- Die Brent-Ölkontrakte für Juni stiegen aufgrund der geopolitischen Lage in der Straße von Hormus im frühen Handel heute um 2,5 % auf etwa 108 USD pro Barrel. Goldman Sachs hat das Jahresendziel für Brent-Öl auf 90 USD angehoben und vor nicht-linearen Aufwärtsrisiken bei extrem niedrigen Lagerbeständen gewarnt.
- Der Bankenausschuss des Senats soll am Mittwoch über die Nominierung von Walsh zum Vorsitzenden der US-Notenbank abstimmen. Da republikanische Senatoren ihre Blockade aufgeben, erwartet der Markt, dass er Powell, der am 15. Mai zurücktritt, reibungslos ablösen wird, und der Geldmarkt bewertet die Wahrscheinlichkeit von Zinssenkungen im Jahr 2026 neu.
- Die vier großen Cloud-Service-Anbieter und Apple, die zusammen etwa 25 % der Marktkapitalisierung des S&P 500-Index ausmachen, werden diese Woche ihre Quartalsberichte vorlegen. Vor dem Hintergrund eines Anstiegs des S&P 500-Index von fast 10 % in diesem Monat wird die Ergebnisprognose direkt darüber entscheiden, ob die AI-getriebene Bewertungsexpansion andauern kann.
Blockade der Straße von Hormus und Neuberechnung der Energierisiken
Die globale Energieversorgungskette unterzieht sich derzeit einem stetigen Stresstest. Die für das Wochenende geplanten US-Iran-Friedensgespräche haben keine wesentlichen Fortschritte erzielt und die iranische Revolutionsgarde hat zwei Containerschiffe in der Nähe der Straße von Hormus geentert, wodurch dieser wichtige Wasserweg nach zweimonatiger Schließung weiterhin lahmgelegt bleibt. Das tägliche Rohöl-Angebotsdefizit von etwa 13 Millionen Barrel lässt sich derzeit nicht durch andere Wege kompensieren. Berichten zufolge hat der Iran den USA einen neuen Vorschlag zur Wiedereröffnung der Meerenge unterbreitet, dennoch ist die geopolitische Prämie fest in die Terminstruktur eingebettet. Sollten die Exporte aus der Golfregion bis Ende Juni nicht wieder normal laufen, wird der strukturelle Mangel an Rohöl und Raffinerieprodukten die nachgelagerte Fertigungsindustrie zwingen, auf einem höheren Preisniveau neu zu kalkulieren, wobei Südasien und Europa mit einem über den Erwartungen liegenden Anstieg der Energieinflationsindikatoren konfrontiert sein werden.
Führungswechsel bei der Fed und restriktive Preisgestaltung
Der makroökonomische Fokus dieser Woche liegt nicht nur auf der Zinsentscheidung der US-Notenbank am Mittwoch, sondern auch auf dem bevorstehenden personellen Wechsel. Die Bestätigungsabstimmung des Senats über Walsh markiert eine mögliche institutionelle Veränderung in der Politikgestaltung der Fed. In früheren Anhörungen forderte Walsh eine Anpassung des aktuellen Rahmens der Geldpolitik, was von den festverzinslichen Märkten als potenzielles restriktives Signal interpretiert wurde. Der Markt für Overnight-Index-Swaps hat die Wahrscheinlichkeit von Zinssenkungen im Jahr 2026 nahezu vollständig ausgeschlossen. Für die bevorstehende Zinsentscheidung erwartet der Markt allgemein, dass der Leitzins auf dem bisherigen Niveau bleibt. Sollte jedoch in der Erklärung die Stabilisierung der Preise und die Beschäftigungslage als ausgewogeneres Risiko erwähnt werden, könnte dies als Bestätigung einer marginalen Straffung angesehen werden, die den kurzfristigen Zinsrahmen erhöhen würde.
Gewinnberichte von Technologiegiganten bestimmen Index-Erholung
Vor dem Hintergrund hoher makroökonomischer Unsicherheiten wurde die starke Performance des US-Aktienmarktes im laufenden Monat hauptsächlich durch den beispiellosen Anstieg der Halbleiter- und künstliche Intelligenz-Themenaktien getrieben. In dieser Woche beginnt die Berichtsperiode mit einer Vielzahl von Veröffentlichungen, und die Ergebnisse von Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta Platforms werden als entscheidender Maßstab dafür dienen, ob die KI-Investitionen effektiv in Umsätze umgesetzt werden können. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500-Index befindet sich auf einem historischen Hoch, und Investoren werden bezüglich der Margenaussichten dieser fünf der sieben großen Technologieunternehmen äußerst kritisch sein. Sollte das Wachstum der Investitionsausgaben deutlich über dem Umsatzwachstum von Clouddiensten oder dem Kerngeschäft der Werbung liegen, wird die Toleranz des Marktes für Technologieaktien erheblich gesenkt werden, was zu einem Bewertungsanpassungsdruck auf den breiten Marktindex führen könnte.
Anstieg der globalen Anleiherenditen und Spread-Rekonstruktion
Die durch steigende Energiepreise ausgelösten Inflationsängste haben sich direkt auf den Markt für Staatsanleihen übertragen. Laut Daten von Tradeweb stieg die zweijährige Rendite der US-Staatsanleihen um 2,3 Basispunkte auf 3,798 %, während die zehnjährige Rendite um 1,4 Basispunkte auf 4,323 % zulegte. Der europäische Markt zeigt einen ähnlichen Trend, dabei stieg die zehnjährige deutsche Staatsanleihe um 1,1 Basispunkte auf 3,016 %. In einem Umfeld steigender Renditen bleibt der Devisenmarkt relativ zurückhaltend, der Dollar-Index fiel leicht um 0,3 % und konsolidiert sich in der Nähe eines Dreiwochenhochs. Sollte die Forward Guidance der Europäischen Zentralbank und der Bank of England in dieser Woche ein Eingehen auf die Inflationsproblematik erkennbar machen, könnte eine Phase der Spreadeinengung zwischen den USA und Europa den Dollar kurzfristig unter Druck setzen.