- Die Renditen von Staatsanleihen der Eurozone sind am Mittwoch allgemein gesunken und haben damit einen Teil der Gewinne des Vortages wieder abgegeben. Der Hauptgrund dafür ist, dass Händler zwischen den potenziellen Fortschritten in den diplomatischen Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran und den hohen Zinserwartungen der Europäischen Zentralbank Positionen glattgestellt und angepasst haben.
- Die Rendite der zweijährigen deutschen Staatsanleihen, die sehr empfindlich auf den geldpolitischen Zinspfad reagiert, fiel um 2,2 Basispunkte auf 2,57 %, während die Rendite der zehnjährigen deutschen Staatsanleihen, die als regionale Benchmark gilt, im Tagesverlauf um 2 Basispunkte sank und sich zum Handelsschluss bei etwa 2,98 % stabilisierte.
- Laut den Swaps am Geldmarkt ist die implizite Preisbildung der Händler für den Einlagensatz der Europäischen Zentralbank im Dezember auf 2,59 % gesunken, was im Vergleich zum aktuellen Niveau von 2 % einen deutlichen Anstieg darstellt. Die geopolitische Entspannung hat jedoch dazu geführt, dass die extrem hawkische Preisbildung von 2,75 % in der letzten Woche leicht zurückgegangen ist.
Zwischenzeitliche Neubewertung der europäischen Staatsanleihen
Am heutigen Handelstag zeigten europäische festverzinsliche Wertpapiere eine kollektive Preisrallye und sinkende Renditen. Die Rendite der zweijährigen deutschen Staatsanleihen wird derzeit bei 2,57 % gehandelt. Ein Blick auf die historische Entwicklung zeigt, dass diese wichtige Laufzeit im März auf 2,771 % gestiegen ist, den höchsten Stand seit Juli 2024, während sie zu Beginn dieser Woche auf ein Monatstief von 2,523 % gefallen ist. Auch die Rendite der zehnjährigen deutschen Staatsanleihen, die nach Erreichen eines Höchststands von 3,13 % seit 2011 in eine Phase hoher Volatilität eingetreten ist, zeigt ähnliche Bewegungen. Der heutige Kaufdruck auf dem Anleihemarkt ist weitgehend auf die Entspannung der Inflationssignale zurückzuführen, die durch den Rückgang der globalen Rohölpreise von ihren Höchstständen ausgelöst wurden, was darauf hindeutet, dass die marginale Verbesserung der Kerninflation kurzfristig wieder in die dynamischen Preisbildungsmodelle der Händler aufgenommen wird.
Geopolitische Geräusche und Energieversorgungserwartungen
Die neuesten Entwicklungen in der geopolitischen Lage im Nahen Osten sind der direkte Katalysator für die heutige Neubewertung der Anleihewerte. Der Markt beobachtet aufmerksam Berichte des iranischen Staatsfernsehens über einen vorläufigen informellen Rahmenentwurf zwischen Washington und Teheran zur Beendigung des Konflikts. Obwohl das Weiße Haus diesen Bericht später öffentlich dementierte, löste die Erwähnung im Entwurf, dass der Iran den kommerziellen Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus innerhalb eines Monats auf das Vorkriegsniveau zurückführen könnte, schnell einen Abfluss von Absicherungsfonds der Rohöl-Bullen aus. Massimiliano Maxia, Senior Fixed Income Specialist bei Allianz Global Investors, betonte, dass die Preisbildung von kurzfristigen Anleihen stark von der Entwicklung der Ölpreise abhängt. Sollte eine Einigung zwischen den USA und dem Iran erzielt werden und die Straße von Hormus wieder geöffnet werden, könnte dies zu einem weiteren Anstieg der kurzfristigen Anleihen führen. Aufgrund der anhaltenden Risiken eines langfristigen Haushaltsdefizits wird jedoch erwartet, dass der Druck auf die langfristigen Anleihen bestehen bleibt.
Neubewertung der Endpreisbildung des EZB-Einlagensatzes
Obwohl geopolitische Geräusche zu einer kurzfristigen Korrektur der nominalen Renditen führten, hat sich die hawkische Vorwärtsführung innerhalb der Europäischen Zentralbank nicht grundlegend gelockert. Die aktuelle Preisbildung am Swap-Markt zeigt, dass Händler eine Wahrscheinlichkeit von 80 % für eine erste Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank im nächsten Monat erwarten. Selbst wenn die durch die geopolitische Lage verursachte Ölversorgungspremie nachlässt, bleibt die Hartnäckigkeit der Kerninflation ein zentrales Anliegen der Entscheidungsträger. Isabel Schnabel, Mitglied des Exekutivrats der Europäischen Zentralbank, erklärte klar, dass die Zentralbank auch bei einer Einigung mit dem Iran im Juni an Zinserhöhungen festhalten sollte. Diese politische Haltung zeigt, dass die Europäische Zentralbank dazu neigt, kurzfristige Schwankungen der Energiepreise von langfristigen strukturellen Inflationstrends zu trennen, was die Erwartung einer mindestens zweimaligen Zinserhöhung in diesem Jahr weiter festigt.
Der Spread zwischen italienischen und deutschen Anleihen zeigt die Souveränitätsrisikoprämie
Vor dem Hintergrund sinkender Renditen von Kernanleihen hat sich der Schuldenstress in den Randstaaten vorübergehend entspannt. Die Rendite der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen fiel leicht um 0,1 Basispunkte auf 3,71 %, wodurch der viel beachtete Spread zwischen italienischen und deutschen zehnjährigen Anleihen bei 70 Basispunkten blieb. Historisch gesehen lag dieser Spread vor den extremen geopolitischen Ereignissen eines gemeinsamen Angriffs der USA und Israels auf den Iran bei einem relativ niedrigen Niveau von 63 Basispunkten, während er sich Ende März, als die makroökonomische Panik zunahm, auf 103,62 Basispunkte ausweitete und damit den höchsten Stand seit Juni 2025 erreichte. Der aktuelle Spread stabilisiert sich bei etwa 70 Basispunkten, was darauf hindeutet, dass die Souveränitätsrisikoprämie der Randstaaten allmählich in den normalen Bereich zurückkehrt. Sollte die zukünftige Fiskalpolitik jedoch die Defizitquote übertreffen, könnte die Bewertung der Randanleihen einer neuen marginalen Neubewertung unterzogen werden.