- Die Europäische Zentralbank (EZB) hat erstmals seit über drei Jahren die Kreditkosten erhöht, um dem durch den Iran-Konflikt ausgelösten Inflationsdruck zu begegnen. Obwohl die Renditen von Staatsanleihen der Eurozone am Donnerstag aufgrund von Anzeichen einer Entspannung der geopolitischen Lage gesunken sind, halten die Händler am Geldmarkt weiterhin an der Erwartung fest, dass die Zinsen im Laufe des Jahres weiter angehoben werden.
- Laut der neuesten Preisgestaltung am Swap-Markt haben die Händler derzeit eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte vollständig eingepreist und schätzen die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Erhöhung um 25 Basispunkte auf etwa 60%. Insgesamt wird auf eine weitere Zinserhöhung um etwa 40 Basispunkte im Laufe des Jahres gesetzt, wobei ein Wendepunkt in der Politik noch nicht erkennbar ist.
- Die Renditen der deutschen zweijährigen Staatsanleihen (DE2YT:RR) und der zehnjährigen Staatsanleihen (DE10YT:RR) fielen am Donnerstag um jeweils 4 Basispunkte auf 2,67% bzw. 3,03%, da die Nachricht über ein Treffen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und dem Iran die unmittelbare Risikoscheu der Märkte milderte.
Zentralbankpolitik mit falkenhaftem Ansatz und revidierten Wirtschaftsprognosen
Die Europäische Zentralbank hat in ihrer jüngsten Sitzung die makroökonomischen Prognosen angepasst, die Inflationserwartungen deutlich nach oben korrigiert und die Wachstumsprognosen leicht gesenkt. Diese Maßnahme macht sie zur ersten großen Zentralbank weltweit, die seit Ausbruch des geopolitischen Konflikts die Zinsen erhöht hat. EZB-Präsidentin Christine Lagarde erklärte, dass die aktuelle Zinsentscheidung unter verschiedenen Szenarien, in denen die Auswirkungen des Konflikts leichter oder schwerer als im Basisszenario sind, vernünftig bleibt. Analysten sind sich einig, dass diese Aussage die hohe Wachsamkeit der politischen Entscheidungsträger gegenüber der potenziellen Hartnäckigkeit der Inflation unterstreicht und die Markterwartungen einer falkenhaften Geldpolitik der Zentralbank verstärkt.
Fortdauernde Markterwartungen einer Straffung und Zinserhöhungspreisgestaltung
Nach der Bewertung der politischen Erklärung halten die Händler am Geldmarkt weiterhin an ihren marginalen Wetten auf weitere Zinserhöhungen im Laufe des Jahres fest. Die neuesten Preisgestaltungen zeigen, dass der Markt erwartet, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen in diesem Jahr um weitere 40 Basispunkte anheben wird. Diese Daten zeigen, dass der Markt eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte vollständig eingepreist hat und die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Erhöhung auf dieser Basis bei 60% liegt. Im Vergleich zum Niveau vor der Bekanntgabe der Zinsentscheidung haben sich die Straffungserwartungen der Händler nur minimal verringert, was auf einen starken Konsens über die Kohärenz der nachfolgenden geldpolitischen Straffung hinweist.
Marginale Entspannung der geopolitischen Lage führt zu Renditerückgängen
Im Sekundärmarkt zeigten die Renditen von Staatsanleihen der Eurozone am Donnerstag einen leichten Druck. Die Rendite der deutschen zweijährigen Staatsanleihen fiel um 4 Basispunkte auf 2,67%, während die Rendite der deutschen zehnjährigen Staatsanleihen ebenfalls um 4 Basispunkte auf 3,03% sank. Der Hauptfaktor, der die Renditen nach der Entscheidung ansteigen und dann zurückgehen ließ, war die Nachricht über ein Treffen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Iran, um die Spannungen zu mildern. Die sofortige Rücknahme der geopolitischen Risikoprämie führte dazu, dass einige sichere Anlagen abflossen, was die Preise steigen ließ und die Gesamtrenditen von Staatsanleihen senkte.
Institutionelle Ansichten und Variablen der zukünftigen Inflationsentwicklung
Demi Angelaki, Portfoliomanagerin bei Aviva Investors, betonte, dass die neuesten Prognosen zeigen, dass das Risiko eines Anstiegs der Inflation deutlich höher ist als das Risiko eines wirtschaftlichen Abschwungs. Sollte sich die Inflationsdaten weiterhin hartnäckig zeigen, wird die Europäische Zentralbank bei der Aktualisierung der Wirtschaftsprognosen im September wahrscheinlich weitere Zinserhöhungen vornehmen. Allerdings gibt es weiterhin bedingte Variablen im politischen Kurs, und die Europäische Zentralbank erwähnte, dass, wenn die Energiepreise schneller als erwartet fallen, die Gesamtinflationsrate der Eurozone im Frühjahr nächsten Jahres unter das Zielniveau von 2% fallen könnte. Sollte die Kerninflation nicht wie erwartet abkühlen, könnte die Marktbewertung der Dauer restriktiver Zinssätze neu bewertet werden müssen.
Zyklische Politikabwägungen und makroökonomische Unsicherheiten
Langfristig steht die Europäische Zentralbank vor dem doppelten Druck, Preisstabilität und Wirtschaftswachstum in Einklang zu bringen. Die dynamische Entwicklung der geopolitischen Lage beeinflusst direkt die Stabilität der Rohstoff- und Energieversorgungsketten, was die traditionellen geldpolitischen Übertragungsmechanismen mit mehr externem Rauschen konfrontiert. Sollte sich die Kerninflationsrate als widerstandsfähiger erweisen als erwartet, ist es nicht ausgeschlossen, dass der Leitzins länger im restriktiven Bereich verbleibt. Marktteilnehmer müssen die marginalen Veränderungen der monatlichen Inflationsdaten genau beobachten, um ihre Erwartungsmodelle für den Endwert der Eurozonen-Zinsen anzupassen.