Der Londoner Markt für US-Staatsanleihen erlebte am Freitag einen intensiven Ausverkauf, wobei die Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen auf 4,464 % anstieg, den höchsten Stand seit Juli 2025. Obwohl US-Präsident Trump die Frist für die Wiedereröffnung der Straße von Hormus verlängerte, hat sich die Preisbewertung des Marktes bezüglich geopolitischer Risiken auf „langfristige Konfrontation“ verschoben. Angesichts der anhaltend steigenden Energiepreise (WTI-Öl bei 96 USD, Brent bei 110 USD) ziehen Händler in noch nie dagewesener Geschwindigkeit ihre Wetten auf eine Zinssenkung der Federal Reserve zurück.
Makroökonomischer Hintergrund: Wahrscheinlichkeit für Zinserhöhung steigt
Laut LSEG-Geldmarktdaten ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed 2026 die Zinsen anhebt, auf 75 % gestiegen. Dies stellt eine komplette Kehrtwende gegenüber dem Konsens vor dem Ausbruch des Krieges Ende Februar dar, der für dieses Jahr zwei Zinssenkungen erwartete. Der Stratege Jim Reid von der Deutschen Bank merkt an, dass Trumps Maßnahme der Fristverlängerung nur ein „Schachzug zur Verzögerung“ sei und am grundlegenden Stillstand in den Verhandlungen mit Iran nichts ändere.
Marktreaktion und Risikoprämie
Die Rendite der am anfälligsten für Zinspolitik reagierenden 2-jährigen US-Staatsanleihen stieg auf 4,027 %, das höchste Niveau seit Juni letzten Jahres. Mit den Berichten über eine mögliche Entsendung von 10.000 zusätzlichen Soldaten durch das Pentagon in den Nahen Osten wird die Risikoprämie des Anleihemarktes neu bewertet. Die Rendite der ultralangen 30-jährigen Staatsanleihen nähert sich ebenfalls der 5 %-Marke, was die tiefen Bedenken der Anleger hinsichtlich einer Inflationsspirale und langfristiger Kriegsausgaben widerspiegelt.