- Vorläufige Daten des S&P Global Einkaufsmanagerindex (PMI) zeigen, dass der umfassende Aktivitätsindex der Eurozone durch die von den Konflikten im Nahen Osten ausgelösten Energieerschütterungen von 50,7 im März signifikant auf 48,6 im April gefallen ist. Dies liegt unter der Wachstumsschwelle, und der Inputpreisindex stieg von 68,9 stark auf 76,9 an.
- Angesichts potenzieller Risiken für die Unterbrechung der Lieferketten zeigen sich in der Fertigungsindustrie von Japan, Indien und anderen Regionen deutliche Anzeichen von vorgezogener Produktion, wobei die Produktionsleistung japanischer Fabriken die größte Expansionsrate seit Februar 2014 verzeichnete, was auf eine bemerkenswerte defensive Vorratshaltung hindeutet.
- Das globale makroökonomische Umfeld zeigt extreme Divergenzen: Während traditionelle Fertigungs- und Dienstleistungssektoren unter Druck stehen, demonstrieren Technologie- und Finanzsektoren antizyklische Merkmale. Die London Stock Exchange Group (LSEG:LN) profitiert von einem Anstieg der Handelsaktivitäten, was die Aktienkurse um 2,20 % steigen ließ.
Energieschocks prägen die weltwirtschaftliche Stimmung neu
Mit der andauernden Eskalation der Konflikte in der Straße von Hormus und dem weiteren Nahen Osten steht die globale Wirtschaft unter einem direkten Energieangebotsschock. Die neuesten PMI-Daten von S&P Global zeichnen das Bild dieser schädigenden Auswirkungen auf die makroökonomische Aktivität. Die Eurozone, als wirtschaftliches Gebilde mit hoher Energieabhängigkeit, ist hiervon am stärksten betroffen. Der vorläufige umfassende PMI der Eurozone sank im April auf 48,6 und zeigt damit, dass die wirtschaftliche Aktivität wieder in den Schrumpfungsbereich zurückkehrt. Besonders bemerkenswert sind die abrupten Veränderungen bei den Inputkosten: Der Index stieg von 68,9 auf 76,9, was den raschen Anstieg der Preise für Rohöl und damit verbundene Waren verdeutlicht, die sich schnell in Industriekosten verwandeln. Auch der von der Eurozone dominierte Dienstleistungssektorindex konnte sich nicht entziehen und fiel von 50,2 auf 47,4, weit unter den Markterwartungen von 49,8, was zeigt, dass die hohen Energiepreise bereits einen substanziellen Verdrängungseffekt auf die Endverbrauchernachfrage ausüben.
Lieferkettenstörungen lösen defensive vorgezogene Produktion aus
Vor dem Hintergrund steigender Energiekosten führt das Risiko physischer Unterbrechungen in globalen Lieferketten zu veränderten Unternehmensverhaltensweisen. In den Makrodaten zeigt sich ein gegenintuitives Phänomen: In Regionen wie Japan, Indien, Großbritannien und Frankreich wurde kürzlich in der Fertigungsproduktion ein relativ hohes Niveau erreicht. Am Beispiel Japans zeigt sich, dass die Produktionsleistung der Fabriken nicht nur mit der globalen Konjunkturabbrüche nicht mithielt, sondern sogar die stärkste Expansion seit Februar 2014 erlebte. Laut S&P Global ist dieses Phänomen im Wesentlichen auf defensive Maßnahmen von Unternehmen zurückzuführen. Aus Sorge, dass zukünftige Energiekanäle weiterhin gestört oder Rohstofflieferungen ausfallen könnten, führen Unternehmen vorgezogene Produktion („Front-loading“) durch, indem sie vorarbeiten und Vorräte anlegen. Diese kurzzeitige Blüte, die zukünftige Nachfrage auszubremsen droht, ähnelt den Effekten der Exportflut vor Zollanhebungen und bedeutet, dass in den kommenden Quartalen größere Herausforderungen für tatsächliche wirtschaftliche Aktivitäten in Form von Bestandsabbau und Produktionseinbrüchen entstehen könnten.
Technologie- und Finanzsektoren zeigen antizyklische Widerstandsfähigkeit
Während die reale Weltwirtschaft mit Stagnationsdruck zu kämpfen hat, verzeichnen der Technologie- und Finanzsektor an den Kapitalmärkten eine bemerkenswerte Eigenständigkeit. Die anhaltenden Investitionen im Bereich der globalen Künstlichen Intelligenz kompensieren effektiv die zyklische Schwäche der makroökonomischen Lage. Südkorea, beispielsweise, profitierte im letzten Quartal von einem deutlichen Anstieg der Exporte hochleistungsfähiger Speichermodule, was den schnellsten wirtschaftlichen Wachstumsschub seit fast sechs Jahren darstellte. Auch die Finanzbranche findet in der makroökonomischen Unsicherheit neue Möglichkeiten zur Gewinnerzielung. Die komplexer werdenden geopolitischen Entwicklungen haben die implizite Volatilität in verschiedenen Anlageklassen merklich erhöht, was zu einem Anstieg des Handelsvolumens führte. Die London Stock Exchange Group (LSEG) weist auf Grundlage eines historischen Rekords im ersten Quartal einen Jahresumsatzzuwachs an, der die obere Grenze des Prognosebereichs erreichen könnte. Diese strukturelle Divergenz zeigt, dass die gegenwärtige Antriebskraft für weltwirtschaftliches Wachstum stark auf digitale und finanzielle Bereiche abgestimmt ist, während Branchen, die auf traditionelle physische Lieferketten angewiesen sind, vor einer Neubewertung ihrer Werte stehen.
Nachhaltige Wachstumserwartungen und Reassessment der Inflationsbeständigkeit
Die rasche Veränderung des makroökonomischen Umfelds zwingt internationale Institutionen dazu, ihre mittel- bis langfristigen Wirtschaftsprognosen neu zu bewerten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in der vergangenen Woche die weltweiten Wachstumserwartungen auf 3,1 % nach unten korrigiert und warnt davor, dass ein verlängertes Eingreifen in Konflikte das Risiko einer globalen Rezession ansteigen lassen könnte. Die momentan drängendste makroökonomische Variable ist der erneute Anstieg der Inflation. Angesichts steigender Kraftstoffkosten erreichte die Verbraucherpreisinflation in den USA im März einen fast vierjährigen Höchststand, und auch in Großbritannien sowie in der Eurozone zeigt die Gesamtinflation eine Aufwärtstendenz. Obgleich die Kerninflation, die Energie- und Lebensmittelpreise ausschließt, bisher keine ähnliche Erhöhung verzeichnet, wird eine dauerhafte Fixierung hoher Energiepreise zu einer unvermeidlichen Kostenübertragung auf Löhne im Dienstleistungssektor und die Kernpreise führen. Dies wird die wichtigsten Zentralbanken weltweit vor tiefgreifende Dilemmata stellen: In einem wirtschaftlichen Abwärtstrend könnten sie gezwungen sein, restriktive Zinssätze beizubehalten, um die Inflationserwartungen zu verankern.