JPMorgan hat die Bewertung des führenden E-Commerce- und Fintech-Unternehmens MercadoLibre in Lateinamerika von "neutral" auf "übergewichten" angehoben. Die Bank glaubt, dass das Signal einer Abkühlung der "Subventionsintensität" im brasilianischen E-Commerce-Krieg zusammen mit einer entspannteren Preispolitik des Unternehmens die Gewinnerwartungen für die nächsten zwei Jahre stabiler macht.
Wettbewerbshinweise: Shopee erhöht Provisionssatz, Preiskrieg lässt nach
JPMorgan betont, dass nach der kürzlichen Erhöhung des Provisionssatzes von Shopee das Gebührenniveau für hochpreisige Artikel näher an MercadoLibre heranrückt, was als ein zurückhaltenderes Verhalten der Konkurrenz in Bezug auf das "Geldverbrennen für Wachstum" angesehen wird. Gleichzeitig reflektiert MercadoLibre den Inflationsdruck in einigen festen Gebühren, was als stärkeres Vertrauen des Unternehmens in das Wettbewerbsumfeld interpretiert wird. Was die fortgesetzten Werbemaßnahmen von Amazon betrifft, schätzt JPMorgan, dass deren Gesamteinfluss relativ kontrollierbar ist.
Gewinnerwartungen: Keine deutlichen Korrekturen für 2026–2027 erwartet
Auf der Ertragsseite erwähnt JPMorgan, dass keine erheblichen Abwärtskorrekturen in den breiten Markterwartungen für 2026 und 2027 mehr gesehen werden. Die Logik dahinter ist, dass die Gewinnerwartungen des Marktes aufgrund von Konkurrenzsorgen seit Mitte 2025 bereits erheblich gesenkt wurden; das derzeitige Prognoseniveau passt besser zum neuen Wettbewerbsumfeld.
Kernmarkt Brasilien: GMV-Wachstum weiterhin positiv eingeschätzt
JPMorgan sieht Brasilien weiterhin als Wachstumsantrieb und erwartet, dass das GMV-Wachstum (in lokaler Währung) im vierten Quartal 2025 über 30% bleiben könnte, was sowohl auf die niedrige Ausgangsbasis des Vorjahres als auch auf die gesteigerte App-Nutzung zurückzuführen ist; zudem wird für 2026 ein GMV-Wachstum von etwa 25% in Brasilien prognostiziert.
Kursziel auf 2800 US-Dollar angehoben: Höhere Einnahmen- und Gewinnhypothesen als Grundlage
Auf Basis dieser Einschätzungen hat JPMorgan das Kursziel für MercadoLibre im Dezember 2026 von 2650 US-Dollar auf 2800 US-Dollar angehoben. Die Bank ist für die wesentlichen Annahmen für 2026 ebenfalls optimistischer: Ein Wachstumsanstieg bei Einnahmen, operativem Gewinn und Profitabilität von etwa 35%, 34%, 41%; zudem sieht sie unterstützende Faktoren wie die Stärkung der brasilianischen und mexikanischen Währung, die Verbesserung der Gewinnspannen und eine schnellere Expansion des Kreditgeschäfts.
Bewertung und Einstufung: "Erster" in der lateinamerikanischen Tech-Branche, bleibt jedoch eine hoch bewertete Anlage
Im Bewertungsrahmen hebt JPMorgan hervor, dass die Aktie ungefähr einem erwarteten Gewinn von 35-mal für 2026 und 26-mal für 2027 entspricht. Sie erwarten, dass die Gewinne bis 2029 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von etwa 34% ansteigen, und platzieren sie deshalb als eine der ersten Anlaufstellen im lateinamerikanischen Technologiebereich.