- Der deutsche Hersteller von Luftfahrtantrieben, MTU Aero Engines (MTX:GR), bestätigte am Mittwoch die Übernahme des in Köln ansässigen Start-ups AeroDesignWorks GmbH. Dies ist ein strategischer Schritt in den Kernmarkt für kleine unbemannte Luftfahrzeuge und Strahltriebwerke für Lenkflugkörper.
- Das Zielunternehmen stammt aus einem Spin-off-Projekt des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und erwirtschaftet derzeit einen Jahresumsatz von etwa 10 Millionen Euro (umgerechnet 11,7 Millionen US-Dollar). Derzeit beträgt der Umsatzanteil des militärischen Geschäfts von MTU weniger als 10%. Das Management erwartet, dass die Integration dieses Segments ein mehrfaches Wachstum fördern könnte.
- Angesichts der prognostizierten systematischen Erhöhung der europäischen Verteidigungsausgaben verzeichneten Aktien aus dem Luftfahrt- und Verteidigungssektor einen deutlichen Anstieg. Der Aktienkurs von MTU stieg um 7,32%, Airbus (AIR:FP) und Boeing (BA:US) legten um 7,80% bzw. 4,02% zu, und Safran (SAF:FP) kletterte um 11,34%.
Erweiterung der Rüstungssparte und Kapazitätsintegration
Durch den Erwerb von AeroDesignWorks, das über ausgereifte Strahltriebwerktechnologien verfügt, schließt MTU eine Produktlücke bei Antriebssystemen für taktische unbemannte Systeme. Derzeit umfasst die Kundenliste von AeroDesignWorks bereits große Verteidigungsauftragsnehmer wie MBDA, Airbus und Boeing. Die eigentliche Herausforderung liegt in der Beschränkung durch die Start-up-Größe, die nicht in der Lage ist, den Anforderungen der Verteidigungsindustrie an Liefertreue und Kapazitätsflexibilität gerecht zu werden. MTU-CEO Johannes Bussmann betonte, dass die erste Aufgabe nach der Übernahme in der Erhöhung der Automatisierung der Produktionslinien, der Erweiterung des Lieferdurchsatzes und der Investition in die Entwicklung von Drohnenantriebssystemen mit einem größeren Schub-Gewichts-Verhältnis besteht. Sollte MTU in der Lage sein, sein Fertigungssystem und seine Finanzkraft nahtlos in diese Start-up-Plattform zu integrieren, könnte der Marktanteil seiner kleinen Strahltriebwerke in den kommenden Geschäftsquartalen sprunghaft steigen.
Neuordnung des europäischen Verteidigungshaushalts und der Wertschätzungen
Der makroökonomische Hintergrund dieser Übernahme liegt in der allmählichen Umsetzung der regulären Erhöhung der Verteidigungsbudgets europäischer Länder. Traditionell lag der Schwerpunkt des Geschäfts von MTU auf der zivilen Flugzeugwartung und der Herstellung von Komponenten für kommerzielle Triebwerke. Der Anteil der militärischen Triebwerke und des Aftermarket-Service an den Gesamteinnahmen ist niedrig (weniger als 10%). Angesichts der Tatsache, dass die Souveränitätssicherheit wieder im Mittelpunkt der europäischen Politik steht, bewertet der Kapitalmarkt Industrie-Riesen mit doppeltem Nutzen, die Technologieübertragungswirkungen aufweisen, neu. Der Eintritt von MTU in den Markt für Drohnenantriebe ist nicht nur eine Ergänzung des derzeitigen Geschäfts mit militärischen Flugzeugen (wie dem Eurofighter und dem Transportflugzeug A400M), sondern entspricht auch dem Bedarf an unbemannten Systemen im Loyal Wingman-Konzept des 6. Generation-Kampfjet-Projekts. Dies liefert institutionellen Investoren eine Basis zur Erhöhung ihrer langfristigen KGV-Bewertungen.
Synergieeffekte in der Luft- und Raumfahrtlieferkette
Die Entwicklung der Antriebstechnologie für unbemannte Systeme zeigt ein paralleles Multitrack-Muster. Derzeit hat MTU über ihre Tochtergesellschaft eMoSys bereits eine Position im Bereich der elektrischen Generatoren für Drohnen-Anwendungen. Doch reine elektrische Antriebssysteme können den strengen Anforderungen an Nutzlastkapazität und Reichweite für taktische Militärdrohnen und große unbemannte Luftfahrzeuge nicht gerecht werden. Durch die Übernahme der Gasturbinentechnologie von AeroDesignWorks entsteht bei MTU ein vollständiges Produktspektrum von leichten Elektroantrieben bis hin zu mittelgroßen Strahltriebwerken. Angesichts der fortwährenden Investitionen von Konkurrenten wie der französischen Safran-Gruppe (SAF:FP) in den Bereich unbemannter Systeme wird die vertikale Integration von MTU in der Lieferkette dazu beitragen, die Entwicklungszyklen von neuer Verteidigungsausrüstung zu verkürzen. Bei technologischen Durchbrüchen in den Bereichen Schubvektorsteuerung und Kraftstoffeffizienz könnte sich die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Bewerbung von MTU in der nächsten Generation europäischer Verteidigungsausschreibungen erheblich erhöhen.