- Die drei großen US-Aktienindex-Futures zeigen vorbörslich eine umfassende Erholungstendenz, wobei der Nasdaq 100 Index (NDX) E-Mini-Kontrakt mit über 0,5% anführt. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen, die als globaler Anker für die Vermögenspreisgestaltung dient, fiel von einem vorübergehenden Hoch von 4,631% um fast 5,8 Basispunkte auf 4,573% zurück, was den Bewertungsdruck auf wachstumsorientierte Aktienanlagen erheblich minderte.
- Die Anspannung auf der Angebotsseite der Energie hat sich marginal abgeschwächt, da der Brent-Rohöl-Futures-Preis aufgrund unbestätigter Berichte über eine mögliche vorübergehende Ausnahmegenehmigung der USA für einige iranische Rohölexporte um etwa 2% gesunken ist, was die Marktängste vor einer langfristigen Hochinflation teilweise beruhigte.
- Auf Unternehmensebene verstärkt sich die Divergenz, wobei der Halbleitersektor durch die Gewinnerwartungen von Nvidia (NVDA:US) insgesamt anstieg, während Dominion Energy (D:US) aufgrund der Übernahme durch NextEra Energy (NEE:US) mit einem Aufschlag von 66,8 Milliarden US-Dollar um 15% zulegte. Im Gegensatz dazu fiel Regeneron Pharmaceuticals (REGN:US) aufgrund nicht erfüllter Erwartungen in einem zentralen klinischen Versuch um 11,5% stark ab.
Korrektur der Renditekurve und Logik der Bewertungsanpassung
Die Erholung der Risikobereitschaft vorbörslich wird hauptsächlich durch das vorübergehende Erreichen und Zurückfallen der langfristigen Zinsen angetrieben. Zuvor führten die durch geopolitische Prämien gestiegenen Ölpreise und die über den Erwartungen liegenden Inflationsdaten zu einer zunehmenden Erwartung, dass die US-Notenbank (Fed) die hohen Zinsen beibehalten würde. Das FedWatch-Tool der CME (US) zeigte, dass die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Januar zeitweise über 40% lag. Mit der fast 2%igen Korrektur des Ölmarktes aufgrund potenzieller Sanktionsausnahmen wurde die Energieprämie in den Inflationserwartungen vorübergehend entfernt. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen verließ daraufhin den Hochdruckbereich von 4,631%, was direkt den Technologieunternehmen, die auf die Diskontierung zukünftiger Cashflows angewiesen sind, eine Bewertungsentlastung verschaffte und die Nasdaq-Futures besser als den Dow Jones abschneiden ließ.
Ausblick auf die Quartalsberichte und Dynamik der Technologiewerte
Der Markt konzentriert sich stark auf die bevorstehenden Quartalsberichte von Nvidia (NVDA:US) in dieser Woche. Als Kernwert des aktuellen Zyklus der künstlichen Intelligenz (KI) hat sich der Aktienkurs des Unternehmens seit dem Tiefpunkt im März um über 36% erholt und setzt den vorbörslichen Anstieg um 2,1% fort. Die anhaltend starke Nachfrage nach KI-Rechenleistung hat die Neubewertung der gesamten Chip-Wertschöpfungskette vorangetrieben, wobei der Philadelphia Semiconductor Index im Jahresverlauf um über 60% gestiegen ist. Vor dem Hintergrund, dass die Kapitalausgaben für Rechenleistung bei führenden Unternehmen nicht wesentlich reduziert wurden, positionieren sich Investoren frühzeitig bei Kernlieferanten wie Micron Technology (MU:US) und Intel (INTC:US), die vorbörslich jeweils um 4% bzw. 3,7% zulegten, was die anhaltende Zustimmung institutioneller Investoren zur Aufwärtslogik des Halbleiterzyklus zeigt.
Fusionen, Übernahmen und spezifische Branchenrisiken
Neben den makroökonomischen Liquiditätserwartungen sind die ereignisgetriebenen Merkmale auf Einzelebene äußerst ausgeprägt. Der Versorgungssektor erlebt eine historische Übernahme, da NextEra Energy (NEE:US) die Übernahme von Dominion Energy (D:US) im Wert von 66,8 Milliarden US-Dollar in Aktien plant, was den Aktienkurs des Letzteren um 15% steigen ließ. Dies spiegelt wider, dass im Kontext des Energiewandels und des steigenden Strombedarfs von KI-Datenzentren der strategische Wert von Netz- und Erzeugungsanlagen neu bewertet wird. Gleichzeitig stehen der Pharma- und Krankenversicherungssektor vor Gegenwind. UnitedHealth Group (UNH:US) geriet aufgrund der Reduzierung durch Berkshire Hathaway (BRK.A:US) unter Druck und fiel um 3,2%, während Regeneron Pharmaceuticals (REGN:US) aufgrund des Nichterreichens der primären klinischen Endpunkte in der späten Phase der Melanomtherapie stark fiel, was zu einem schnellen Ausstieg institutioneller Investoren führte und den Aktienkurs vorbörslich um 11,5% einbrechen ließ.