- Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe (US10Y:US) fiel im Freitagshandel deutlich um 5,9 Basispunkte auf 4,25 %, während die Rendite der 2-jährigen US-Staatsanleihe (US2Y:US) synchron um 7,6 Basispunkte auf 3,702 % zurückging. Dies spiegelt eine substanzielle Anpassung in der Marktpreisbildung bezüglich des Inflation-Endrisikos wider.
- Das FedWatch-Tool der Chicago Mercantile Exchange (CME) zeigt, dass die Wahrscheinlichkeitserwartung der Fed-Funds-Futures-Händler für eine Zinssenkung der Federal Reserve (Fed) vor Jahresende von 30 % am Vortag auf etwa 50 % stark gestiegen ist.
- Mit der Wiedereröffnung der Straße von Hormus und positiven Signalen aus den Waffenstillstandsverhandlungen im Nahen Osten kam es zu einer deutlichen Korrektur von etwa 11 % beim internationalen Rohölpreis. Kombiniert mit der bevorstehenden Bestätigung von Kevin Warsh als Fed-Vorsitzender, stehen die Erwartungen an die makroökonomische Liquidität vor einer umfassenden Neugestaltung.
Dynamiken der Renditekurve und Neubeurteilung der Marktstimmung
Der US-amerikanische Festzinsmarkt zeigte vor dem Wochenende deutliche Anzeichen einer abnehmenden Risikoaversion. Gestützt durch die Beruhigung der geopolitischen Lage stiegen die Käufe von kurzfristigen Staatsanleihen deutlich an, was die sehr reaktionsfähigen Renditen der 2-jährigen Staatsanleihen (US2Y:US) zum Sinken brachte. Der Renditespread zwischen 2- und 10-jährigen Anleihen (2s10s Spread) liegt derzeit bei positiven 54,6 Basispunkten, was auf eine normal aufwärts geneigte Renditekurve hinweist. Diese stabile Kurvenstruktur deutet darauf hin, dass der Markt kurzfristige externe Preisüberraschungen von langfristigen Rezessionsrisiken entkoppelt. Der etwa 11%ige Rückgang der Rohölpreise an einem einzigen Tag ist die treibende Variable dieser Renditebewegung. Mischler Financial Group und andere Institutionen weisen darauf hin, dass das Ende der Störungen in der Energieversorgung der Golfregion die logische Kette für weitere Anstiege der Inflationserwartungen durchtrennt hat und makroökonomische Hedgefonds dazu veranlasste, vor dem Wochenende massenhaft ihre Short-Positionen zu schließen.
Bereinigung des Energieaufschlags und Abkühlung der Inflationserwartungen
Der zuvor durch kriegsbedingte Unterbrechungen in der Lieferkette ausgelöste Anstieg der Rohölpreise hatte weitreichende Befürchtungen einer Sekundärinflation ausgelöst. Doch die Erklärung des iranischen Außenministers über die Wiederöffnung der Straße von Hormus sowie die optimistischen Erwartungen der US-Regierung auf eine bevorstehende Waffenstillstandsvereinbarung entwichteten schnell die geopolitische Prämie, die die Ölpreise stützte. Der schnelle Rückgang der Energiepreise schafft mehr Spielraum für den geldpolitischen Kurs der Fed. Da der Energiesektor einen erheblichen Anteil am Verbraucherpreisindex (CPI) und am Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE) ausmacht, wird der Rückgang der Rohölpreise direkt zu einem Rückgang der Gesamteinflation führen. Der Schwerpunkt der Marktpreisbildung hat sich daher schnell von der Abwehr externer Preisdrücke hin zur Beobachtung eines sich abschwächenden Arbeitsmarktes, einem internen fundamentalen Faktor, verlagert.
Heftige Anpassung der Preisfeststellung bei Fed-Funds-Futures
Mit der marginalen Entlastung externer Inflationsdrücke hat sich das Preismodell für Zinsderivate drastisch verändert. Daten der CME zeigen, dass die Erwartung einer Zinssenkung bis Jahresende innerhalb von 24 Stunden von 30 % auf ein Ausgleichsniveau (50 %) sprang. Diese drastische Anpassung spiegelt eine Neuausrichtung der Marktmeinung über die Reaktionsfunktion der Fed wider. Die jüngsten Äußerungen von Fed-Gouverneur Christopher Waller bestätigen diese Logik: Obwohl der Krieg kurzfristig die Inflation anheizen und Herausforderungen schaffen könnte, würde eine rasche Beendigung des Konflikts die Beseitigung externer Störfaktoren ermöglichen, wodurch die Möglichkeit, das Fenster für Zinssenkungen im späteren Jahr erneut zu öffnen, realistisch wird. Dieses Erwartungsmanagement hat effektiv den Verkaufsdruck am langen Ende des Rentenmarktes beruhigt.
Führungswechsel bei der Fed und Veränderungen der Zukunftsprognosen
In einer sensiblen Phase drastischer makroökonomischer Schwankungen bringt der bevorstehende Führungswechsel der Fed neue Erwartungsvariablen in den Markt. Der nominierte Vorsitzende Kevin Warsh wird am 21. April eine Bestätigungsanhörung im Senat absolvieren, was zu einem zentralen Beobachtungspunkt für den Festzinsmarkt wird. Da die Amtszeit des derzeitigen Vorsitzenden Jerome Powell nächsten Monat endet, weist die Präsidentin der Federal Reserve von San Francisco, Mary Daly, darauf hin, dass die neue Führung unvorhersehbaren ökonomischen Dynamiken begegnen muss. Der Markt neigt derzeit zu der Erwartung, dass Warsh, wenn die makroökonomischen Inflationsdaten aufgrund eines Rückgangs der Energiepreise eine anhaltende Abkühlung zeigen, nach seiner Amtsübernahme einen adaptiven Zinssenkungszyklus bevorzugen könnte, um potenzielle Wirtschaftsrückgänge abzufedern.