- Die Rendite zweijähriger deutscher Anleihen erreichte 2,6668 % und damit den höchsten Stand seit Anfang April. Die Rendite der zehnjährigen Benchmark stieg synchron um 3,3 Basispunkte auf 3,086 % und spiegelt die schnelle Neubewertung des Kapitals angesichts der jüngsten Veränderungen im makroökonomischen Umfeld wider.
- Die jüngste Umfrage der Europäischen Zentralbank zu den Erwartungen der Verbraucher zeigte, dass sich die Inflationserwartungen für ein und drei Jahre auf 4,0 % bzw. 3,0 % erhöhten, was deutlich von ihrem langfristigen Ziel von 2 % abweicht und Druck auf den Anleihemarkt ausübt.
- Der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der OPEC und die anhaltende Blockade der Straße von Hormus führten zu Unsicherheiten auf der Angebotsseite von Energie, die sich in einer tatsächlichen Inflationsprämie niederschlagen. Der Markt beobachtet derzeit aufmerksam die Richtungsanweisungen der Federal Reserve und der Bank of England in dieser Woche.
Renditekurve und Spread-Dynamik
Der Markt für Staatsanleihen der Eurozone aus Kern- und Peripherieländern war an diesem Handelstag erheblich unter Druck. Die Renditen der deutschen Anleihen, welche als Anker für die risikofreie Zinsgestaltung in der Region dienen, verzeichneten einen deutlichen Anstieg. Am Ende des Handelstages schlossen die zweijährigen deutschen Anleihen bei 2,6446 %, während die zehnjährigen Anleihen bei 3,0718 % lagen. Auch italienische Schuldverschreibungen wurden abgestoßen: Die zweijährige Rendite stieg um 6,4 Basispunkte auf 2,8663 %, die zehnjährige um 4,4 Basispunkte auf 3,8975 %. Der aktuelle Spread zwischen deutschen und italienischen zehnjährigen Anleihen bleibt auf relativ hohem Niveau, was darauf hindeutet, dass der Markt angesichts steigender Inflationserwartungen eine höhere Risikoprämie für Länder mit hoher Schuldenquote verlangt. Sollte die Europäische Zentralbank gezwungen sein, restriktive Zinssätze über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten, könnte der Spread weiter unter Druck geraten.
Treibende Faktoren des Anstiegs der Inflationserwartungen
Die Neubewertung im Anleihemarkt resultiert direkt aus den jüngsten Datenveröffentlichungen der Europäischen Zentralbank. Die einjährige Inflationserwartung der Verbraucher wurde von 2,5 % auf 4,0 % und die dreijährige Erwartung auf 3,0 % drastisch erhöht. Das Risiko einer Abkopplung dieser langjährigen Erwartungen ist ein Warnsignal für die Geldpolitiker. Die zuvor optimistische Stimmung, ausgelöst durch das Waffenstillstandsabkommen zwischen den USA und dem Iran, ist verschwunden und wird nun durch Bedenken über Unterbrechungen der Energielieferketten ersetzt. Da die Straße von Hormus ein globaler Engpass für Energietransporte ist, führt deren Blockade zu einem Anstieg des importierten Inflationsdrucks. Zusammen mit den gestiegenen Verbrauchererwartungen beginnt der Markt, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass die Europäische Zentralbank in den kommenden Monaten eine harte Haltung beibehält oder die Zinssätze weiter erhöht.
Politische Resonanz der globalen Zentralbanken-Superwoche
Im Einklang mit den Turbulenzen auf dem Eurozonen-Anleihemarkt erfahren auch die geldpolitischen Pfade der anderen großen Volkswirtschaften weltweit eine Neubewertung. Die Bank of Japan hielt zwar in ihrer Sitzung zu Beginn der Woche die Leitzinsen stabil, gab jedoch ein Signal für eine marginale Straffung, was die zehnjährige japanische Anleiherendite auf den höchsten Stand seit fast drei Jahrzehnten steigen ließ. Vor diesem Hintergrund wird die Liquidität des Marktes zunehmend in defensive Anlagen umgeschichtet. Die in dieser Woche erwarteten Zinsentscheidungen der Federal Reserve und der Bank of England am Mittwoch und Donnerstag werden weitere Hinweise auf die globale makroökonomische Liquidität geben. Bestätigen diese beiden Zentralbanken in ihren Erklärungen ebenfalls die Zähigkeit der Inflation und lassen eine restriktive Haltung erkennen, könnte das Mittel der globalen Staatsanleiherenditen ein allgemeines Aufwärtsrisiko erleben.