Die neuesten Bilanzen der drei großen US-Geschäftsbanken zeigen eine strukturelle Divergenz im makroökonomischen Kreditzyklus. In den Kreditportfolios von Bank of America (BAC:US), Wells Fargo (WFC:US) und JPMorgan Chase (JPM:US) ist eine signifikante gegenläufige Expansion der Unternehmenskreditnachfrage zu verzeichnen. Dieses Phänomen tritt inmitten zunehmender globaler geopolitischer Spannungen, insbesondere geprägt durch die Lage im Iran und den dadurch verursachten Anstieg der Energieinflation, auf. Im Gegensatz zu einem unter den Bedingungen eines sich leicht entspannenden Arbeitsmarktes stabilisierenden Konsumentenkredit, erweitern reale Unternehmen systematisch ihre Bilanzen, um auf zukünftige makroökonomische Unsicherheiten vorbereitet zu sein. Sollte die durch Energie getriebene Inflation die Federal Reserve (Fed) dazu zwingen, ihre Geldpolitik von locker auf restriktiv umzustellen, könnte die derzeitige Ausweitung der Unternehmenskredite als defensiver Liquiditätsvorrat angesehen werden.
Übertragung entlang der Wertschöpfungskette
Beobachtet man den Kapitalfluss innerhalb der Wertschöpfungskette, spiegelt der deutliche Anstieg der Geschäftskredite die defensive Akkumulation von Betriebskapital bei upstream- und midstream-Unternehmen wider. Unter dem Einfluss geopolitischer Konflikte, insbesondere was die lokalen Spannungen in wichtigen Erdölexportländern des Nahen Ostens betrifft, sind die Reibungskosten in der globalen Energie- und Rohstofflieferkette signifikant gestiegen. Dies zwingt Unternehmen im Bereich Fertigung, Logistik und traditionelle Energie dazu, ihre Lagerbestände frühzeitig zu erhöhen und die Preise für Produktionsfaktoren langfristig zu sichern. Ein leitender Portfoliomanager bei Dehar Capital Partners erklärte, dass der Anstieg bei den Unternehmensdarlehen eine vorweggenommene Reaktion auf möglicherweise höhere Finanzierungskosten in der Zukunft ist. Sollte die Fed gezwungen sein, durch Zinserhöhungen die importierte Inflation zu unterdrücken, werden Hersteller und Verarbeitungsunternehmen in der Mitte der Wertschöpfungskette, die vergleichsweise geringe Verhandlungsmacht besitzen, einem rasanten Anstieg der Finanzierungskosten gegenüberstehen. Deshalb wird die Nutzung des gegenwärtig relativ lockeren Kreditzugangs zur Liquiditätsbeschaffung zur Kernstrategie, um künftige Schwankungen im Cashflow zu glätten.
Wettbewerbslandschaft
Auf der Ebene der Wettbewerbslandschaft im Bankensektor konzentriert sich der Marktanteil für Unternehmenskredite zunehmend auf Spitzeninstitute mit starken Bilanzen und umfassenden Preisgestaltungsmöglichkeiten. JPMorgan Chase verzeichnete ein Wachstum seines Geschäftskreditvolumens um etwa 18 Prozent auf 872,7 Milliarden US-Dollar, was zeigt, dass Großkunden in Zeiten makroökonomischer Unsicherheiten eher umfassende Finanzierungslösungen und Risikomanagement von systemrelevanten Banken in Anspruch nehmen. Im Gegensatz dazu sind Regionalbanken und kleinere Banken durch steigende Einlagenkosten und das Risiko bei Gewerbeimmobilien auf der Aktivseite eingeschränkt, wodurch ihre Kreditvergabe tatsächlich limitiert wird. Dieser Trend zur „Flucht in Qualität“ im Kreditwesen ermöglicht es den führenden Banken, in einem Umfeld unter Druck stehender Nettozinsspannen ihre Einnahmen stabil zu halten, indem sie das Volumen als Ausgleich für den Preis nutzen. Sollte das makroökonomische Umfeld weiter kompliziert werden, könnte diese interne Spaltung der Branche zu einer anhaltenden Erhöhung der Bankenkonzentration führen.
Marginale Abweichung zwischen Konsumentenkrediten und Geschäftskrediten
Im Gegensatz zur kräftigen Entwicklung bei Geschäftsdarlehen zeigt sich bei den Konsumentenkrediten ein vergleichsweise schwaches Wachstum. Bank of America berichtete von einem moderaten Anstieg des Verbraucherdarlehensportfolios um nur vier Prozent, während das Verbraucherkreditwachstum bei Wells Fargo 3,7 Prozent betrug. Bei JPMorgan Chase blieben die Verbraucherdarlehen nach Bereinigung um Kreditkartensalden nahezu unverändert. Dieses Ungleichgewicht zeigt eine Diskrepanz in den mikroökonomischen Erwartungen zwischen Haushalten und Unternehmen. Da sich strukturelle Risse am Arbeitsmarkt abzeichnen und das reale Lohnwachstum durch Energieinflation beeinträchtigt wird, kühlt sich die Verschuldungsbereitschaft im Privatsektor systematisch ab. Sollten die verlangsamte Konsumausgaben letztlich zu einem Rückgang der Endnachfrage von Unternehmen führen, könnten die derzeit hohen Unternehmensschulden in Zukunft zu Überkapazitätsdruck und verringerten Investitionsausgaben führen.
Neubewertung der Risiko-Bepreisung auf der Aktivseite der Banken
Mit dem raschen Anstieg des Geschäftskreditengagements stehen die Risiko-Bepreisungsmodelle für die Aktivseite großer Banken unter Druck, neu bewertet zu werden. In früheren Kreditzyklen ging die rasche Expansion der Unternehmenskredite oft mit der zyklischen Aufwärtsbewegung der Wirtschaft einher. Der gegenwärtige Kreditanstieg wird jedoch mehr von kostengetriebener Inflation und defensiven Motiven angeheizt. Dies bedeutet, dass die neuen Aktiva in den Bankbüchern einem höheren Kreditrisiko ausgesetzt sein könnten. Branchenexperten warnen bereits, dass Unternehmen bei einem langanhaltenden Krieg, der zu anhaltend hoher Inflation führt und die Merkmale einer Stagflation mit einer Verlangsamung des Beschäftigungswachstums verstärkt, unter doppelt so starkem Druck stehen werden. In diesem Fall müssen Banken in den kommenden Quartalen mehr Rückstellungen für Kreditausfälle bilden, was die Kapitaladäquanz und das Gewinnwachstum der gesamten Branche marginal beeinträchtigen könnte.