Eine Simulation von Bitget und dem Digital-Asset-Forschungsunternehmen Block Scholes zeigt, dass tokenisierte Aktien als Sicherheiten in einem kontenübergreifenden Multi-Asset-Konto den gebundenen Kapitalbetrag deutlich reduzieren können. In einem modellierten Portfolio im Wert von 1 Million US-Dollar sank der erforderliche Kapitalbetrag von rund 340.000 auf etwa 175.000 US-Dollar. Gleichzeitig kann die Wahl der Sicherheiten beeinflussen, wie robust ein Portfolio bei Marktstress bleibt – insbesondere dann, wenn Sicherheiten und offene Positionen gleichzeitig an Wert verlieren.
Bitget bündelt mehr als 370 zugelassene Vermögenswerte
Der Bericht „Capital Efficiency, Correlation Risk and Multi-Asset Trading in Bitget’s Cross-Asset Unified Account“ untersucht, wie tokenisierte Aktien nicht nur den Zugang zu Märkten ermöglichen, sondern auch als Sicherheiten in Multi-Asset-Portfolios eingesetzt werden können. Nach Angaben von Bitget können im Cross-Asset Unified Account mehr als 370 zugelassene Vermögenswerte in einem gemeinsamen Margin-Pool gehalten werden. Dazu gehören 125 tokenisierte US-Aktien.
Die Simulation von Block Scholes umfasste tokenisierte Aktien aus den Bereichen künstliche Intelligenz und Halbleiter im Wert von 175.000 US-Dollar, unbefristete Bitcoin-(BTC)- und Ethereum-(ETH)-Futures sowie eine Short-Position in unbefristeten Futures auf einen Nasdaq-100-ETF. Wären die Aktienwerte und die USDT-Marge auf getrennten Konten verwahrt worden, hätte das Portfolio rund 340.000 US-Dollar Kapital erfordert. In der Struktur des Unified Account konnten die tokenisierten Aktien zusätzlich als Sicherheiten angerechnet werden. Dadurch sank der modellierte Kapitalbedarf auf etwa 175.000 US-Dollar.
Bitget-CEO Gracy Chen erklärte, bei der Tokenisierung gehe es inzwischen nicht mehr allein darum, Vermögenswerte auf die Blockchain zu bringen. Entscheidend sei auch, wie das Kapital nach der Tokenisierung eingesetzt werde. Die Bündelung verschiedener Anlageklassen sei ein Bestandteil des Unified-Account-Ansatzes. Gleichzeitig müssten die Risikomanagementsysteme die zusätzliche Flexibilität abbilden können.
Stresstest zeigt Einfluss der Sicherheiten
Ein geringerer Kapitalbedarf bedeutet nicht automatisch ein geringeres Risiko. Block Scholes zufolge kann die Zusammensetzung der Sicherheiten die Widerstandsfähigkeit eines Portfolios bei Marktstress beeinflussen. Das gilt vor allem dann, wenn Sicherheiten und Positionen denselben Marktfaktoren ausgesetzt sind.
Im Stresstest erreichte ein mit tokenisierten Aktien besichertes Portfolio seine geschätzte Liquidationsschwelle, nachdem die korrelierten Marktwerte um rund 21 Prozent gefallen waren. Bei einer wertgleichen USDT-Sicherheit hielt das Portfolio einen korrelierten Rückgang von etwa 27 Prozent aus. Der Unterschied von sechs Prozentpunkten verdeutlicht, wie die Preisbewegungen der Sicherheiten und deren Verhältnis zu den offenen Positionen den Margin-Puffer beeinflussen können. Die Ergebnisse beruhen auf Modellannahmen und stellen keine Aussage über Liquidationen in sämtlichen Konten oder Marktsituationen dar.
Die Untersuchung analysierte außerdem das Verhältnis zwischen Bitcoin- und Nasdaq-100-ETF-Preisen. Seit Januar 2022 lag der durchschnittliche Korrelationskoeffizient über 60 Tage bei plus 0,41 und erreichte in der Spitze plus 0,75. Seit Mitte 2024 ist die Korrelation erhöht. Da Krypto- und Aktienmärkte teilweise auf dieselben makroökonomischen Faktoren reagieren, können Veränderungen dieser Beziehung für die Bewertung des Sicherheitenrisikos in Multi-Asset-Konten relevant sein.
Zugelassene rStocks können weitere Kontofunktionen stützen
Laut Bericht behalten zugelassene rStocks das Engagement in den jeweiligen Basisaktien bei und können qualifizierte Dividendenzahlungen in USDT erhalten. Ihr anrechenbarer Sicherheitenwert kann außerdem zur Absicherung anderer Positionen dienen. Soweit die Sicherheitenlimits dies zulassen, kann derselbe Wert auch für die Aufnahme von Stablecoin-Krediten verwendet werden. Welche Vermögenswerte zugelassen sind und welche Limits gelten, hängt von den Kontobedingungen und den Plattformregeln ab.
Die Untersuchung erweitert die Debatte über tokenisierte Vermögenswerte um deren Einsatz im Multi-Asset-Handel und im Kapitalmanagement. Ein gemeinsamer Sicherheiten-Pool kann Kapital freisetzen, das sonst in getrennten Konten gebunden wäre. Für das tatsächliche Risiko bleiben jedoch die Korrelationen und die Volatilität von Sicherheiten und Positionen sowie die Liquidationsregeln des jeweiligen Kontos maßgeblich. Der Bericht wurde am 8. Oktober 2026 veröffentlicht.