- Der japanische Premierminister Sanae Takaichi stellte am 12. April auf dem Parteitag der Liberal-Demokratischen Partei das Thema der Verfassungsänderung erneut in den Vordergrund der politischen Agenda und erklärte, „die Zeit ist reif“. Sie forderte, dass das Vorantreiben der Verfassungsänderung vor dem Parteitag 2027 auf eine „absehbare“ Phase gebracht werden solle.
- Die eigentlichen Variablen innerhalb Japans, abgesehen von Markt- und Diplomatie-Hinweisen, sind zwei: Erstens, die LDP hat bei den Unterhauswahlen im Februar 316 Sitze gewonnen und somit allein die Zwei-Drittel-Marke im Unterhaus überschritten; zweitens, die Verfassungsänderung muss weiterhin durch das Oberhaus und ein nationales Referendum genehmigt werden, wobei das Verfahren nicht abgekürzt wurde.
- Gleichzeitig nimmt der Widerstand auf der Straße zu. Berichte wie die von Mainichi zeigen, dass sich am 8. April rund 30.000 Menschen in der Nähe des Parlaments versammelten. Über 160 weitere Aktionen fanden gleichzeitig im ganzen Land statt, und die Gesamtzahl der Teilnehmer erreichte fast 50.000, was darauf hindeutet, dass der „Anti-Verfassungsänderung“-Protest zu einer dauerhaften Mobilisierung geworden ist.
Politische Signale
Die Rede von Takaichi war nicht nur eine allgemeine Aussage, sondern bot ein klareres Zeitplanarrangement. Sie definierte in ihrer Rede auf dem Parteitag „eine von den Japanern selbst geschaffene Verfassung“ als Ziel der LDP und erklärte, „die Zeit ist gekommen“. Ein Folgebericht von Jiji präzisierte weiter, dass sie hofft, bereits auf dem Parteitag im nächsten Jahr berichten zu können, dass die Verfassungsänderung auf einem guten Weg ist. Dies bedeutet, dass sich die politischen Ressourcen im verbleibenden Jahr 2026 möglicherweise stärker auf die Verfassungsprüfung, überparteiliche Koordination und Mobilisierung der öffentlichen Meinung konzentrieren werden.
Institutionelle Hürden
Es ist zu betonen, dass die Verfassungsänderung weder vom Premierminister noch von einer einzelnen Partei direkt durchgesetzt werden kann. Artikel 96 der japanischen Verfassung, wie auf der Website des Repräsentantenhauses dargelegt, besagt, dass die Verfassungsänderung eine Zwei-Drittel-Mehrheit in beiden Parlamentskammern erfordert, gefolgt von einer nationalen Volksabstimmung, die mit der Mehrheit der gültigen Stimmen bestanden werden muss. Das bedeutet, selbst wenn die LDP eine Mehrheit im Unterhaus besitzt, liegen die echten Herausforderungen noch im Oberhaus und im Stadium der Volksabstimmung. Britische Medien berichten zudem, dass Takaichi weiterhin mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert ist, um genügend Unterstützung im Oberhaus zu erhalten und das Referendum zu bestehen.
Reaktionen auf der Straße
Der Umfang der Proteste nimmt zu und beschränkt sich nicht mehr nur auf Tokio. Laut einem Bericht von Mainichi versammelten sich am Abend des 8. April etwa 30.000 Menschen in der Nähe des Parlaments. Andere öffentliche Berichte, die sich auf Kyodo News beziehen, besagen, dass landesweit am selben Tag an mehr als 160 Orten Aktionen stattfanden, mit insgesamt fast 50.000 Teilnehmern. Am 19. April plant die Anti-Verfassungsänderungsgruppe bereits eine neue Runde der „19.-Tage-Aktion“, wobei es Unterschiede in den Angaben der verschiedenen Veranstaltungswebsites gibt, die sich auf „vor dem Haupteingang des Parlaments“ oder „vor dem Abgeordnetenhaus“ beziehen, was zeigt, dass die Organisation der Aktionen noch im Gange ist.