- Der am Mittwoch veröffentlichte Beige Book-Bericht der US-Notenbank (Fed) zeigt, dass die wirtschaftliche Aktivität in den USA in den letzten Wochen leicht zugenommen hat. Allerdings hat der Anstieg der Energiepreise aufgrund des Nahostkonflikts bereits zahlreiche vertikale Bereiche stark beeinflusst und ist derzeit der Haupttreiber für den Inflationsdruck.
- Der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh wird in zwei Wochen seine erste geldpolitische Sitzung leiten. Vor dem Hintergrund einer erneut beschleunigten Kerninflation und einer erwarteten Arbeitslosenquote von 4,3 % wächst innerhalb der Zentralbank der Konsens, die hohen Zinsen länger beizubehalten.
- Angesichts der Tatsache, dass die Inflationsrate der persönlichen Konsumausgaben im April von 3,5 % auf 3,8 % gestiegen ist und seit über fünf Jahren über dem Ziel von 2 % liegt, könnten die neuesten qualitativen Daten die Erwartungen einer Zinssenkung im laufenden Jahr weiter schwächen und sogar eine erneute Zinserhöhung zu einem potenziellen Diskussionsthema innerhalb der Fed machen.
Geopolitische Energiepreisaufschläge vollständig übertragen
Das Beige Book stellt fest, dass der durch den Nahostkonflikt ausgelöste Anstieg der Energiekosten sich vollständig auf mehrere Bereiche der Realwirtschaft wie Transport, Verpackung, Lebensmittel und Düngemittel übertragen hat. In allen Regionen wird berichtet, dass der Kostendruck in der Lieferkette zunehmend auf die Endverbraucherpreise durchschlägt, was in den letzten Wochen zu einem allgemeinen Anstieg des Preisniveaus geführt hat. Gleichzeitig stagnieren die Geschäftserwartungen der Unternehmen für die nächsten sechs Monate aufgrund zunehmender Unsicherheiten, und Anzeichen für eine schwache Verbraucherausgaben dämpfen das Marktvertrauen der Mikroakteure.
Warshs erste politische Herausforderung rückt näher
Die Veröffentlichung dieses makroökonomischen Berichts erfolgt nur zwei Wochen vor der ersten Zinsentscheidung des neuen Vorsitzenden Warsh im Rahmen des Federal Open Market Committee (FOMC). Warsh übernahm Ende Mai die Leitung der Fed von Jerome Powell. Obwohl der Markt zuvor eine Zinssenkungspolitik von ihm erwartet hatte, sind die Forderungen nach einer sofortigen Lockerung der Geldpolitik aufgrund des jüngsten starken Anstiegs der Benzinpreise in den USA deutlich zurückgegangen. In der aktuellen makroökonomischen Umgebung überwiegt bei der neuen Zentralbankführung die Sorge über den Anstieg der Inflation gegenüber der Sorge über eine wirtschaftliche Abschwächung.
Makrodaten-Konsens wendet sich zu längerer Straffung
Die jüngsten makroökonomischen Indikatoren stärken weiter die Begründung der Fed, an ihrer restriktiven Haltung festzuhalten. Die Daten zeigen, dass der von der Fed bevorzugte Inflationsindikator im April 3,8 % erreichte, was einen deutlichen Anstieg gegenüber den 3,5 % im März darstellt und auf einen starken Preisdruck hinweist. Gleichzeitig zeigt der zuvor schwache Arbeitsmarkt Anzeichen von Stabilität, und Ökonomen erwarten allgemein, dass die im Mai veröffentlichten Arbeitsmarktdaten eine Arbeitslosenquote von 4,3 % zeigen werden. Sollte der Arbeitsmarkt weiterhin robust bleiben und die Inflation nicht wieder sinken, wird der Leitzins wahrscheinlich über einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau bleiben.
Politische Variablen und Neubewertung des zukünftigen Zinsverlaufs
Seit Anfang des Jahres hat die Fed den Zielkorridor für den Federal Funds Rate konstant zwischen 3,50 % und 3,75 % gehalten. Aus dem Sitzungsprotokoll vom April und den jüngsten öffentlichen Äußerungen der Beamten geht hervor, dass sich der interne Konsens grundlegend geändert hat und die zuvor allgemein erwartete Zinssenkung im laufenden Jahr faktisch verschoben wurde. Sollte sich die Kerninflation in Zukunft weiterhin stärker als erwartet erholen, könnte die Zentralbank nicht nur die Dauer der hohen Zinsen verlängern, sondern auch gezwungen sein, die Notwendigkeit einer Erhöhung der Kreditkosten neu zu bewerten. In einem solchen Fall wird die globale Preisgestaltung von Vermögenswerten mit einem Marginaldruck auf die Liquiditätsverknappung konfrontiert sein.