktionäre/finanzieller Disziplin ein neues Gleichgewicht zu finden. Die Investitionsstrategie der GCC-Staatsölunternehmen ist hingegen antizyklischer.
Das bedeutet jedoch nicht bedingungslose Expansion. Laut S&P Global gehen die GCC-Staatsölunternehmen bei hoher Ausgabendichte vorsichtiger vor, indem sie Projektpriorisierungen und Tempo stärker kontrollieren.
Kapitalfluss: Upstream bleibt das Kerngeschäft, Übersee- und Handelsketten gleichzeitig verlängert
S&P Global erwartet dass mehr als die Hälfte der Kapitalausgaben der GCC-Staatsölunternehmen weiterhin in den Upstream-Bereich (Exploration und Produktion) fließen wird, wobei Kapazitätserweiterungen im Mittelpunkt stehen.
Gleichzeitig expandieren die internationalen Assets und das Gasportfolio zunehmend. Der Bericht erwähnt, dass XRG, eine Tochtergesellschaft von ADNOC, bis 2025 eine 10-prozentige Beteiligung am Block 4 in Mosambik für etwa 881 Millionen US-Dollar erwerben wird. Quatarische Energie ist auch in Afrika und Südamerika auf Ansammlung und Erwerb von Beteiligungen fokussiert.
Diese Aktionen zielen darauf ab, die LNG- und Handelsgeschäftsaktivitäten umfassend auszubauen und die Zuverlässigkeit der Rohstoffversorgung von der Erzeugung bis zur Distribution zu stärken und zu integrieren.
Interpretation der Auswirkungen: Ölservice-Boom, LNG-Angebot und Kreditbewertung müssen "Fundamente" neu kalibrieren
Für den Markt bietet diese Prognose mindestens drei Erkenntnisse:
- Ölservice- und Ingenieurlinien: Sollte das jährliche Ausgabenniveau von 115 bis 125 Milliarden US-Dollar Bestand haben, bleibt die Grundlage im Nahen Osten für Ölservices, EPC und Aufträge stabil, aber das Tempo wird projektorientierter als auf einen Gesamtschub hin ausgerichtet sein.
- LNG-Angebotskurve: Die gesteigerten Investitionen Katars und ADNOCs in Gas/LNG implizieren, dass das globale LNG-Angebot in den kommenden Jahren hauptsächlich um den Nahen Osten herum expandieren und preislich gesteuert wird.
- Kredit- und Finanzpolster: Investitionspläne während einer Phase mit Druck auf die Ölpreise beizubehalten, wird oft als ein "Vertrauenssymbol in die Finanz- und Finanzierungskapazitäten" gedeutet, was auch die Art und Weise beeinflusst, wie externe Investoren die Spreads von Souverän- und Unternehmenskrediten verankern.