River Markets will institutionellen Kunden über eine einzige Schnittstelle Zugang zu Prognosemärkten und dem Kryptospotmarkt ermöglichen. Dafür hat das Unternehmen am 20. Oktober Absichtserklärungen mit OG.com und Crypto.com Exchange unterzeichnet. River soll Handelsoberfläche, Order-Routing und Risikomanagement bereitstellen; OG.com steuert Eventkontrakte bei, Crypto.com Exchange die Liquidität für den Spotmarkt. Ein Starttermin wurde nicht genannt.
Für Makrofonds und quantitative Handelsteams könnte eine solche Anbindung den Aufwand für den Zugang zu mehreren Plattformen verringern und unterschiedliche Digital-Asset-Positionen in einem Arbeitsablauf zusammenführen. Offen ist jedoch, ob Eventkontrakte und Spotgeschäfte Sicherheiten oder Abwicklungsprozesse gemeinsam nutzen sollen. Damit bleibt unklar, ob Kunden Kapital künftig über beide Märkte hinweg einheitlich verwalten können.
River übernimmt die Schnittstelle, Partner liefern die Produkte
Nach der geplanten Aufteilung betreibt River die kundenorientierte Handelsplattform und stellt Order-Routing sowie Risikowerkzeuge bereit. OG.com bietet Eventkontrakte über seine von der US-Terminmarktaufsicht CFTC regulierte Börse und Clearingorganisation an. Crypto.com Exchange liefert die Liquidität für Krypto-Spotwerte. River will die unterschiedlichen Produkte der beiden Partner in bestehende institutionelle Handelsabläufe integrieren.
Die Vereinbarung knüpft an den Ausbau des institutionellen Geschäfts von River an. Im August nahm das Unternehmen 8,5 Millionen US-Dollar ein, um Ausführungs- und Prime-Brokerage-Dienstleistungen für institutionelle Akteure im Prognosemarkt zu entwickeln. Positionen und Liquidität sind dort häufig auf mehrere Plattformen verteilt. River richtet sein Angebot daher an Hedgefonds und quantitative Handelsteams, die Marktzugang mit Handels- und Risikowerkzeugen verbinden wollen.
Iskandar Vanblarcum, Managing Director bei Crypto.com Exchange, sagte, Teilnehmer an Prognosemärkten suchten zunehmend nach anspruchsvolleren Strategien. Die Partnerschaft solle institutionellen Handelsteams ermöglichen, ein breiteres Spektrum an Digital-Asset-Engagements über eine Plattform zu verwalten. Das unterstreicht das Interesse an gebündeltem Marktzugang. Konkrete Angaben zu den angebotenen Produkten, zur Ausführung oder zum Zeitplan enthält die Vereinbarung bislang nicht.
Institutionelle Nutzung bleibt begrenzt
Das Interesse institutioneller Anleger an Prognosemärkten nimmt zu, die Verbreitung ist jedoch weiterhin überschaubar. Einer im Juni von Acuiti und der Singapore Exchange veröffentlichten Umfrage zufolge handelten 9 Prozent der befragten Derivateinstitute mit Prognosemärkten. Die Produkte sind damit bei einigen professionellen Handelsteams angekommen, werden aber noch nicht breit genutzt.
Auch Kalshi hat Angaben zur institutionellen Beteiligung gemacht. Andy Ross, Leiter des institutionellen Geschäfts der Plattform, sagte kürzlich, die dort bereits aktiven oder ein Konto eröffnenden Institutionen verwalteten zusammen mehr als eine Billion US-Dollar. Institutionelle Aktivitäten machten einen erheblichen Teil des Geschäfts aus; zudem handelten Institute häufig untereinander. Die Zahl bezieht sich auf das von diesen Institutionen verwaltete Vermögen, nicht auf Guthaben bei Kalshi oder das Handelsvolumen der Plattform.
Oscar Levy, Mitgründer und CEO von River, bezeichnete Prognosemärkte als eine Anlageklasse, die sich von einem Nischenmarkt zu einer Informationsinfrastruktur für globale Makro- und quantitative Handelsteams entwickelt habe. Das entspricht der strategischen Positionierung von River. Die verfügbaren Beteiligungsdaten zeigen zugleich, dass die institutionelle Nutzung noch am Anfang steht.
Absichtserklärung schafft noch keinen Live-Zugang
Für River-Kunden ist entscheidend, dass die geplanten Verbindungen noch nicht aktiv sind. Die drei Unternehmen haben keinen Integrationstermin bekannt gegeben. Die Absichtserklärung beschreibt geplante Vertriebs- und Zugangslösungen, aber keinen bereits verfügbaren Dienst. Kunden können daher derzeit nicht davon ausgehen, über River auf Eventkontrakte von OG.com oder Spotwerte von Crypto.com Exchange zugreifen zu können.
Ob daraus ein vollständiger institutioneller Handelsdienst entsteht, hängt von der technischen Anbindung sowie der Umsetzung von Risikokontrollen und Abwicklungsprozessen ab. Bislang genannt sind Rivers Schnittstelle und Werkzeuge sowie die jeweils getrennten Produkte und Liquiditätsangebote der Partner. Einen gemeinsamen Sicherheiten- oder Abwicklungsmechanismus für beide Produkttypen haben die Unternehmen nicht beschrieben.