1. Kernfrage: Was kaufen Sie?
Yieldfund.com sammelt durch die Ausgabe von "Unternehmensanleihen" Kapital. Anleihegläubiger erhalten eine feste monatliche Verzinsung von 2%-4%, die wöchentlich in USDC ausgezahlt wird, und das Kapital wird bei Fälligkeit zurückgezahlt.
Aber dies ist ein privates Darlehen, kein Bankeinlage und kein regulierter Fonds. Die Dokumente erklären klar: Nicht von der niederländischen Finanzmarktaufsicht (AFM) reguliert, keine AFM-Lizenz, fällt unter den Prospektausnahme.[1]
2. Größter Widerspruch: Einerseits "reguliert", andererseits "nicht reguliert"
Yieldfund gibt auf verschiedenen Seiten völlig widersprüchliche Informationen. Die englische FAQ erklärt klar "nicht von der AFM reguliert, keine AFM-Lizenz".[1] Aber die Seite "Handelsstrategie" behauptet, ein "reguliertes quantitatives Handelsunternehmen" zu sein.[3] Die niederländische Marketingseite geht noch weiter und behauptet, "AFM-Regulierung bedeutet rechtlichen Schutz".[6] Die Compliance-Seite betont jedoch erneut, dass "Investitionen nicht von der AFM reguliert werden".[4]
Das ist kein Wortspiel, sondern ein typisches Risikosignal: Die Plattform passt ihre Sprache an verschiedene Zielgruppen an, betont auf der englischen Seite "nicht reguliert", um rechtliche Verantwortung zu vermeiden, und auf der niederländischen Seite "reguliert", um lokale Investoren anzuziehen.
3. C-Serie Dokumente: Die wichtigste Risikobelehrung
Die C-Serie Erklärungsdokumente von Yieldfund sind die entscheidendsten Dokumente der gesamten Untersuchung. Sie weisen klar darauf hin: Das Produkt ist nicht übertragbar, Investoren müssen die gesamte Laufzeit gebunden bleiben.[9] "Das Finanzaufsichtsgesetz und die Prospektverordnung gelten nicht für diese Investition. Es wurde keine Mitteilung an die AFM gemacht."[9] "Ihre Investition gehört zu den Vermögenswerten von frontpay capital B.V." (d.h. Gläubigerrisiko).[9] Im Falle einer Insolvenz sind Anleihegläubiger nachrangige Gläubiger, hinter vorrangigen Gläubigern.[9]
Die Finanzdaten sind noch alarmierender: Eigenkapital nur €35.198, Verbindlichkeiten €4.717.057 (Eigenkapital-Verbindlichkeits-Verhältnis 2,5/97,5). Das Dokument gibt zu: "Bei schlechter Leistung könnte der Emittent schnell zahlungsunfähig werden."[9]
Einfach gesagt: Sie leihen einer Firma mit einem Eigenkapital von nur 35.000 Euro Geld, binden es für mehrere Jahre, erhalten wöchentliche Zinsen, und ob das Kapital zurückgezahlt wird, hängt davon ab, ob die Firma dann noch Geld hat. Das ist kein "festverzinsliches Einkommen", sondern ein Hochrisikokredit.
4. Vorzeitiger Ausstieg ist teuer: Rücknahmekosten = Alle erhaltenen Zinsen
Die allgemeinen Geschäftsbedingungen von Yieldfund definieren die "Rücknahmekosten" als die gesamte während der Laufzeit erhaltene Zinszahlung des Anleihegläubigers.[2] Das bedeutet: Wenn Sie vorzeitig zurückziehen, könnten alle erhaltenen Zinsen zurückgefordert werden. In Kombination mit der Nichtübertragbarkeit führt dies dazu, dass Investoren im Produkt gefangen sind und nicht flexibel aussteigen können.
5. "Handelssicherheitsfonds" bietet keine durchsetzbaren Rechte
Yieldfund bewirbt stark den "Handelssicherheitsfonds", aber auf derselben Seite wird klar erklärt: "Derzeit werden keine rechtlich durchsetzbaren Ansprüche für Privatanleger angeboten", es ist kein garantiertes Sicherheitsnetz oder Versicherung.[4] Das ist Marketingtheater: Es klingt nach Schutz, ist aber in Wirklichkeit null.
6. "AFM-Mitteilung" ≠ AFM-Regulierung
Yieldfund behauptet, eine Mitteilung an die AFM gemacht zu haben, aber Mitteilung ≠ Genehmigung, Mitteilung ≠ Regulierung, Mitteilung ≠ Befürwortung des Produkts.[12][13] Die AFM selbst stellt klar: Selbst wenn ein Prospekt genehmigt wird, bedeutet dies nicht, dass die AFM die Emission oder die Qualität der Wertpapiere anerkennt.[14]
7. Wer steckt dahinter? Die Emittentenrechte sind extrem schwach
Der Emittent ist frontpay capital B.V. (in den Niederlanden registriert, gegründet 2021), der einzige indirekte Aktionär ist H.A. Simons.[8] Das Eigenkapital des Unternehmens beträgt nur €35.198, die Verbindlichkeiten belaufen sich auf €4.717.057.[9] Wenn ein Unternehmen nur 35.000 Euro Eigenkapital und 4,71 Millionen Euro Schulden hat, kann jeder Handelsrückschlag oder Betriebsproblem direkt zu einem Zahlungsausfall führen.
8. Fazit: Das ist kein "festverzinsliches Einkommen", das ist ein Hochrisikokredit
Yieldfund.com präsentiert ein Emittentenrisikoprodukt, das in einem Krypto-Kanal und einem regulatorischen Ausnahme-Rahmen verpackt ist: Hohe feste Renditen (monatlich 2-4%, jährlich 24-48%), nicht übertragbar und für mehrere Jahre gebunden, vorzeitige Rücknahme mit Strafen, klare Erklärung, dass es nicht von der AFM reguliert wird, schwaches Eigenkapital (35.000 Euro vs. 4,71 Millionen Schulden), interner "Sicherheitsfonds" ohne durchsetzbare Rechte, Marketing-Sprache wechselt zwischen "reguliert" und "nicht reguliert".
Investoren erhalten frühzeitig Auszahlungen und stehen dann bei dem Versuch, das Kapital zurückzuerhalten, vor Verzögerungen, Einschränkungen oder Verlusten – das ist das häufigste Ergebnis von Hochzinsplänen.
Referenzen
- [1] https://yieldfund.com/faq/ (2026-06-05)
- [2] https://yieldfund.com/wp-content/uploads/2026/01/Terms-EN.pdf (2026-06-05)
- [3] https://yieldfund.com/trading-strategy/ (2026-06-05)
- [4] https://yieldfund.com/trading-safety-fund/ (2026-06-05)
- [6] https://yieldfund.com/nl/5-reasons-to-switch-to-yieldfund-crypto-investments/ (2026-06-05)
- [8] https://yieldfund.com/wp-content/uploads/2026/01/Information-document.pdf (2026-06-05)
- [9] https://yieldfund.com/wp-content/uploads/2026/05/Explanatory-Document.pdf (2026-06-05)
- [12] https://yieldfund.com/afm-notification-explained/ (2026-06-05)
- [14] https://www.afm.nl/en/sector/registers/meldingenregisters/goedgekeurde-prospectussen (2026-06-05)